François Michelin (87) gewährt Einblick in sein Gefühlsleben

Ziemlich genau sieben Jahre nach dem tödlichen Unfall seines Sohnes Edouard Michelin hat nun sein Vater und legendärer Anführer des Michelin-Clans François Michelin (87) der Illustrierten Paris Match eines seiner äußerst seltenen Interviews gewährt und einen Blick in sein Gefühlsleben gestattet. Edouards Witwe Cecilia ist 2011 an Krebs verstorben, François Michelin lebt heute in einer Altersresidenz in der Auvergne frei von jeglichem Luxus.

Natürlich habe er mit Gott gehadert, dass Edouard im Alter von 43 Jahren während eines Ausflugs mit einem Hochseeangler ertrank. Alles, was man gemeinsam aufgebaut habe, sei urplötzlich zusammengefallen. Doch der Zeit seines Lebens tiefgläubige Christ findet Trost im Glauben an das ewige Leben, das keinen Tod kennt, wohl aber dramatische Veränderungen. Auch nach Edouards Tod sei das Leben für ihn nicht sinnlos geworden, es ergebe alles einen Sinn und Gott gebe auf alle Fragen Antworten.

Dass zurzeit kein Mitglied der Familie Michelin den Konzern führt, ficht François Michelin nicht an. Die Frage sei doch nur, ob Jean-Dominique Senard ein Gefühl für das Unternehmen habe, so in etwa – frei übersetzt – wisse, wie das Unternehmen ticke und warum das so sei. Man sei sich bei Michelin immer bewusst gewesen, dass der Kunde der Chef des Unternehmens sei. Und man müsse sich immer klar darüber sein, ohne Menschen allein nichts bewirken zu können. Schon zuvor habe es viele leistungsstarke Persönlichkeiten im Michelin-Konzern gegeben. Mit Senard fühlt er sich offenbar sehr wohl.

Und die Enkelkinder? Edouard hinterließ sechs kleine Kinder, von denen das eine oder andere zum Zeitpunkt seines Todes gerade erst in das Jugendalter gekommen war. Die Mutter seiner Kinder, Ehefrau und Witwe Cecilia, starb im Herbst 2011 an Krebs, gerade mal 44 Jahre alt. Nein, er wolle keine Weichen stellen, auch keinem seiner Enkelkinder raten, zu gegebener Zeit in das Unternehmen einzutreten. Einen solchen Druck dürfe man nicht auf junge Menschen ausüben.

Mit französischen Politikern zeigt sich François Michelin nicht immer zufrieden. Am nächsten stand ihm nach eigenen Angaben François Mitterrand. Er sei nicht mit allem einverstanden gewesen, was Mitterrand unternommen habe, doch Mitterrand habe sich ehrlich bemüht, Dinge zu verstehen und entsprechend umzusetzen. Für François Michelin sei es nie eine Option gewesen, mal in die Politik zu gehen. Er habe seinen industriellen Sachverstand gelegentlich angeboten. Wenige Politiker hätten eine wirkliche Mission gehabt, viele blendeten die Fakten gerne aus, die einzige Realität sei für sie der Tag ihrer Wiederwahl und darauf richteten sie alles aus.

Angetan zeigt sich François Michelin von der deutschen Wirtschaftspolitik, die – ganz im Gegensatz zu der französischen – erfolgreich sei. Die durch den derzeitigen Präsidenten angestrebten 75 Prozent Steuern für Spitzenverdiener bezeichnet der so gerne in Bildern redende große Industrielle kurz, knapp und glasklar als Bullshit. Wer etwas bewegen wolle, brauche Geld, ohne Geld sei in der Industrie noch nie etwas gelaufen. Und das Geld an sich sei nicht schlecht. Geld solle dienen, beherrschen aber nicht. So brauche man Geld, um ein Klavier zu bauen, ohne das auch der beste Pianist nichts sei.

Dass die Steuerpläne der Regierung insbesondere reiche Personen aus dem Land treiben können, macht der Interviewer am Beispiel des Großindustriellen Bernard Arnault fest, der aus steuerlichen Gründen die belgische Staatsbürgerschaft erwerben wolle. Undenkbar für François Michelin. Aber Michelin sei auch außer Landes gegangen, allerdings völlig anders. Man habe Reifen nicht länger von Frankreich aus in alle Welt exportieren können, so sei man in die Weltmärkte hinausgegangen.

Und was hat François Michelin mit seinem Vermögen gemacht, wie hat dieses ihm gedient und ihn nicht beherrscht? Darauf antwortet er in der für ihn typischen Art und Weise. Um viele Dinge habe er sich gekümmert, aber eben nicht darüber gesprochen und es nicht mit seinem Namen in Verbindung gebracht. Daran werde er auch nichts ändern. klaus.haddenbrock@reifenpresse.de

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