Michelin: Schwache Absätze, niedrigere Preise und mögliche Werksschließung

Michelin hatte im ersten Quartal des neuen Jahres mit einem deutlichen Umsatzeinbruch zu kämpfen. Wie der französische Hersteller jetzt mitteilt, gingen die Umsätze insgesamt um 8,1 Prozent auf jetzt 4,877 Milliarden Euro zurück. Als besonders negativ habe sich dabei das Marktumfeld erwiesen, das Michelin bei Pkw- und LLkw-Reifen in Europa als „schwach“ und in Nordamerika insgesamt als „enttäuschend“ bezeichnet. Während also die „reifen Märkte“ schwächeln und Michelin mit ihnen, könne man auf „neuen Märkten“ ein wachsendes Geschäft verzeichnen. Das Michelin-Management kündigte unterdessen an, sollte die Nachfrage in Europa auf dem aktuellen Niveau bleiben, könnte dies „Restrukturierungen bedeuten“, mit anderen Worten: Werksschließungen.

Auch wenn allgemein ein Rückgang bei den Michelin-Umsätzen erwartet worden war, zeigten sich Analysten überrascht vom Ausmaß. Insgesamt – so schreibt der Hersteller in seinem aktuellen Quartalsbericht – geht der Umsatzeinbruch in Höhe von 427 Millionen Euro daher zu 53 Prozent bzw. 227 Millionen Euro auf sinkende Stückzahlen zurück, die für sich genommen um 4,3 Prozent zurückgingen. Weitere 32 Prozent des Umsatzeinbruchs bzw. 138 Millionen Euro hingegen seien bedingt durch die „vorsichtig ausgeführte“ und „beabsichtigte Preisrepositionierung in Europa“. Michelin hat demnach insbesondere in Europa im zurückliegenden ersten Quartal deutlich weniger Reifen verkauft und dies zu deutlich geringeren Preisen. Eine entsprechende Entwicklung zeichnete der BRV erst jüngst wieder in seinem aktuellen „Opens external link in new windowPreisvergleich“ nach. Danach hat Michelin im Laufe der vergangenen sechs Jahre bei den Sell-out-Preisen am meisten nachgegeben. Im Vergleich zum Vorjahr allerdings wirkt Michelin mit einem Rückgang von 2,9 Prozent vergleichsweise preisstabil gegenüber den anderen Fabrikaten in der Analyse. Die Sell-in-Preise sind dabei allerdings nicht berücksichtigt.

Deutlich geringere Rohstoffkosten – Michelin rechnet 2013 mit einer Einsparung von weltweit 550 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr – sollten die durch Preissenkungen bedingten Umsatzeinbrüche von erwarteten 300 Millionen Euro allerdings mehr als egalisieren. Folglich rechnet der französische Reifenhersteller auch 2013 mit „stabilen Erträgen“; für 2012 konnte Michelin eine Umsatzrendite von immerhin 11,3 Prozent berichten. Aber auch „stabile Mengen“ stellt der Hersteller übers Jahr gesehen ebenfalls in Aussicht – genährt nur durch Michelins weltweite Präsenz.

Während also der Gesamtumsatz um 8,1 Prozent auf jetzt 4,877 Milliarden Euro zurückging, schlug sich der Hersteller bei Pkw-Reifen deutlich besser. Hier gingen die Umsätze um 6,5 Prozent auf jetzt 2,582 Milliarden Euro zurück. Das Lkw-Reifengeschäft hingegen steht mit einem Rückgang von 7,9 Prozent auf 1,477 Milliarden Euro etwas da; die Geschäftseinheit „Specialty Businesses“ – also EM-, Landwirtschafts-, Motorrad- und Flugzeugreifenreifen sowie Karten und Reiseführer – wiederum musste einen Umsatzrückgang von immerhin 13 Prozent auf 818 Millionen Euro hinnehmen. Das Geschäft litt dabei insbesondere unter deutlich rückläufige Absätzen; gerade die Umsätze mit EM-Reifen seien „deutlich rückläufig“ gewesen, wobei die Erstausrüstung noch stärker betroffen gewesen sei als der Ersatzmarkt.

Gewinnkennzahlen veröffentlicht Michelin lediglich mit dem Halbjahres- sowie dem Jahresbericht; im ersten und im dritten Quartal teilt der Hersteller ausschließlich Umsatzkennzahlen mit.

Anlässlich der Vorstellung des aktuellen Quartalsberichts kündigte Michelin mögliche Konsequenzen für Europa an. Wie Michelin Chief Financial Officer Marc Henry andeutete, seien auch Werksschließungen kein Tabuthema. „Sollten die Absätze auf dem Niveau bleiben, auf dem sie heute sind, könnte das Restrukturierungen bedeuten.“ Entsprechende Möglichkeiten schaue man sich ganz genau an, aber „beschlossen ist derzeit noch nichts“.

Die Deutsche Bank teilt diesbezüglich noch einmal mit, dass Pkw-Reifenfabriken in Europa derzeit allgemein bei einem Auslastungsgrad von nur 75 Prozent liegen, während Lkw-Reifenfabrik sogar nur auf 60 Prozent kommen und dass die Schließung einer Fabrik zwischen 150 und 200 Millionen Euro kosten könnte. arno.borchers@reifenpresse.de

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