Tap Rap zeigt die Kunst der Reifenreparatur

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Er ist ein kleiner Familienbetrieb im Süden Italiens, aber in seiner speziellen Nische der Reifenreparatur gehört er zu den führenden Anbietern. Der Betrieb – 1980 von Giuseppe Ferraras Familie gegründet – heißt RFP, aber die Marke, über die das Unternehmen in der Branche bekannt ist, heißt „Tap Rap“, was heute als Synonym für Reifenreparaturspezialist und großes Know-how verstanden wird. Was Tap Rap dabei von anderen Anbietern von Reifenreparaturlösungen unterscheidet, ist nicht nur das spezialisierte Produkt bzw. die spezialisierte Dienstleistung. Tap Rap steht für eine patentierte Technologie der Reifenreparatur, die Ferrara gerne als „wirklich chirurgische Transplantationsarbeit“ umschreibt.

Giuseppe Ferrara ist seit 55 Jahren Unternehmer im Bereich der Runderneuerung und der Reifenreparatur. Den größten Teil seiner beruflichen Laufbahn hat er dabei in der Fabrik an der Seite der Arbeiter verbracht, die täglich mit Reifen zu tun haben. Bereits in frühen Jahren beklagte Ferrara, dass jeden Tag rund 15 Prozent der Reifen einfach weggeworfen wurden bzw. weggeworfen werden mussten. Einige der Karkassen befanden sich dabei noch in der Eingangskontrolle zur Runderneuerung, andere wiederum waren bereits einige Schritte weiter durch den Runderneuerungsprozess gelaufen, als der Defekt erst auffiel. Dies, betont Ferrara im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG, bedeute nicht nur eine Vergeudung von Arbeitszeit, sondern erhöhe auch die Kosten in der Produktion signifikant. Ferrara war so die Idee gekommen, Materialien für die Reparatur und Verstärkung von Reifen zu fertigen. Nachdem im Laufe von rund zehn Jahren zahlreiche Tests mit verschiedenen Schadensbildern durchgeführt worden waren, eröffnete Ferrara in seinem Betrieb eine eigene Abteilung für „Gürtelerneuerung“, in der ein oder zwei Stahlcordlagen von Radialreifen erneuert werden konnten. Die ersten Ergebnisse waren durchaus gut und man sei auf einmal in der Lage gewesen, Karkassen weiter zu nutzen, die ansonsten für eine Entsorgung angestanden hätten. Im Laufe der Zeit konnte das Unternehmen sein Know-how erweitern, was den Umgang mit den Stahlcordfäden in den Gürtellagen, in der Schulter oder im Wulstbereich betrifft; verschiedene Defekte konnten behoben werden. Trotz dieser Entwicklungen hörte Ferrara nicht auf, sich in der Runderneuerung von Reifen zu engagieren. Parallel dazu entwickelte sich aber mit RFP Srl. ein Unternehmen, das Reifenreparaturmaterialien herstellt und vertreibt, und zwar unter dem Markennamen „Tap Rap“.

Im Laufe der Jahre hat das Unternehmen neue Technologien entwickelt, die die Flexibilität eines Radialreifens in der Seitenwand oder in der Lauffläche nicht mehr verändern. Dazu wird etwa Stahlcord für größere Reparaturen genutzt, während kleinere Defekte auch mithilfe von Rayon-Cord repariert werden. Außerdem befinden sich die Cordfäden in den Lagen der Reparaturpflaster in verschiedenen diagonalen Winkeln zueinander, die eine größtmögliche Flexibilität und Elastizität gestatten. In der Tat unterscheiden sich die Tap-Rap-Produkte von den traditionellen Reparaturpflastern auf textiler Basis, liegen dort die verschiedenen Fäden doch in der Regel parallel zueinander. Die gekreuzte Struktur der verschiedenen Cordlagen bzw. der darin enthaltenen Fäden sorge eben für eine größere Flexibilität der Pflaster, was wiederum eine übermäßige Erhitzung des Reifens an der reparierten Stelle verhindert. Dies wirke sich ebenfalls positiv auf die Zuverlässigkeit und Langlebigkeit der Reparatur aus. Außerdem sei es nicht erforderlich, das Reparaturpflaster vor einer weiteren Runderneuerung zu ersetzen oder zu erneuern.

Die Funktionalität sowie die Qualität der Materialien für die Tap-Rap-Reifenreparatur seien dabei offiziell beglaubigt, und zwar durch TÜV-Zertifikate sowie solche von italienischen Prüforganisationen wie der Politecnico di Bari.

Die Technologie und die Materialien, die in der Tap-Rap-Reifenreparatur verwendet werden, sind dabei durch ein Patent geschützt und werden durch Sergio Ferrara überwacht, Sohn des Firmengründers und Geschäftsführers Giuseppe Ferrara, der das Tap-Rap-Reifenreparatursystem gern als „wirklich chirurgische Transplantationsarbeit“ bezeichnet. Und in der Tat, bei der Reparatur komme es darauf an, Material – insbesondere in den verschiedenen Cordlagen – in einen Reifen zu ‚verpflanzen’ und dort zu integrieren. Das mache den Unterschied, so Ferrara weiter. Dabei ist das Angebot, das Tap Rap mittlerweile macht, wie so oft aus den Bedürfnissen des Marktes entstanden, denn alle verfügbaren Systeme konnten bis dahin die Lebensdauer des Reifens bzw. der Karkasse nicht garantieren, wie der Markt dies eben erforderte. „Wir haben eine Menge Untersuchungen gemacht, insbesondere was besonders große Schäden betrifft“, sagt Sergio Ferrara. „Jeder Eingriff stellt dabei quasi die Behebung eines Leistenbruchs dar.“

In Tests habe man zunächst auf Pflaster mit einer Schicht Stahlcordfäden zur Verstärkung gesetzt. Aber da die am Defekt liegenden Lagen zumeist noch intakt seien, habe dies zu einer erhöhten Steifigkeit geführt; die Reparatur habe man dabei als nicht zufriedenstellend erachtet. Nach mehreren Versuchen habe man schließlich einen Weg gefunden, Stahlcordfäden im Reparaturpflaster zu nutzen. „Bei einem Defekt in der Seitenwand werden nach der Tap-Rap-Technologie die Originalcordfäden vom Wulstkern bis zur Lauffläche hin entfernt und ersetzt“, so Ferrara weiter; ein Fenster vom Wulstkern bis zur Lauffläche entsteht. „Eine echte Transplantationsarbeit.“ Dies trifft nicht nur auf die Reparatur von EM-Reifen zu, sondern auch auf die von Lkw-Reifen, wo die Stahlcordfäden zuvor mit keinem Pflaster irgendwie zu reparieren waren. „In zahlreichen Tests haben wir ein trapezförmiges Rohpflaster entwickelt, das bis zu 18 Stahlcordfäden beinhaltet und das sich der Seitenwand anpasst“, so Ferrara weiter. Die Reparatur wird abgeschlossen mit der Anbringung einer vulkanisierten Liner-Schicht zum Schutz.

Das Wichtigste, um diese Arbeiten fachgerecht durchzuführen, sei das Training der Mitarbeiter und die Übertragung des Know-hows von Tap Rap auf den Kunden, was schließlich auch mit einem Zertifikat belegt wird. Tap Rap bietet entsprechende spezielle Schulungen direkt beim Kunden an. Sie dauern rund fünf Tage für diejenigen, die schon nennenswerte Erfahrungen in der Reifenreparatur haben.

Heute ist das Referenzsegment für RFP das der sogenannten Giant Tyres, die in den Minen dieser Welt eingesetzt werden und die nur unter hohen Kosten repariert werden können. Das Geschäft in dieser Nische begann dabei 2000, als das Unternehmen in Kontakt mit potenziellen Kunden in Kanada kam, die Reifen von vier Metern Durchmesser zu reparieren hatten, wie Ferrara sie bis dahin in Italien noch nicht untergekommen waren. „Wir hatten damit Erfolg“, so Ferrara weiter. „Und heute ist unser System das einzige weltweit, das eine wirksame Reparatur für Großreifen anbietet. Die Marke ist nun in der Branche bekannt und gilt als Garant für eine lange Lebensdauer.“

RFP erzielt heute 90 Prozent seines Umsatzes im Ausland, etwa in Nordamerika, Südamerika, Indonesien, Australien, Neuseeland oder Russland. Auch in Frankreich hat das Unternehmen eigenen Angaben zufolge einen guten Marktanteil, wobei die Nachfrage in Europa vorwiegend kleinere Pflaster für Lkws und Pkws betrifft.

„Wir sind in kleinen Schritten gewachsen und wir sind stolz auf die Zufriedenheit unserer Kunden“, sagt Ferrara. „Beginnend mit der Runderneuerung haben wir unsere Rolle von der einer Krankenschwester zu der eines Chirurgen weiterentwickelt. Heute bieten wir Exzellenz in der Nische und unsere Befriedigung stammt aus dem Know-how-Transfer zu unseren Kunden, die sich dann wiederum einen Vorsprung in ihrem Markt erarbeiten konnten.“ lucia.tonini@pneusnews.it/ab
  

Heute ist das Tap-Rap-System das einzige weltweit, mit dem eine wirksame Reparatur von Großreifen durchgeführt werden kann

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