Transportunternehmen sparen mit professionellem Reifenmanagement

Von Alexander Murad, Geschäftsführer der efleetcon gmbh

Die Transportbranche ist hart: Die Margen sind gering, die Zeitpläne eng. Nur wer auf Achse ist, verdient Geld. Stillstand kostet. Speditionen, Busunternehmen und sonstige Transportunternehmen betreiben großen Aufwand, um ihre Kosten zu minimieren: Sie schaffen modernere und sparsamere Fahrzeuge an, investieren in Telematik- und Informationssysteme, verbessern ihr Logistik- und Fuhrparkmanagement und trainieren ihre Fahrer. Doch vielerorts ist das Sparpotenzial dieser Maßnahmen inzwischen weitgehend ausgereizt. Eine sehr effiziente und kostengünstige Optimierungsmaßnahme rückt dadurch immer stärker in den Fokus: professionelles Reifenmanagement.

Reifenmanagement senkt Kosten und steigert die Zuverlässigkeit

Der richtige Reifenluftdruck spart Treibstoff. Bei Nutzfahrzeugen nicht selten mehr als einen Liter Diesel auf hundert Kilometer. Bei einem Fahrzeug mit einer Jahreskilometerleistung von 120.000 Kilometern summiert sich das schnell auf 1.500 bis 2.500 Euro. Zudem verringert der richtige Luftdruck in den Reifen den Verschleiß und verlängert damit ihre Lebensdauer. Trotzdem sind sorgfältige und konsequente Reifenkontrollen in vielen Betrieben die Ausnahme. Erfahrungsgemäß kümmern sich nur die wenigsten Fahrer um ihre Reifen, solange die Fuhre rollt. Dabei fallen bei regelmäßigen Reifenkontrollen auch Schäden am Pneu auf, bevor sie eine Panne und damit ungeplante Standzeiten und zusätzliche Kosten für Notreparaturen verursachen. Diese Vernachlässigung der Reifen beschert Transportunternehmen vermeidbare Mehrkosten von etlichen Tausend Euro pro Fahrzeug und Jahr.

Im Alltag kommt das Thema Reifenwartung aus den unterschiedlichsten Gründen wie Zeit- und Kostendruck oder fehlender Infrastruktur zu kurz. Dabei sind sich die meisten Transportunternehmen der Reifenproblematik durchaus bewusst. Ihnen fehlt oft jedoch ein Ansatz, wie sie dem beikommen können. Nur auf Appelle an die Fahrer zu setzen, ist wenig erfolgversprechend. Deutlich zielführender ist die Einführung eines systematischen und professionellen Reifenmanagements.

Nur regelmäßige Kontrollen liefern verlässliche Daten

Nur durch die regelmäßige Kontrolle jedes einzelnen Reifens im Fuhrpark kann ein Unternehmen den Überblick über die Reifensituation in seiner Fahrzeugflotte wahren. So behält es den Zustand der Reifen permanent im Blick und kann gewährleisten, dass der Reifenluftdruck immer in einem vertretbaren Toleranzbereich liegt und nicht unnötig viel Treibstoff verbraucht wird. Außerdem können die Reifenverantwortlichen dank der regelmäßigen Kontrollen auf sich anbahnende Probleme reagieren, bevor sie zusätzliche Kosten verursachen. Zu niedriger Luftdruck ist immerhin der mit Abstand häufigste Grund für Reifenversagen. Mit dem Wissen um den Zustand ihrer Reifen sind die Verantwortlichen in der Lage, rechtzeitig neue Reifen zu bestellen und alte Reifen zu wechseln oder abgefahrene bzw. beschädigte Reifen zur Runderneuerung oder Reparatur zu schicken. Ein umfassendes Monitoring der Reifen senkt somit das Risiko ungeplanter Standzeiten und Pannen aufgrund von Reifenschäden deutlich und steigert die Sicherheit. Zudem entscheidet nicht mehr der Zufall darüber, ob ein abgefahrener Reifen rechtzeitig bemerkt und gewechselt wird. Richtiges Reifenmanagement beugt damit auch Straf- und Bußgeldern aufgrund abgefahrener Reifen vor.

Umweltschutz ist ein weiteres Argument für professionelles Reifenmanagement. Sicherlich steht dieser Aspekt bei den wenigsten Unternehmen im Vordergrund, wenn sie sich für die Einführung einer Reifenmanagementlösung entscheiden. Allerdings sollte der Umweltschutzgedanke heutzutage nicht mehr außer Acht gelassen werden. Jeder eingesparte Liter Diesel reduziert den Kohlendioxidausstoß und schont somit das Klima. Da korrekt gewartete Reifen außerdem öfter runderneuert werden können und eine höhere Lebenslaufleistung haben, schont professionelles Reifenmanagement auch auf diesem Weg die Umwelt. Die Produktion eines neuen Reifens verschlingt deutlich mehr Energie und Ressourcen als die Runderneuerung einer gebrauchten Karkasse. Außerdem landen weniger alte Reifen auf dem Müll.

Manuelle Erfassung birgt hohes Fehlerrisiko

Die auf den ersten Blick einfachste und kostengünstigste Variante zur Inventur der Reifen ist die manuelle Erfassung. Mit Zettel und Stift macht ein Mitarbeiter die Runde, prüft die Reifen, korrigiert den Luftdruck und protokolliert alles auf einem Zettel. Seine Befunde überträgt er im Büro in eine Excel-Tabelle. Weil aber selbst in kleineren Unternehmen schon eine große Anzahl an Reifen im Einsatz ist, erweist sich diese Methode in der Praxis sehr schnell als fehleranfällig: Sie ist unübersichtlich, Reifen werden verwechselt, Zahlen verdreht. Es reicht bereits, dass zwischen zwei Kontrollen ein Reifen ausgetauscht und dieser Reifenwechsel nicht in der Tabelle dokumentiert wurde, und schon stimmt die Zuordnung der Daten nicht mehr. Unternehmen sollten bei der Kalkulation einer solchen Lösung auch beachten, dass sie die Arbeitszeit für die Prüfung der Reifen, die Korrektur des Luftdrucks und die Eingabe der Daten in den Computer berücksichtigen müssen. Sie sollten dafür pro Fahrzeug mindestens 30 Minuten im Monat ansetzen.

Eine professionelle Reifenmanagementsoftware erleichtert die Verwaltung der Pneus. Eine solche Software-Lösung ist übersichtlicher als Excel-Tabellen und umfasst zum Teil weit mehr Funktionen als die reine Zustandserfassung. Speditionen, Busbetriebe und sonstige Fuhrunternehmen können damit den Überblick über ihren Reifenbestand behalten und – abhängig vom Funktionsumfang – weitere Einsparpotenziale erschließen. Einzelne Lösungen bieten Management- und Reporting-Funktionen, die Vergleiche der Kosten und Laufleistungen verschiedener Reifen und damit eine optimale Einkaufs- und Bedarfsplanung ermöglichen. Allerdings muss auch bei diesen Lösungen jemand die Runde im Hof machen, die Daten per Hand erfassen und im Büro am Computer eintragen. Damit hängen auch bei dieser Variante die Wartungsintervalle und somit die Qualität des Reifenmanagements vom Engagement der Mitarbeiter ab.

Leistungsumfang sollte genau definiert sein

Alternativ zum Reifenmanagement in Eigenregie können Transportunternehmen auch einen externen Dienstleister engagieren, der sich um die Kontrolle der Reifen kümmert. Für eine maximale Zeitersparnis sollte vereinbart werden, dass Mitarbeiter des Dienstleisters in regelmäßigen Intervallen direkt auf dem Hof des Kunden alle Reifen prüfen und nicht die Fahrzeuge zum Dienstleister gebracht werden müssen. Damit das Transportunternehmen einen zuverlässigen und umfassenden Überblick über den Zustand seiner Reifen erhält, müssen bei diesen Kontrollen die Daten jedes einzelnen Reifens erfasst, der Luftdruck geprüft, korrigiert und protokolliert sowie die Profiltiefe gemessen und sichtbare Schäden dokumentiert werden. Einzelne Dienstleister setzen auf eine durchgängig elektronische Erfassung und Zuordnung der Reifendaten. Bei diesen Systemen sind Fehler so gut wie ausgeschlossen. Zudem sollte der Dienstleister alle Reifenwechsel und -services genauestens dokumentieren. Nur so lassen sich alle entstehenden Kosten korrekt zuordnen. Alle Daten sollten zudem über ein Webinterface abrufbar sein, damit das Unternehmen jederzeit Zugriff darauf hat.

Ohne eigenen Mehraufwand spart solch ein Rundum-sorglos-Service Transportunternehmen Treibstoffkosten und senkt den Reifenverschleiß. Die Kosten für den geschilderten Leistungsumfang belaufen sich auf etwa 15 bis 20 Prozent dessen, was Transportunternehmen allein beim Treibstoff und durch geringeren Reifenverschleiß einsparen. Damit rechnet sich ein solcher Service für Speditionen und sonstige Transportunternehmen jeglicher Größe erfahrungsgemäß bereits ab einer Spritersparnis von 0,3 Litern pro hundert Kilometer. Hinzu kommt die Kostenersparnis durch reduzierte Standzeiten, weil dank des permanenten Überblicks über den Reifenzustand Werkstatttermine optimal an die Betriebsabläufe angepasst werden können. Perfekt gewartete Reifen können außerdem öfter runderneuert werden und sparen auch damit weiteres Geld.

Unabhängigkeit garantiert besten Service

Reifenhersteller und -händler bieten verschiedenste Reifenmanagementservices mit unterschiedlichem Leistungsumfang. Bei der Auswahl ihres Dienstleisters sollten Transportunternehmen darauf achten, dass ihre Interessen im Mittelpunkt stehen. Weder Reifenhersteller noch Reifenhändler verdienen daran, dass die Reifen möglichst lange halten. Aus diesem Grund gehen Transportunternehmen nur mit einem herstellerunabhängigen Serviceanbieter auf Nummer sicher. Denn er hat ausschließlich die Interessen seines Kunden im Blick und garantiert damit den optimalen Erhalt und die effizienteste Nutzung der Reifen.

Mit professionell durchgeführtem Reifenmanagement können sich Transportunternehmen einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber ihrer Konkurrenz sichern. Sie senken ihre Kosten, steigern Sicherheit und Zuverlässigkeit und tun etwas für die Umwelt. Mit überschaubarem Aufwand können sie den schwarzen Schatz heben. dv

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