Bridgestone bei Lkw-Reifen: „Sind gut aufgestellt“

Auf dem Bridgestone-Messestand hat die NEUE REIFENZEITUNG während der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover mit Bernhard Schmidt, als Direktor Commercial Products bei der Bridgestone Deutschland GmbH für das Lkw-Reifengeschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich, ein Interview geführt. Mit am Tisch Wilfried Rulands, Leiter Marketing und Kommunikation bei der in Bad Homburg ansässigen Vertriebsgesellschaft des weltgrößten Reifenherstellers.

NEUE REIFENZEITUNG: Herr Schmidt, wieviel Freiheit hat man eigentlich in Ihrer Position bzw. wie zentralistisch ist Ihr Konzern in Europa aufgestellt? Mit einer Umorganisation vor geraumer Zeit sind zudem die drei deutschsprachigen Märkte zusammengefasst worden.

Bernhard Schmidt: Es gibt natürlich Aufgaben – insbesondere im strategischen Bereich –, die von unserer Brüsseler Europa-Zentrale wahrgenommen werden. Aber dort weiß man sehr wohl, dass die sechs europäischen Regionen, die wir jetzt haben, alle ihre Besonderheiten haben. Weil die einzelnen Märkte jedenfalls partiell unterschiedlich funktionieren, haben wir vor Ort natürlich auch den notwendigen Entscheidungsspielraum. Im Übrigen saßen früher 22 Länderdirektoren an einem Tisch, jetzt sind es sechs Regionalverantwortliche, da können auch gemeinsame Entscheidungen viel schneller und besser getroffen werden. Was die Zusammenlegung der Länder Österreich, Schweiz und Deutschland anbelangt: Das hat nur Vorteile gebracht, wir lernen unglaublich viel voneinander.

Wilfried Rulands: Im Übrigen sollte an dieser Stelle einmal mit einem Missverständnis aufgeräumt werden: Etwaige Kostenverringerungen waren nicht die ausschlaggebende Motivation für die Zusammenlegung. Wir haben vor Ort die Zahl der Mitarbeiter im Außendienst sogar erhöht. Die Verkaufsregionen sind inzwischen besser auf die Märkte zugeschnitten und arbeiten sogar grenzüberschreitend.

NEUE REIFENZEITUNG: Und noch eine Frage nach Organisatorischem: Sind Sie eigentlich auch für die Nfz-Produktbereiche Landwirtschafts- und EM-Reifen zuständig, Herr Schmidt?

Bernhard Schmidt: Das ist ein Beispiel, an dem man sehen kann, in welchem Maße die Brüsseler Bridgestone-Zentrale die Besonderheiten der sechs Europa-Regionen anerkennt: Bei uns in Bad Homburg ist mein Kollege Matthias Engelhardt für die von Ihnen genannten Marktsegmente verantwortlich, ich hingegen für das Lkw-Geschäft. Das ist nicht in allen sechs Regionen so geregelt, sondern teilweise auch zentral in einer Hand.

NEUE REIFENZEITUNG: Bridgestone ist global einer der ganz großen Spieler im Lkw-Reifengeschäft, in Europa muss man sich im Wettbewerb hinter dem Marktführer aus Frankreich behaupten. Wie sieht sich Ihr Unternehmen in dem von Ihnen betreuten Markt dafür positioniert?

Bernhard Schmidt: Wir sind stark aufgestellt im freien Reifenfachhandel, haben die Zusammenarbeit mit dem Handel bei den Flotten immer weiter gefestigt und ein Interesse daran, dass unsere Produkte langfristig bei den Verbrauchern im Einsatz sind. Womit übergeleitet sei zu unserer besonderen Stärke im Markt: Der Neureifenanbieter Bridgestone profitiert sehr von seinem Bandag-Runderneuerungsangebot. Bandag-Runderneuerungen werden von kompetenten mittelständischen Unternehmern produziert und vertrieben, die ganz nah am Verbraucher operieren. Und sie sind regional so gut verteilt, dass wir jeden Flecken unseres Verkaufsgebietes abdecken.

NEUE REIFENZEITUNG: Wie ist das Verhältnis von Erstausrüstung zu Ersatzgeschäft bei Lkw-Reifen in Ihrem Hause?

Bernhard Schmidt: Unsere Reifen werden bei allen renommierten Lkw-Herstellern montiert. Weil deren Geschäft überregional ist, sind auch die Zuständigkeiten bei uns entsprechend verteilt. Ich verantworte das deutsche Trailer-OE-Geschäft, bin also direkt involviert. Ob bei Zugmaschine oder Trailer: Wir haben immer den Anspruch, mehr zu sein als purer Reifenlieferant. Mit unserem Mix aus Erstausrüstung und Ersatzgeschäft sind wir sehr zufrieden.

NEUE REIFENZEITUNG: In der Erstausrüstung findet man Bridgestone vor allem auf den Zugmaschinen, Firestone früher auch auf Trailern/Anhängern, ist dieser Status noch korrekt?

Bernhard Schmidt: Dass Bridgestone eine starke Premiummarke ist, ist bekannt und dafür tun wir einiges. Angesichts der enormen Bedeutung, die zum Beispiel die Reifen auf gezogenen Fahrzeugen in Bezug auf den Treibstoffverbrauch haben, ist es doch naheliegend, dass wir die Marke Bridgestone immer häufiger auch auf Trailern bzw. Anhängern finden. Firestone hat zwar in den letzten Jahren Einbußen beim OE-Status gehabt, wird aber von einzelnen Trailerherstellern nach wie vor montiert.

NEUE REIFENZEITUNG: Benötigt Bridgestone nicht für das Budgetsegment im Ersatzgeschäft eine dritte Marke, weil Firestone eher das Mittelpreissegment bedient?

Bernhard Schmidt: Während Bridgestone als die Premiummarke positioniert ist, mit der die geringsten Kosten pro Kilometer erzielt werden, tun wir auch zur Förderung der Marke Firestone im Mittelpreissegment einiges. Außerdem bieten wir mit den qualitativ äußerst hochwertigen Bandag-Runderneuerungen, von denen wir schon gesprochen haben, ein sehr gutes Komplettpaket an.

NEUE REIFENZEITUNG: Inwieweit arbeiten die Entwicklungszentren in Japan und Rom bei Lkw-Reifen eigentlich zusammen, können sich befruchten oder gehen eher eigene Wege?

Bernhard Schmidt: Wenn von unserer Muttergesellschaft – wie aktuell mit dem auf der IAA gezeigten „Trisaver“-Konzept – grundlegende Neu- oder Weiterentwicklungen kommen, adaptieren wir und im Übrigen auch unsere Kollegen in Nordamerika diese für die jeweiligen Märkte. Die Produkte werden den Bedürfnissen der einzelnen Märkte angepasst.

NEUE REIFENZEITUNG: Findet ein Produktaustausch mit Märkten/Werken außerhalb Europas statt: Importe aus Nordamerika oder Fernost einerseits, Exporte in diese Märkte andererseits?

Bernhard Schmidt: In der ferneren Vergangenheit gab es in der Tat schon gewisse Abhängigkeiten von den Reifenfabriken im fernen Japan. Dank unserer beiden Lkw-Reifenfabriken im polnischen Stargard und im spanischen Bilbao müssen wir heute nur sehr wenige Größen oder Ausführungen importieren. Die Versorgung der europäischen Märkte ist durch die beiden Werke gesichert. detlef.vogt@reifenpresse.de

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

An Diskussionen teilnehmen
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.