Runderneuerer PSK und Kraiburg Austria setzen Akzente in Russland

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Viele Runderneuerer, die ihren Markt bedienen und ihn sich aufbauen, setzen ganz gezielt auf das Premiumsegment. Hier – so die Erfahrung vieler – ist die Nachfrage nach einem Komplettangebot, das Neureifen, Runderneuerte und den dazugehörenden Service umfasst, deutlich größer, nachhaltiger und zu auskömmlicheren Preisen zu stillen. Während diese Erkenntnis für Westeuropa nur mit wenigen Einschränkungen gilt, muss ein solcher Markt in vielen anderen Ländern erst noch entwickelt werden, in Russland zum Beispiel. Dies hat sich seit drei Jahren ganz gezielt ein Unternehmen mit Sitz in Togliatti an der Wolga zur Aufgabe gemacht: Povolzhskaya Shinnaya Kompaniya, kurz: PSK, setzt dabei auf die Partnerschaft zu westeuropäischen Materiallieferanten wie Kraiburg und investiert Millionenbeträge in die Produktion. Bei einem Besuch vor Ort erklären die Beteiligten gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG ihre Ziele, wie sie sie erreichen wollen und was die besonderen Herausforderungen des russischen Marktes sind.

Das Unternehmen PSK ist in Togliatti – der Stadt, in der seit den 1960er Jahren die berühmten Lada-Werke angesiedelt sind – und darüber hinaus seit wenigstens zwei Jahrzehnten ein namhafter Reifenmarktteilnehmer. Bereits 1992 gründete Sergey Bondarenko hier seinen ersten Reifenhandel. Heute zählt PSK eigenen Aussagen zufolge zu den größten Marktteilnehmern in Russland mit einem Jahresumsatz in Höhe von 155 Millionen Euro; das Unternehmen betreibt acht eigene Reifenhandelsbetriebe in fünf Städten im europäischen Teil Russlands sowie dazugehörige Großhandelsbetriebe als Vollsortimenter. Insgesamt lagern bei PSK Reifen auf über 60.000 m²; es beschäftigt insgesamt 370 Mitarbeiter.

Der PSK-Chef wollte sich nicht mit der Rolle als „einer der führenden Teilnehmer auf dem russischen Reifenmarkt“ zufrieden geben. Bondarenkos Selbstverständnis geht über Kompetenz, Präsenz und Volumen hinaus, wie er im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert. „Es ist falsch, einen Reifen nur einmal zu verkaufen“, sagt er. „Wir wollen unseren Kunden den kompletten Lebenszyklus anbieten.“ Mit solchen Ansichten steht PSK auf dem russischen Reifenmarkt weitestgehend alleine da – zumindest für den Moment.

Dass runderneuerte Lkw-Reifen in Russland lediglich fünf Prozent des Lkw-Reifenmarktes ausmachen, hat vielerlei Gründe, wie Sergey Bondarenko erklärt. Einerseits sei die Mentalität vieler russischer Flottenbetreiber und Lkw-Fahrer einfach noch nicht ausgelegt auf Ressourcenschonung und den pfleglichen Umgang mit dem Produkt Reifen. Anders ausgedrückt: Oftmals hat ein abgefahrener Lkw-Reifen in Russland nur noch Schrottwert, da die Fahrzeuge oftmals überladen sind, die Reifen bei den zum Teil miserablen Straßenverhältnissen nachgeben oder die Reifen gleich ganz bis auf die Stahlkordlagen heruntergefahren werden, wenn es sich denn überhaupt um runderneuerungsfähige All-Steel-Radialreifen handelt. In Russland werden Reifen nicht gebraucht, sie werden verbraucht. Darüber hinaus sind in Russland immer noch viele heimische Reifenmarken vertreten, denen Bondarenko die Runderneuerungsfähigkeit abspricht. Westliche Marken, aus denen gute 1A-Karkassen werden könnten, sind erst langsam auf dem Vormarsch. Vorwiegend handwerklich geprägte Runderneuerer, die sich trotzdem an zweit- oder drittklassigen Reifen versuchen, prägen zusätzlich das schlechte Image runderneuerter Reifen in Russland.

Nur auf Premiumniveau bestehen

Für Sergey Bondarenko war es allerdings eine Frage der Überzeugung, sich an die Spitze einer neuen, langsam aufkeimenden und auf Hochwertigkeit und Nachhaltigkeit ausgerichteten Branche zu setzen. Es habe für ihn keinen Sinn gemacht, in ein Produkt und eine Produktionsstätte zu investieren, ohne Vertrauen auf die Zukunft – runderneuerte Reifen, die sich lediglich als Billigstalternative zu Neureifen verstehen, traut der PSK-Chef langfristig nicht viel zu und verweist auf die Entwicklungen im nahen Westeuropa. „Wir können im Wettbewerb nur auf Premiumniveau bestehen“, so Sergey Bondarenko weiter, dessen Unternehmen auch Truck-Point-Partner von Bridgestone ist.

Folglich habe der Unternehmer 2008 den Beschluss gefasst, ganz massiv in den Aufbau einer Runderneuerungsanlage am Stammsitz in Togliatti zu investieren. Bondarenko, der sich in der Produktion eher zu Hause fühlt als am Verkaufstresen, hat dabei nicht nur die grundsätzliche Investitionsentscheidung selber gefasst, sondern er hat sich auch um die Details der Ausstattungsvarianten der verschiedenen Anlagen von der Eingangskontrolle mittels Shearografie über das Rauen und die Reparatur (etwa von OTR-Reifen) bis hin zum Belegen und Abheizen bzw. Vulkanisieren stets selber gekümmert. 2009 nahm PSK dann die neue Runderneuerungsfabrik in Betrieb.

Zunächst runderneuerte PSK nur im Kaltverfahren und startete erst 2011, zwei Jahre später, mit einer Heißrunderneuerung. Während PSK für die Kalterneuerung vorwiegend auf Kraiburg-Laufstreifen der verschiedenen Produktlinien „K_plus“, „K_tech“ und „K_base“ setzt, allerdings auch Ringe vom Wettbewerb verarbeitet, bezieht das russische Unternehmen sein Material für die langsam anlaufende Heißerneuerung ausschließlich von den Österreichern. Ebenfalls im vergangenen Jahr begann PSK die Runderneuerung von OTR-Reifen und ist heute eigener Aussage zufolge der einzige OTR-Reifen-Heißrunderneuerer in ganz Russland, der auch die ganz großen Reifen bis 57 Zoll heißrunderneuern kann. Es ist gerade dieses Geschäft, auf das Sergey Bondarenko besonders stolz ist, setzt es doch ein Ausrufungszeichen hinter seine Zielstrebigkeit, in Russland und für Russland an einem Umdenken in Bezug auf die Runderneuerung mitzuwirken. Bondarenko nennt die Heißrunderneuerung „mein Steckenpferd“, biete sie doch die notwendige Qualität, mit der der Unternehmer sich am Markt etablieren will.

Die Investitionen in die gesamte Runderneuerung, die auf der grünen Wiese an der Verbindungsstraße zwischen Moskau und Samara entstanden ist, beziffert Bondarenko selbst mit rund 25 Millionen Euro. Dafür hat er sich auch einige Anlagen und Maschinen geleistet, die weltweit ihresgleichen suchen. So betriebt PSK etwa eine Shearografie-Anlage vom Typ „Intact 4300“ – Hersteller: Steinbichler in Deutschland. Mit dieser Anlage können OTR-Reifen bis zu 63 Zoll Durchmesser auf etwaige innere Schäden hin überprüft werden; es ist die einzige Anlage dieser Art weltweit von Steinbichler. Nicht ganz so selten, dafür ähnlich beeindruckend, sind die Raumaschine und der Belegeextruder von TRM aus Italien. Das Line-up an Maschinen für die OTR-Reifen-Heißrunderneuerung wird komplettiert durch vier Pressen, die ebenfalls von TRM stammen. Neben jeweils einer Presse für 35, 49 und 51 Zoll große OTR-Reifen hat PSK erst in diesem Herbst eine weitere Presse in Betrieb genommen, mit der auch „Giant Tyres“ bis zu 57 Zoll mit einer neuen Lauffläche und Seitenwand versehen werden können. Die Kapazität der OTR-Reifenproduktion gibt Bondarenko aktuell mit 250 Stück im Monat an, es werden derzeit indes ‚nur’ 20 Stück produziert; die Produktion laufe schließlich erst jetzt richtig an und PSK habe erst vor einem Jahr den ersten OTR-Reifen in Togliatti runderneuert und verkauft. „Wir schaffen uns die Nachfrage“, sagt Sergey Bondarenko und kann auf erste sehr gute Kundenkontakte und Verkaufserfolge verweisen.

Zur Runderneuerung von EM-Reifen gehören bei Bondarenko ebenfalls Reparaturarbeitsplätze, acht an der Zahl. Auch hier komme dem Unternehmen zufolge der Wunsch zum Ausdruck, einen qualitativ hochwertigen Gebrauchsgegenstand anstatt einen Verbrauchsgegenstands zu fertigen. Beim Redaktionsbesuch vor Ort fand gerade eine Schulung durch Experten des italienischen Reifenreparatursystemanbieters R.F.P. statt. Nach dem sogenannten „Tap-Rap“-System können bis zu zwei Drittel von eigentlich defekten OTR-Reifen repariert und später doch runderneuert werden.

Aber auch für die im Vergleich dazu herkömmliche Lkw-Reifenrunderneuerung hat Sergey Bondarenko keine Kosten und Mühen gescheut. Seit drei Jahren läuft die Kalterneuerung, seit vergangenem Jahr die Heißerneuerung, für die aktuell schon vier Pressen installiert sind; zwei weitere sollen alsbald folgen. Auch hier setzt der PSK-Chef ausschließlich auf Premiumanlagen und -maschinen; jeder Lkw-Reifen wird zweimal shearografiert und einmal unter Druck getestet, bevor er ausgeliefert wird, unterstreicht Bondarenko noch einmal sein Qualitätsverständnis für die Runderneuerung.

Dieses Verständnis spiegelt sich auch darin wider, dass PSK ausschließlich Premiumkarkassen runderneuert. Für die in Russland noch recht junge Heißrunderneuerung beschränkt sich der Truck-Point-Partner auf 1A-Stahlgürtelreifen aus dem Hause Bridgestone sowie auf Karkassen der aus China stammenden Eigenmarke „Bontyre“. Diese bietet Sergey Bondarenko zwar auch als Textilkordreifen an, die in Russland immer noch überaus populär sind. Für die Runderneuerung jedoch nutzt er ausschließlich Bontyre-Stahlgürtelreifen.

„Kultur der richtigen Nutzung“

PSK betrieb bis vor Kurzem noch ein eigenes Karkassenlager im sachsen-anhaltinischen Halle (Saale), um genügend runderneuerungsfähige Karkassen in Westeuropa zu sammeln. Dieses musste aber wegen der sich kontinuierlich verschlechternden Kostensituation aufgegeben werden. Jetzt ist das Unternehmen bemüht, seine eigene Infrastruktur in Russland mehr und mehr zu nutzen, um die Versorgung mit Karkassen sicherzustellen. Dies funktioniert, da PSK durch seine bestehenden Handelsbetriebe und die landesweit ansässigen Großhandelskunden Zugriff auf runderneuerungsfähige Karkassen westlicher Hersteller hat, die man zuvor im Handelsgeschäft selbst verkauft hat, und gleichzeitig auch Schulungen und Trainings für Flottenkunden und Lkw-Fahrer anbietet, sodass sich die „Kultur der richtigen Nutzung“ von Lkw-Reifen langsam in den Köpfen seiner Kunden festsetzt. Dies bezeichnet Bondarenko als seine „Mission“. Er verspricht seinen Kunden sogar gleiche Laufleistungen wie die eines neuen Premiumreifens, und das bei Einstandskosten, die nur 50 Prozent eines solchen Fabrikats ausmachen. In Russland muss man lange argumentieren, bis Kunden diesem Versprechen Glauben schenken. Die Erkenntnis, dass man mit einem ‚Billigreifen’ nicht wirklich spart, setzt sich aber auch in Russland langsam durch.

Auf der Seitenwand der Wulst-zu-Wulst-Heißerneuerung – die Kaltrunderneuerung schließt die Seitenwand nicht mit ein – steht folgerichtig seit Neuestem auch stets der Markenname „Bontyre“, was im Übrigen auch auf die heißrunderneuerten OTR-Reifen zutrifft. Auch damit beweist Sergey Bondarenko sein zielgerichtetes unternehmerisches Gespür, besetzt er doch nicht nur das Feld der Technologie und der Qualität als einer der ersten in Russland, sondern setzt auch auf Marketing nach westlichem Vorbild. Gleichzeitig gibt Sergey Bondarenko mit „Bontyre“ auch ein Qualitätsversprechen ab, findet sich doch sein Name zum Teil in „Bontyre“ wieder.

„Neue Märkte, neue Möglichkeiten“

Ebenfalls zum hohen Qualitätsanspruch von PSK passt, dass Sergey Bondarenko ausschließlich auf Runderneuerungsmaterial aus Westeuropa setzt, vorzugsweise von Kraiburg Austria. Wie er erläutert, pflege er mit den Österreichern aber nicht nur eine Kunden-Lieferanten-Beziehung, sondern Kraiburg begleite PSK bereits seit Jahren auch als Berater in (fast) allen Fragen der Runderneuerung. „Ohne starke und gute Partner wäre es unmöglich gewesen, eine solche Fabrik aufzubauen“, sagt der PSK-Chef im Rückblick, habe er selber die Runderneuerung doch erst in den vergangenen Jahren so richtig kennengelernt. Roland Schutte, der bei Kraiburg Austria als Business Unit Manager für OTR-Retreading zuständig ist, hat in den vergangenen Jahren so manche Anfrage aus Russland erhalten, von denen auch einige durchaus seriös gemeint waren. Doch in der Zusammenarbeit mit PSK habe man sofort die professionelle Herangehensweise schätzen gelernt. Während Kraiburg zwar keine Maschinen vermarktet, habe man Sergey Bondarenko doch bei etlichen Detailfragen zu seinen Investitionsentscheidungen beraten können, erläutert Schutte im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG. Außerdem sei man bei der Inbetriebnahme vieler Großaggregate in Togliatti stets vor Ort gewesen, um etwa die Mischungseinstellungen zu überwachen und so für ein optimales Runderneuerungsergebnis zu sorgen.

„Das Besondere an PSK ist, man kann sich absolut auf das verlassen, was die sagen“, lobt der Business Unit Manager die Geschäftsbeziehung. „PSK wird die führende Rolle im russischen Runderneuerungsmarkt spielen. Bondarenko meint es wirklich ernst und ist ausschließlich darauf aus, Qualität zu produzieren und nicht den ‚schnellen Rubel’ zu machen.“ Entsprechend habe PSK auch ausschließlich in Qualitätsmaschinen investiert und könnte ohne Weiteres nach der ECE-R 109 zertifiziert werden. Spannend findet Roland Schutte auch, dass PSK sich im Grunde genommen den Premiumheißrunderneuerungsmarkt bei Lkw-Reifen erst selber aufbauen muss, während die Nachfrage nach hochwertigen runderneuerten OTR-Reifen bereits vorhanden sei. „Neue Märkte bieten neue Möglichkeiten“, so Schutte, der aber sicher ist, dass sich der Markt in Russland entwickeln wird. Vor diesem Hintergrund sei es durchaus klug, dass PSK auch fest auf immer noch stark nachgefragte Produkte wie etwa 20 Zoll große Lkw-Reifen setzt und für diese Nachfrage ein eigenes Angebot macht – als Runderneuerte und als Teil eines Komplettangebotes. arno.borchers@reifenpresse.de
Das Unternehmen PSK mit Sitz im russischen Togliatti runderneuert zwar erst seit 2009, zählt sich aber durch die klare Ausrichtung auf Qualitätsprodukte bereits jetzt zu den Marktführern, ob bei OTR- wie bei Lkw-Reifen

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