Studie: Reifen mit steigender Bedeutung beim Kfz-Teilehandel

Der unabhängige Teilegroßhandel ist der Kerndistributionskanal für die Teilehersteller. Eine Ausnahme bildet hier die Reifenindustrie, bei der (noch) der Reifenfachhandel dominiert. Zwei wichtige Entwicklungen prägen nun diese Branche. Zum einen haben in den letzten Jahren vermehrt Freie Werkstätten die Produktgruppe Reifen in ihr Geschäftsfeld aufgenommen. Zum anderen hat auch ein wesentlicher Teil des Reifenfachhandels sein Angebot im Bereich Autoservice ausgebaut. Bei einer rückläufigen Nachfrage im  Aftersales ist es daher nur eine logische Folge, dass die Teilegroßhändler ihr Sortiment auch mit Pkw-Reifen ergänzen. Fast die Hälfte der Teile-Großhändler führen Reifen in ihrem Sortiment, wie eine Untersuchung der Strategieberatung 2hm & Associates GmbH ergab – mit steigender Tendenz.

Zwar bewegt sich der Umsatzanteil dieser Produktgruppe aktuell nur durchschnittlich bei knapp drei Prozent, jedoch erreicht dieser bei einigen wichtigen Handelsgruppen gut sechs Prozent, so 2hm. Die Teilehändler schätzen, dass der Anteil des Reifengeschäftes in den nächsten fünf Jahren stetig steigen bzw. sich auf sechs Prozent bis 2016 (siehe Schaubild) verdoppeln wird. Getragen wird diese Entwicklung durch die wichtigen Handelsgruppen, die damit ihre angeschlossenen Systemwerkstätten direkt bedienen.

Bislang wird das Reifengeschäft durch den Teilegroßhandel jedoch mehr nebenbei und wenig professionell betrieben. Die Nachfrage ihrer Kunden nach Pkw-Reifen wächst aber stetig und die zahlreichen Online-Shops für Kfz-Teile sind dazu wesentliche Treiber für eine positive Entwicklung. Laut aktuellem DAT-Report gewinnen „Freie Werkstätten“ für die Autofahrer weiter an Bedeutung und damit auch im Geschäft mit Reifen. Teilegroßhändler haben ein dichtes Distributionsnetz und sind daher in der Lage, schnell ihre Abnehmer auch mit Reifen zu versorgen.

Reifenindustrie verlagert Streckengeschäft

 

Seit einiger Zeit besteht die Tendenz der Reifenhersteller, aus wirtschaftlichen Gründen das Streckengeschäft dem Großhandel zu überlassen. Entsprechend wuchs die Bedeutung des Reifengroßhandels auf fast 40 Prozent des Marktes, so die Zahlen der Strategieberatungsgesellschaft. Mit dieser Entwicklung nahm auch der Direktbezug von Reifen  durch den Teilehandel in den letzten fünf Jahren von ein auf vier Prozent zu. Stagnierender bzw. rückläufiger Teileersatzbedarf hat in letzter Zeit dazu geführt, dass der Reifenfachhandel sein Angebot an Autoservice ausgebaut hat. Ebenso haben sich Einkaufskooperationen mit Auto-Systemwerkstatt-Betreibern zusammengetan. Demzufolge beliefert der Teilehandel verstärkt den jeweiligen Reifenfachhandel und konkurriert mit dem Reifengroßhandel. „Es ist zu erwarten, dass es bei der Anzahl sowohl beim Teilegroßhandel als auch bei den Reifengroßhändlern zu einer Bereinigung  kommen wird“, schlussfolgert Hans Herrmann, Consultant bei 2hm.

Teilehersteller und Teilehandel Hand in Hand

Ein geändertes Mobilitätsverhalten zu Lasten des Individualverkehrs sowie eine Überalterung des Fahrzeugbestandes werden zu einer Verringerung des Ersatzbedarfs von Autoteilen (inklusive der Reifen) führen. Die zunehmende Bedeutung des Online-Handels übt einen weiteren Wettbewerbsdruck auf Hersteller und Großhandel aus. „Es ist daher sowohl im Interesse des Lieferanten von Original-Erstausrüsterteilen als auch zum Vorteil des professionellen Teilehandels, wenn beide gemeinsame Vermarktungsstrategien entwickeln“, wie Leif Steinbrinker, Partner bei 2hm, empfiehlt. Nur wenn der Einzelhandel als beidseitiger Kunde profiliert mit entsprechender Unterstützung gegenüber den Endverbrauchern auftritt,  wird dies zu einem nachhaltigen Erfolg im Teilegeschäft führen. dv

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