Wie Conti Kfz-Werkstätten unterstützt – vor allem bei RDKS

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Er ist dem Reifen wieder ein Stück nähergekommen: Zuvor in Diensten Pirellis, ist Peter J. Wagner 2007 zwar zu Continental gewechselt, hat dort aber – anders als vorher – nicht unmittelbar mit Reifen zu tun gehabt, weil er in den Automotive-Zweig des Konzerns wechselte und in der Division Interior als Director Sales IAM Commercial Vehicles & Aftermarket dafür zuständig ist, Kfz-Betriebe in der Werkstattpraxis unterstützend unter die Arme zu greifen. Stehen dabei unter anderem etwa die zum Unternehmensportfolio gehörenden Ate-Bremsbeläge im Vordergrund oder allgemein solche Dinge, die man eher mit dem Teile- als dem Reifengeschäft verbindet, so ändert sich das Ganze nun wohl ein wenig im Zuge der Pflicht zu Reifendruckkontrollsystemen (RDKS) für Fahrzeuge der Klasse M1. Schließlich hat Conti für das Ersatzgeschäft unlängst sogenannte „Multiapplikationssensoren“ als Alternative zu den in der Erstausrüstung verbauten RDKS-Sensoren angekündigt und gehört mit dem „ContiSys Check TPMS“ zudem ein Servicetester zum Produktprogramm des Automobilzulieferers, der neben Grundfunktionen der Fahrzeugdiagnose – FastCheck EOBD, Bremse, Direktschaltgetriebe, Common-Rail-Injektorkodierung, Servicerückstellung – auch die Daten von RDKS-Sensoren per Funk auslesen kann.

„Das Thema Reifen war einige Zeit ganz weit weg, kommt nun aber wieder näher“, sagt Wagner im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG nicht nur mit Blick auf den eigenen beruflichen Weg. Diese Aussage gilt auch in Bezug auf die seinen Worten zufolge geschätzt über 500 Mitarbeiter bei Conti, die sich um den Independent Aftermarket (IAM) und damit um die Werkstattbelange von Kfz-Betrieben oder Reifenhändlern kümmern. Dabei unterscheidet Wagner im Übrigen nicht zwischen reinen Reifenservicebetrieben und beispielsweise freien Kfz-Werkstätten, zumal die Grenzen ohnehin fließend seien und beide Betriebsformen zunehmend im angestammten Revier des jeweils anderen wildern. Die Botschaft scheint damit klar die folgende zu sein: Wer auch immer in Sachen Werkstatt mit Conti zusammenarbeiten will, ist willkommen. Um den Anforderungen des Marktes noch besser gerecht zu werden, hat sich der IAM-Bereich des Konzerns unlängst eine neue Organisationsstruktur gegeben, wobei die Fäden bei Peter Wagner zusammenlaufen. Ziel des Ganzen sei außerdem, das Ersatzgeschäft noch stärker als bisher als eine Art „Gegengewicht zum volatilen Erstausrüstungsgeschäft“ zu positionieren.

Dabei kann man natürlich als Vorteil ausspielen, durch die Zusammenarbeit mit der Fahrzeugindustrie beispielsweise frühzeitig Zugang zu technischen Informationen neuer Modellreihen zu haben und diesen „Wissensvorsprung“ entsprechend an die Partner aufseiten der Werkstätten weitergeben zu können. „Wir haben Zugang zu Informationen, wie sie sich andere nur schwer selbst erarbeiten können“, so Wagner. Dies wiege umso schwerer, als dass angesichts immer komplexer werdender Fahrzeugtechnologie in Werkstätten nicht mehr viel gehe ohne Ausstattung mit entsprechender Diagnosetechnik. Als Beispiel dafür führt er den Batterietausch an modernen Autos mit Start-Stopp-System an, wo eben ein simples Abklemmen und Ausbauen der alten sowie danach Einbau und Anklemmen der neuen Batterie nicht in allen Fällen genügt, sondern zusätzlich noch Daten ausgelesen und/oder Speicherinformationen zurückgesetzt werden müssen. „Im Grunde muss sich also ein Reifenhändler, der sich im Autoservice engagieren will, zunächst die Frage stellen, wie tief er tatsächlich einsteigen will“, erklärt Wagner, der Contis Hilfestellungen bei alldem aber nicht als eine Art eigenes Werkstattsystem missverstanden wissen will.

Seinen Worten zufolge gibt es derzeit beispielsweise 800 sogenannte Ate-Bremsencenter in Deutschland (Europa: 2.000), wobei sich prinzipiell jede Werkstatt oder jeder Reifenhändler das entsprechende Signet an seinen Betrieb heften kann. Zumindest dann, wenn sie oder er gewisse Umsatzvorgaben mit Conti-/Ate-Produkten erfüllt und entsprechende Schulungen durchlaufen bzw. die nötige (Bremsen-)Kompetenz unter Beweis gestellt hat. „Die Umsatzvolumina werden dabei individuell festgelegt. Es gibt dafür also keine feste Zahl, sondern das ist abhängig zum Beispiel auch von der Größe des Betriebes oder der Region, in der er beheimatet ist“, erklärt Wagner. Die Frage, ob sich ein Reifenhändler im Bremsenservice engagieren sollte, kann er ebenso wenig allgemeingültig beantworten wie die nach dem individuellen Grad eines etwaigen Autoserviceangebotes insgesamt. Keine zwei Meinungen dürfte es jedoch dazu geben, ob sich Reifenfachhändler – und natürlich Kfz-Werkstätten ebenso – mit der RDKS-Thematik auseinandersetzen müssen oder nicht.

Und an dieser Stelle kommen dann Contis „Multiapplikationssensoren“ ins Spiel, die unter dem Markennamen VDO vor der Winterreifenperiode ab Mitte 2014 auf den Markt kommen sollen. Besonderheit dabei ist, dass der Sensor in der Lauffläche des Reifens positioniert wird, womit das Unternehmen gegenüber der sonst üblichen Kombination aus Ventil und Sensor Vorteile für die tägliche Arbeit im Reifenservice verbindet. Denn durch das Verkleben der Conti- bzw. VDO-Sensoren, die demnach etwa so groß sind wie ein 50-Cent-Geldstück, im Reifeninneren wird sich nach Ansicht des Anbieters der Austausch von RDKS-Sensoren für Werkstätten vor allem komfortabler gestalten. Laut Wagner will man mit nur wenigen Varianten – konkret ist von nicht einmal einer Handvoll die Rede – die Erstausrüstungssensoren einer großen Zahl von Fahrzeugmarken/-modellen im europäischen Markt ersetzen können, was analog zu den ventilbasierten programmierbaren RDKS-Sensoren anderer Anbieter im Reifenservice aktiven Betrieben natürlich die Lagerhaltung vereinfacht: Denn damit muss nicht mehr für jeden Fahrzeugtyp der jeweilige originale Erstausrüstungssensor vorgehalten werden.

Im Zuge der gesetzlichen Pflicht zur Ausrüstung neuer Fahrzeuge der Klasse M1 werden schließlich immer mehr Modelle auf den Markt kommen, die ab Werk mit RDKS ausgerüstet sind. Und wenn diese mit einem direkt messenden, also sensorbasierten System vom Band laufen, dann ist laut Conti die korrekte Funktion des Ganzen beim Einsatz in Sommer- wie Winterreifen am einfachsten mit einem zusätzlichen Satz an Sensoren zu realisieren. Werden nach Unternehmensaussagen momentan hauptsächlich fahrzeugspezifische Sensoren auf dem europäischen Ersatzteilmarkt verbaut, geht man mit Blick auf die Erfahrungen aus dem nordamerikanischen Markt, wo VDO in den USA schon 2011 seine sogenannten „Redi“-Sensoren eingeführt hat, davon aus, dass sich der dahinter stehende konzeptionelle Ansatz mit nur wenigen Varianten eines Universalsensors auch in Europa durchsetzen wird. Insofern ist der für die hiesigen Gefilde angekündigte „Multiapplikationssensor“ eine Weiterentwicklung der „Redi“-Sensoren, mit denen Conti bei aktuell vier Ausführungen eine Abdeckung von nach eigenen Angaben über 80 Prozent der im US-Markt mit direkten RDKS ausgestatteten Fahrzeuge erreicht: Unterschied der „Multiapplikationssensoren“ zum Vorbild aus Nordamerika ist die Verklebung mit dem Reifen – gleichwohl hat man sich bei Conti entschieden, die europäischen VDO-Sensoren ebenfalls unter dem Namen „Redi“ anzubieten.

Mit Sensoren allein ist es aber bekanntlich nicht getan, wenn ein Fahrzeug mit direkt messendem RDKS auf den Hof kommt. Bei Servicearbeiten an dem System – etwa der obligatorischen Ventilerneuerung bei einer Ummontage – werden auch Servicekits benötigt mit frischen Dichtungen, neuen Ventileinsätzen etc. Und freilich muss zudem das richtige Werkzeug vorgehalten werden, um sämtliche Schraubverbindungen mit dem korrekten Drehmoment festzuziehen. All das findet sich ebenso im VDO-Handelsprogramm wie der Servicetester „ContiSys Check TPMS“, mit dem sich die Sensordaten (Druck, Temperatur und Batteriestatus) auslesen lassen. Es liefert zudem servicerelevante Informationen für den Austausch der Radsensoren wie zum Beispiel Anzugsdrehmomente und Ersatzteilnummern. Parallel dazu bietet das Diagnosegerät die Möglichkeit, die Servicefunktionen des Reifendruckkontrollsystems über die OBD-Schnittstelle zu nutzen. Wie Conti sagt, unterscheidet sich das „ContiSys Check TPMS“ genannte Gerät von der Basisversion ohne den Namenszusatz „TPMS“, hinter dem sich der englische Begriff Tyre Pressure Monitoring System für RDKS verbirgt, lediglich durch eine erweiterte Softwarefunktion und ein angeschraubtes Frequenzmodul, das sich auch nachrüsten lässt. Letzteres beherbergt einen aufladbaren Batterieblock, der das Gerät unabhängig vom Fahrzeugbordnetz bis zu zwei Stunden im Dauerbetrieb mit Spannung versorgen können soll.

Mit alldem sieht sich Conti gut aufgestellt, für die neuen Herausforderungen, mit denen sich Reifenservicebetriebe mit steigender Verbreitung von RDKS im europäischen Markt konfrontiert sehen werden. „Kfz-Werkstätten und Reifenservicebetrieben wird das Reifendrucküberwachungssystem künftig immer häufiger begegnen“, so das Unternehmen. „Aufgabe der Werkstätten wird es sein, einen professionell durchgeführten Reifenservice anzubieten, der den Tausch von spezifischen Komponenten und die Funktionsüberprüfung der Sensoren umfasst. Mit der Kompetenz aus der Erstausrüstung, den passenden Sensoren sowie den geeigneten Werkzeugen und Service- und Diagnosegeräten ist die Marke VDO beim Thema TPMS ein kompetenter Partner der gesamten Aftermarket-Branche“, ist man bei dem Konzern überzeugt. christian.marx@reifenpresse.de

 

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