Titan-Chef „Morry“ Taylor ganz im Stile von Rocky

Ausgerechnet mit dem Song „Eye of the Tiger“ aus dem Film Rocky startet Frankreichs auf Eigendarstellung bedachter Industrieminister Montebourg seine Präsentation „Made in France“ in diesen Tagen. In ausgesuchten Städten Frankreichs ruft er seinen Zuhörern zu: „Wir müssen eine dritte Revolution vorbereiten.“

Doch davon hat Titan-Chef Maurice „Morry“ Taylor (69) längst genug. In seinem Brief an den französischen Minister verschaffte sich Taylor Luft. Mögen seine Beobachtungen auch nicht aus der Luft gegriffen sein, mag er in der Sache selbst durchaus überwiegend Recht haben, so ist die Form seines Auftritts bedenklich, ja rabaukenhaft. Seine Argumente gegen eine Übernahme der alten Goodyear-Fabrik Amiens Nord durch Titan wären nicht weniger gewichtig gewesen, wenn sie sachlich beschrieben und dargelegt worden wären. So aber sind, wenn man es so beschreiben darf, die Gäule mit ihm durchgegangen und er hat ohne jede Not den Marken Titan und daneben natürlich Goodyear in Frankreich einen großen  Bärendienst erwiesen.

Dass Taylor in seiner Wortwahl anzüglich blieb, lässt Rückschlüsse auf seine Stimmungslage zu. Titan Tire ist entstanden durch eine ganze Reihe von Übernahmen. Dabei ging es meist um notleidende Unternehmen oder auch um solche, die bereits „pleite“ waren und schnell wieder „aufgemöbelt“ werden mussten. Vor diesem Hintergrund fiel es Taylor nicht allzu schwer, die Belegschaften, die bereits ihren Arbeitsplatz verloren hatten oder unmittelbar vor dem Verlust des Arbeitsplatzes standen, zu Zugeständnissen zu zwingen. Das hat nun in Frankreich nicht funktioniert, weil sich eine von kämpferischen Gewerkschaften getriebene Belegschaft überschätzte und den Bogen letztlich überspannte.

Für Taylor und Titan ist damit allein nicht allzu viel gewonnen. Er muss irgendwo die Land- und Forstwirtschaftsreifen herstellen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Qualität von Landwirtschaftsreifen der Marke Goodyear in Europa, und darum geht es ja, in zurückliegenden Jahren eben nicht über jeden Zweifel erhaben waren und es durchaus größere Probleme gab, die der Marke bis heute anhängen. Es wird ziemlich schwer werden gegen Michelin, Trelleborg und CGS, die über „state of the art“-Fabriken verfügen, bestehen zu können oder gar verloren gegangene Marktanteile aufholen zu können.

Wegen schlechter Geschäftslage, dokumentiert durch Verluste oder schwache Gewinne, war der Goodyear-Konzern seit Eintritt in dieses Jahrtausend nicht in der Lage, in alle Geschäftsbereiche ausreichend investieren zu können. Statt Investitionsstaus abzuarbeiten, so sehen es Wettbewerber, entschloss sich Goodyear zum Verkauf der Sparte Landwirtschaftsreifen. So verhielt es sich auch mit der alten General-Tire-Fabrik Bryan in den USA. Continental hatte keine Ambition, diese Fabrik für OTR-Reifen technisch auf den neuesten Stand zu bringen, sondern trennte sich kurzerhand von diesem Geschäftsbereich. Mag Titan die Fabriken auch günstig akquiriert haben, so kommt das Unternehmen nicht an der Notwendigkeit vorbei, Investitionsrückstände aufarbeiten zu müssen, wenn es erfolgreich bleiben will. Ob die notwendigen Investitionen auch vorgenommen werden können, wird Titan trotz derzeit guter Geschäftslage allerdings erst noch beweisen müssen. klaus.haddenbrock@reifenpresse.de

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