Alcar-Gruppe investiert weiter in Neuenrade, produziert auch in Indonesien

Im Frühjahr 2005 hatte die österreichische Alcar-Gruppe am Standort Neuenrade (Sauerland) ein Aluminiumgussräderwerk eröffnet, das als AEZ Produktion GmbH firmiert und etwa 13 Millionen Euro Anfangsinvestition gekostet hat. In den darauffolgenden Jahren sind immer wieder weitere Gelder in die Fabrik geflossen, um zu gewährleisten, dass das Werk „state of the art“ bleibt. Mit zwölf neuen Gießmaschinen der Firma GIMA (Göppingen) sowie den energetisch wichtigen dazugehörigen Warmhalteöfen, die die bestehenden Automaten bulgarischer Herkunft im Sommer 2012 ersetzt haben, hatte sich die gesamte Investitionssumme schon auf 18 Millionen Euro erhöht, erklärt General Manager Norbert Frohner und erklärt die höhere Effizienz der neuen Anlagen.

Standen die Niederdruckgießmaschinen zuvor in einer Reihe, so erlaubt die Anordnung in zwei Reihen à sechs die Bedienung von vier der Automaten durch nur eine Arbeitskraft. Weitere Investitionen flossen in Polierkapazitäten, weil der Markt silberpolierte Räder wieder stärker verlangt, in Optimierungen in der mechanischen Bearbeitung, ins Recycling (beim Entgraten anfallende Späne werden wieder in den Produktionsfluss gegeben) usw. Wo immer Modernisierungspotenzial gesehen wird, wo immer sich ein Flaschenhals in der Fertigung auftut, können die beiden Geschäftsführer des Werkes Neuenrade Günter Schmid und Frank Wollschläger von Wohlwollen der österreichischen Muttergesellschaft ausgehen. Als nächstes steht ein neuer, effektiverer Schmelzofen auf der Agenda. Gleichwohl liegt die Jahreskapazität des Standortes, der darüber hinaus noch durch zwölf weitere Gießmaschinen im alten, aber nach dem Bau von Neuenrade weiterhin betriebenen Werk Werdohl mit Rohlingen gespeist wird, weiterhin bei etwa 1,2 bis 1,3 Millionen Stück. Wobei der Ausdruck „atmende“ Fabrik durchaus Berechtigung hätte, werden doch Gieß-, Bearbeitungs- und Lackierkapazitäten (ausgelegt auf ca. 400 Räder pro Stunde) durch Erhöhung oder Verringerung der Schichtzahl gesteuert und sorgen nun einmal größer dimensionierte Räder (wie etwa bevorzugt bei der Marke AEZ) dafür, dass der Output auch schon mal sinken kann. Einziger Kunde des Produktionsstandortes Neuenrade ist die AEZ Leichtmetallräder GmbH bzw. sind die 13 internationalen Vertriebsgesellschaften der Alcar-Gruppe.

Bekanntlich haben diese Produktionskapazitäten an Aluminiumgussrädern in der Vergangenheit nie gereicht, sodass Neuenrade zwar sehr weitgehend der exklusive Herstellungsort für die hauseigene Premiummarke AEZ ist und sich daher mit dem Qualitätssiegel „made in Germany“ schmücken kann, in Absolutheit konnte das für die drei weiteren Alurädermarken der Gruppe Dezent, Dotz und Enzo allerdings nicht gesagt werden. Mal in Europa, mal im nahen oder fernen Osten: Die Alcar-Gruppe platzierte ihre Kokillen für die drei Marken nicht nur im eigenen Werk, sondern bei Bedarf auch dort, wo sich gerade freie Kapazitäten anboten und die Qualitätsstandards erfüllt wurden, die auch an die eigene Produktion gestellt werden. Und so bedient Alcar mit den vier Aluminiumrädermarken zwar ausschließlich die Ersatzmärkte von Europa bis zum fernen Singapur, aber die Räder wurden jedenfalls zum Teil in Fabriken mit Erstausrüstungsstatus hergestellt.

Mit Fremdfertigung wird es in absehbarer Zeit, wenn die vertraglichen Bindungen auslaufen, vorbei sein: Denn in Karawang ist Alcar mit der PT. Chemco Harapan Nusantara (ein erstausrüstungserfahrenes Unternehmen der japanischen Nissin Kogyo Co., Ltd., die im Bremsensektor und bei diversen Aluminiumteilen ihre Geschäftsfelder hat) ein Joint Venture eingegangen, das den Namen PT. Alcar Chemco Wheels Indonesia (ACI) trägt und an dem die Österreicher 51 und ihre Partner 49 Prozent der Anteile halten. Dort – im fernen Indonesien – wird eine Produktion aufgebaut, die Frohner als „spiegelbildlich“ zu Neuenrade bezeichnet.

Die neuen Partner sind alles andere als Newcomer in der Produktion von Aluminiumgussrädern. Sie verfügen über die entsprechenden Zertifikate, so ISO 14001 für die Erfüllung von Umweltstandards oder 16949 für Qualitätsmanagementsysteme, in der Räderentwicklung finden sich die gleichen Computer wie bei westlichen Herstellern, haben in ihren Räumen modernes Equipment für die Räderproduktion wie eine Eisenmann-Lackieranlage und auch zum Testen der Produkte, nur: Sie stellen Aluminiumgussräder für Motorräder her. Dieser Part mit einer Kapazität von jährlich etwa 600.000 Einheiten soll auch erhalten bleiben und wird weiterhin vom ACI-Juniorpartner vermarktet. Darüber hinaus aber werden künftig wenigstens weitere 600.000 Räder pro Jahr produziert, die von der Alcar-Gruppe bezogen werden und die Markennamen Dezent, Dotz und Enzo tragen werden. Die Gruppe wäre „autark“ und müsste keine Fremdaufträge vergeben. Die Lücke zwischen Bedarf und Eigenproduktion ist geschlossen, aktuell wäre bei einer Gesamtkapazität von knapp unter zwei Millionen Einheiten jährlich sogar noch ein wenig Luft bei Blick auf die im Jahr abgesetze Menge. Ein weiterer Kapazitätsausbau ist auch denkbar, ausschließen will Norbert Frohner auch nicht, einmal für Fremdkunden zu produzieren, geplant ist das konkret nicht.

Mit der ACI verfügt AEZ/Alcar über eine zweite Produktionsstätte, deren Qualitäten und Ausstattung den eigenen Vorstellungen entsprechen. Noch ist nicht alles „1 zu 1“ im Vergleich zu Neuenrade, aber was in Deutschland gut funktioniere, das funktioniere ja überall auf der Welt, sagt man. Vor allem: Die Gruppe hat jetzt einen Standort mit wesentlich günstigeren Kostenstrukturen und dabei einen Partner, der als anerkannter Automobilzulieferer weiß, dass Räder nicht nur Mode, sondern auch Sicherheitsteile sind. Ein Aspekt, der bei der Suche nach einem kostengünstigen Produktionsstandort in Fernost nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Dass parallel zum Aufbau des Standortes Karawang auch hierzulande eine Großinvestition initiiert wurde, dokumentiert das Bekenntnis Alcars zu Neuenrade: Unweit des Werkes – in Garbeck – entsteht ein Vertriebslager für die dort produzierten Räder, das im Herbst 2013 in Betrieb genommen werden soll. Die Kapazität des neuen Logistkzentrums werden bei einer halben Million Räder liegen, sodass in etwa vier Monatsproduktionen des Werkes Neuenrade aufgenommen werden können. Die Umschlagshäufigkeit der gesamten Kapazität ist auf drei bis vier Mal pro Jahr taxiert, eine umfangreiche Vorproduktion für die beiden Saisonspitzen ist bei den geschaffenen Lagerkapazitäten ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt. detlef.vogt@reifenpresse.de

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