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Marangonis „Blackline“ soll Wettbewerb neu definieren

Es ist noch gar nicht so lange her, dass günstige Neureifenimporte einen Druck auf den Runderneuerungsmarkt ausgeübt haben. Seither haben geringere Preisunterschiede zwischen Neureifen und Runderneuerten, zunehmende Ansprüche der Kunden in Bezug auf Qualität sowie die immer stärker aufkommenden Lebenszyklusbetrachtungen der Laufleistung eines Reifens die Wegwerfmentalität vieler im Markt geändert. Gleichzeitig hat sich die Technologie weiterentwickelt, so dass die neueste Generation an Neureifen in der Regel mit Designfeatures ausgestattet ist, die die Laufleistung und die Bremsleistung maximieren und den Kraftstoffverbrauch minimieren. Kaum einer außer den Neureifenherstellern war in der Lage, runderneuerte Reifen auf demselben Leistungsniveau zu bauen – bis jetzt. Neben einer Positionierung am obersten Ende des Preis-Leistungs-Verhältnisses bestehen die Vorzüge der neuen Blackline-Ringlaufstreifen-Produktlinie auch in einer Mischung und einem Profildesign auf Premiumniveau. Marangoni scheut sich nicht einmal, etwas über die mögliche Einstufung von Blackline-Runderneuerten nach dem EU-Reifenlabel zu sagen.

Die Markteinführung von Marangonis Blackline-Ringlaufstreifen findet gut ein Jahr nach der Umbenennung von Ellerbrock in Marangoni Retreading Systems Deutschland am Sitz der deutschen Tochtergesellschaft des italienischen Runderneuerungskonzerns statt. Damals hatten die Verantwortlichen weitreichende Investitionen in Produktionskapazitäten und die Fabrik in Henstedt-Ulzburg nördlich von Hamburg ganz allgemein angekündigt. Niemand zweifelte damals daran, dass diese Pläne umgesetzt würden. Doch wofür Marangoni die Produktionskapazität von Ringlaufstreifen am Standort verdoppeln wollte, war damals noch nicht ganz klar. Mit der aktuellen Neueinführung im Blick wird die strategische Entscheidung von damals nun deutlicher. Die Nachfrage nach Ringlaufstreifen ist genauso vorhanden wie das Know-how. Dass sich das italienische Unternehmen für Deutschland als Ort der Markteinführung entschlossen hat, zeigt das Fortkommen, dass Marangoni mit der Vereinheitlichung der operativen Unternehmens- und Produktstrukturen macht und wirft gleichzeitig ein Licht auf den mittlerweile hohen Integrationsgrad: „italienische Innovation mit deutscher Technologie“. Entwickelt wurde Blackline im „Innovation and Development Center“ des Unternehmens in Rovereto, Italien.

Die Einführung der Blackline-Produktlinie sei als Antwort auf eine zunehmende Nachfrage nach solchen Premiumprodukten durch europäische Flotten zu sehen. Diese seien zunehmend auf der Suche nach Produkten, die ihnen im Wettbewerb den nötigen Spielraum auf der Kostenseite gewähren können. Dass man bei Marangoni überzeugt davon ist, mit Premiumrunderneuerten die Antwort zu haben, verwundert natürlich nicht. Es kommt dabei auch nicht von ungefähr, dass der Anteil an runderneuerten Reifen am Gesamtmarkt in den vergangenen Jahren wieder ansteigt (siehe dazu separaten Artikel in dieser Beilage). Marktbeobachter gehen von einer Trendwende aus, die vorwiegend über das Premiumsegment beflügelt wird und die durch das neue Marangoni-Produkt zusätzlichen Antrieb erhalten soll.

Produkte und Performance

Das Blackline-Sortiment an Ringtread-Ringlaufstreifen besteht aktuell aus neun verschiedenen Profilen, die hauptsächlich für den Einsatz im Fernverkehr gemacht sind. Wie Marangoni betont, seien die wichtigsten Profile dabei die BUS400, RTA-E, RDG101 und MIX 100. Zusätzlich zu den bekannten Pluspunkten von Ringlaufstreifen biete Blackline dem Unternehmen zufolge weitere Vorteile, die mit der angewandten Mischungstechnologie und dem Profildesign zusammenhängen: geringerer Rollwiderstand, längere Laufleistung, mehr Grip auf trockenem oder nassem Untergrund und Stabilität.

Die neue Generation soll dabei helfen, den Rollwiderstand um bis zu zehn Prozent zu verringern, was für eine Kraftstoffeinsparung von drei Prozent steht, und die Laufleistung um deutliche 15 Prozent zu steigern. Auch der Grip sei um zehn Prozent gesteigert worden, während die Widerstandsfähigkeit unter anspruchsvollen On-/Offroad-Bedingungen um sogar 20 Prozent gesteigert worden sei.

Die Blackline-Produktlinie wird in Europa ausschließlich durch Marangonis „Ringnet“-Partner eingeführt, die hohe Anforderungen an Qualitätskontrollen und die technische Ausstattung im Runderneuerungsprozess erfüllen müssen. Auch wenn Marangoni den Gebrauch von Qualitätskarkassen empfiehlt, werden keine weiteren konkreten Vorgaben über die Art der Karkassen bzw. deren Marke gemacht.

Erweiterung der Produktionsstätte

Die hohen Ansprüche, die für die Ringnet-Partner gelten, gelten natürlich auch für den Produktionsstandort für Blackline-Ringlaufstreifen in Deutschland. Dieser wurde jetzt umfassend erweitert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Dazu gehört vor allen Dingen die Errichtung einer zweiten Ringtread-Produktionslinie in Henstedt-Ulzburg mit sechs Pressen, von denen aktuell vier installiert sind, sowie die Modernisierung der Mischungskapazitäten, die jetzt „einzigartig in der Runderneuerungsbranche“ seien; man mische jetzt auf Neureifenniveau.

Gleichzeitig betont das Unternehmen, man nutze ausschließlich Rohstoffe höchster Güte. So kaufe man etwa Naturkautschuk eine Qualitätsstufe höher ein, als dies etwa Neureifenhersteller in der Regel täten, betonen die Verantwortlichen bei Marangoni. Gleichzeitig gelte eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Kompromissen in der Qualität.

Auch die Formentechnologie habe man weiter verbessert, um die sich gegenseitig stützenden 3-D-Multi-Lamellen bauen zu können, wie sie in der Neureifenproduktion heutzutage Einzug halten; Marangoni profitiere dabei von selbst entwickelten Technologien.

Reifenlabel wichtig für Blackline-Entwicklung

Es gibt dabei noch weitere Gründe, die entsprechende Weiterentwicklungen befördert haben: das EU-Reifenlabel. Auch wenn die Marangoni-Verantwortlichen es anlässlich der Blackline-Vorstellung nicht ausführlich beschreiben, so ist doch klar, dass die neuen Ringlaufstreifen auch vor dem Hintergrund eines kommenden Labelings auf runderneuerte Reifen eingeführt werden. Erste Hinweise darauf, wie entsprechende Blackline-Runderneuerte dastehen, gibt es aus den USA. Im US-Bundesstaat Kalifornien gilt der SmartWay-Standard, der Mindestanforderungen beim Rollwiderstand auch für Lkw-Reifen vorgibt – neu wie runderneuert. Der auf einer Referenzkarkasse vulkanisierte Blackline-Ringlaufstreifen schafft die anspruchsvolle Hürde, die Marangoni zufolge einer Einstufung „C“ nach dem EU-Reifenlabel entspräche. Folglich ist man am Stammsitz des italienischen Unternehmens in Rovereto zuversichtlich, für die Zukunft sogar noch Entwicklungspotenzial nach oben zu haben und sieht sich hier seinen Wettbewerbern in Europa gegenüber jetzt schon im Vorteil. Diese, so der Runderneuerungskonzern weiter, kämen mit ihren Produkten derzeit auf „F“.

Auch wenn Marangoni sich bei der Einführung von Blackline auch auf gute US-Labelwerte bezieht, soll das Produkt zunächst ausschließlich in Europa eingeführt werden. Andere wichtige Runderneuerungsmärkte für Marangoni – etwa Nordamerika und auch zunehmend Brasilien – seien derzeit mit dem Standard-Ringtread-Ringlaufstreifen bestens bedient, ist man bei Marangoni überzeugt.

Die Auslieferung der ersten Blackline-Ringlaufstreifen soll dann im März beginnen. Während rund zwei Drittel der Produktion in Henstedt-Ulzburg stattfinden soll, kommt das verbleibende Drittel aus dem Werk im italienischen Ferentino. Ein Großteil der Nachfrage wird dabei in den Kernmärkten Deutschland, Italien und deren Nachbarländer erwartet; auch in Großbritannien wird Blackline angeboten. Der mit einem Blackline-Ringlaufstreifen fertig Runderneuerte sollte dann rund zehn bis 20 Euro mehr kosten als einer mit einem Standard-Ringtread. Marangoni zufolge seien die Kunden heutzutage aber bereit, für die Vorteile, die ein Blackline-Premiumrunderneuerter bringt, einen Aufpreis zu bezahlen. chris.anthony@tyrepress.com/ab

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