Für Österreich sind „Wintereigenschaften auf Label essentiell wichtig“

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Zum 1. November müssen alle in der EU verkauften und nach dem 30. Juni produzierten Pkw-, LLkw- und Lkw-Reifen gekennzeichnet werden. Das EU-Reifenlabel bildet dabei keine echten Wintereigenschaften ab, wird folglich insbesondere in den Schneeregionen Europas überaus kritisch beäugt, auch wenn selbst hier viele Marktteilnehmer auch viel Gutes am EU-Reifenlabel finden. Im Interview mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert Herbert Wadel, Vorstandsmitglied des Verbands der Reifenspezialisten Österreichs (VRÖ), was man vor Ort von dem Reifenlabel hält, welche Erwartungen die österreichische Händlerschaft damit verbindet und wo sie durchaus Verbesserungspotenzial sieht.

NEUE REIFENZEITUNG:
Zum 1. November wird das EU-Reifenlabel endgültig Pflicht. Was halten Sie ganz allgemein vom Label und dessen Intentionen?

Herbert Wadel:
Positiv ist, dass wieder mehr Augenmerk auf die Reifenqualität gelegt wird. Dies ist grundsätzlich zu begrüßen. Der Reifen ist ein Sicherheitsaspekt beim Auto und wird somit durch das Labeling aufgewertet. Der Reifen wird Thema in der Öffentlichkeit, er wird Gesprächsstoff und dadurch in seiner Wichtigkeit gehoben.

NEUE REIFENZEITUNG:
Inwiefern kann es dem österreichischen Reifenhandel nützlich sein?

Herbert Wadel:
Wie ich bereits sagte, der Reifen wird zum Qualitätsprodukt aufgewertet. Mit dem Reifenlabel wird Transparenz geschaffen, es gelten gleiche Kriterien für alle Hersteller. Die schlechten Eigenschaften der Winterreifen im Sommer werden transparent. Somit ist die Wichtigkeit von Sommerreifen in der warmen Jahreszeit für alle sofort sichtbar.

NEUE REIFENZEITUNG:
Aber dazu muss der einzelne Reifenhändler eine nicht unerhebliche Beratungsleistung vollbringen, oder?

Herbert Wadel:
In komplexen Zeiten mit komplexen Themen steigt automatisch die Anforderung an die Mitarbeiter. Schulungen der Mitarbeiter werden zum Erfolgskriterium. Jeder muss sich der neuen Situation stellen und für sich das Beste daraus machen.

NEUE REIFENZEITUNG:
Hat man als Händler in der Saisonspitze überhaupt Zeit, Aufklärungsarbeit in Sachen Reifenlabel zu leisten?

Herbert Wadel:
Man wird sich durch gute Vorbereitung diese Zeit nehmen müssen. Es wird zum Thema werden und somit müssen sich alle Anbieter dem Thema professionell stellen. Der VRÖ bietet spezielle Schulungen zum Thema ‚Reifenlabel – Schicksal oder Chance?’ an. Je besser die Vorbereitung, desto kürzer und einfacher ist die Diskussion über das Labeling vor Ort.

NEUE REIFENZEITUNG:
Gibt es Umstände, unter denen das Reifenlabel eher als Nachteil für den Reifenhandel betrachtet werden muss?

Herbert Wadel:
Ja, die Problematik der wintermarkierten Sommerreifen, die beim Labeling, das ja nur Sommerkriterien betrifft, um Welten besser abschneiden werden, als die alpinen Winterreifen. Der Umstand des Labelings durch die Elektroindustrie, Wärmeeffizienz bei Häusern usw. sind beim Endkonsumenten ja bekannt. Dass Elektrogeräte der Premiummarken im A++-Segment beheimatet sind, ist ebenfalls offenkundig.

NEUE REIFENZEITUNG:
Was hat eigentlich der Endverbraucher vom Label?

Herbert Wadel:
Transparenz, Vergleichbarkeit, Qualitätskriterien, die für alle Hersteller gleich sind.

NEUE REIFENZEITUNG:
Rechnen Sie damit, dass sich durch das Label Marktanteile zwischen Premium, Economy und Budget verschieben?

Herbert Wadel:
Ja. Mit dem ersten AA-Reifen wird sich der Markt unter Druck bringen. Die Forschung wird durch das Labeling sicherlich angeheizt.

NEUE REIFENZEITUNG:
Welche Hersteller, Marken bzw. Marktsegmente werden am Ende von der Einführung des Labels profitieren?

Herbert Wadel:
Premiumhersteller, die als erstes das AA bringen, werden profitieren.

NEUE REIFENZEITUNG:
Mit welchen Veränderungen am Markt rechnen Sie, wenn Sie die zum Teil überaus gut gelabelten Reifen aus China betrachten?

Herbert Wadel:
Die anderen Hersteller werden diese Labelergebnisse auf das Genaueste überprüfen. Die Reifentests der unabhängigen Institute und Organisationen werden entsprechend die Schwächen aufzeigen und der Konsument wird schlechte Qualität am eigenen Leib erfahren.

NEUE REIFENZEITUNG:
Österreich ist ein ausgesprochenes Winterreifenland. Wie beurteilen Sie das Fehlen echter Winterkriterien auf dem Label in diesem Zusammenhang?

Herbert Wadel:
Für die alpine Region ist das Labeling unausgegoren. Das Fehlen eines Winterkriteriums trifft den Alpenraum besonders hart.

NEUE REIFENZEITUNG:
Sollte sich ein Händler überhaupt mit einem Hinweis auf das Label begnügen, um die Produkteigenschaften im Verkaufsgespräch ‚abzuarbeiten’? Wie jeder Fachmann weiß, hat ein Reifen darüber hinaus viele weitere wichtige Eigenschaften.

Herbert Wadel:
Man wird sich heuer sicher der vielen Reifentests bedienen müssen. Somit hat man sehr genau das Labeling zum Produktest gegenübergestellt.

NEUE REIFENZEITUNG:
Die EU-Reifenkennzeichnungsverordnung sieht für 2016 eine Revision des Labels vor. Würden Sie sich die Ergänzung um entsprechende Wintereigenschaften wünschen?

Herbert Wadel:
Für den Alpenraum ist das essentiell wichtig, um die ‚alpinen’ Winterreifen von den ‚gefakten’ mit einem Blick unterscheiden zu können.
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