Wolfgang Lüttschwager strebt zu neuen Ufern

Als Wolfgang Lüttschwager zum Jahreswechsel 2012/2013 nach 34 Jahren Betriebszugehörigkeit beim Nutzfahrzeugreifenspezialisten und Marktführer im Großhandel von Landwirtschaftsreifen Bohnenkamp AG (Osnabrück) ausschied, war dies eine Zäsur. Sicherlich auch für den Grossisten, war Lüttschwager dort doch als Gesamtvertriebsleiter die Nahtstelle zu wesentlichen Kunden. Aber natürlich auch für ihn selbst, räumt der inzwischen 56-Jährige ein: Das schüttele man nicht so einfach ab, schließlich habe er sich ja immer in hohem Maße mit dem Unternehmen und dessen Marken- und Produktangebot identifiziert. Mittlerweile ist der Abstand aber groß genug, Wolfgang Lüttschwager zeigt sich hochmotiviert, ein neues Projekt zu starten und mit ihm die European Tyre Distributors BV (ETD, Strijen/Niederlande) und für das chinesische Reifenlabel Leao.

ETD-Eigner und -Chef Marcus Reedijk (65) ist ein langjähriger Weggefährte Lüttschwagers in der Reifenbranche. Man kennt, vor allem man vertraut sich. Nach dem Verkauf seines eigenen Reifengroßhandels vor etwa anderthalb Jahrzehnten (an Van den Ban, d. Red.) hatte Reedijk als wohl einer der ersten in der Branche das enorme Potenzial der chinesischen Reifenindustrie erkannt und in der Stadt Weihai (Provinz Shandong) eine Dependance gegründet, die heute acht Mitarbeiter hat. Reedijk und seine langjährige Verkaufsmanagerin Jeannette Bertolin sind in der internationalen Reifenhandelslandschaft bestens vernetzt und bringen China-Produktion mit Abnehmern auf der ganzen Welt, vor allem aber in Europa zusammen.

Eine Marke, besser ein Name mit noch eher geringem Bekanntheitsgrad hierzulande ist Leao, hergestellt bei Shandong Linglong und damit einem der „Top Five“ aus der Reifenindustrie in Festlandchina. Shandong Linglong ist Vollsortimenter und Hersteller solcher hierzulande mehr oder (noch?) eher weniger bekannter Reifennamen wie Event, Infinity, Linglong oder eben Leao. Wolfgang Lüttschwager, der sich zwischenzeitlich mit der WL Automotive Vertriebs GmbH – bei der sein Sohn Matthias (27) als gleichberechtigter Partner mitwirkt – selbstständig gemacht hat, will vom Leao-Pkw-Segment die Finger lassen, aber dem gesamten Nutzfahrzeugsortiment der Marke in Europa gemeinsam mit der ETD den Markteinstieg ebnen und tourt darum seit Wochen durch die Lande.

Die Aufbauarbeit bringe ihm Spaß, zeigt er sich im persönlichen Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG engagiert. Die Angebotspalette Lkw-/Trailer-, EM-/Industrie- und nicht zuletzt Landwirtschaftsreifen – auch radialer Bauart – ist schon mal mehr als beachtlich und reicht bis in enge Nischen herein, teilweise nicht als Leao, sondern unter dem Namen „Security“. Dass er sich mit einem in der europäischen Reifenhandelslandschaft noch weithin unbekannten Nutzfahrzeugreifennamen preislich hinten anstellen muss, dass es gilt Aufbau- und Überzeugungsarbeit für Leao leisten, das weiß Lüttschwager auch, dazu ist er Realist genug und erfahren allemal. Er will sein Know-how einbringen, um den fernöstlichen Partnern nahezubringen, welche Produkte hierzulande gefragt sind, was sie tun müssen, um ihr Angebot noch weiter zu „europäisieren“ oder – wie er es sagt – zu „strukturieren“ und damit für „Nachhaltigkeit“ zu sorgen. Aus dem „Billigprodukt“ soll ein wenigstens Experten bekannter Reifenname werden, von Markenstatus spricht Lüttschwager gar nicht erst.

An den Einzelhandel wollen die ETD und ihr deutscher „Sales Manager“ nicht herantreten, dem bestehenden Großhandel soll auch keine Konkurrenz gemacht werden, vielmehr biete man sich als Partner für Großabnehmer an. Dass ein Marktbedarf für Nutzfahrzeugreifen eher am unteren Ende der Preisskala vorhanden ist, davon sind die Leao-Repräsentanten überzeugt und beweisen eine Reihe von in diesem Marktsegment erfolgreiche kleinere Grossisten. Angestrebt wird ein weniger dichtes, sondern eher „übersichtliches Netz“ bestehend aus Exklusivpartnern in einigen tendenziell eher kleineren Märkten und von Stützpunkthändlern in eher größeren Märkten wie zum Beispiel Deutschland. Erste verheißungsvolle Gespräche haben bereits stattgefunden.

Wolfgang Lüttschwager weiß, dass er aus einer Nische heraus den Reifenmarkt „nicht aufrollen“ kann und will dies auch gar nicht. An ein eigenes Lager hat er bislang nicht einmal einen Gedanken verschwendet. Er will von seinem über lange Zeit erworbenen Know-how zehren und es nutzen, um als seriöser Mittler zwischen einem aufstrebenden chinesischen Reifenhersteller und leistungsfähigen europäischen Großhändlern zu wirken, von denen er viele seit Jahren bestens kennt. detlef.vogt@reifenpresse.de

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

An Diskussionen teilnehmen
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.