60 Jahre Continental-Winterreifen: Trend zur weiteren Spezialisierung

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Seit 1952 stellt Continental Winterreifen her. Continental ist in dieser Zeit nicht nur der weltweit größte Hersteller von Winterreifen geworden, so die Hannoveraner über sich selbst, sondern Conti sieht sich auch technologisch als „die Nummer eins“ im Markt. Zur ‚Beweisführung’ müsse man sich nur die „Vielzahl der Reifentests“ ansehen, in denen der Hersteller besser als seine Wettbewerber abschneidet; selbst den ersten vom ADAC jemals durchgeführten Winterreifentest 1982 konnte Continental gewinnen. In diesem Jahr kann der deutsche Reifenhersteller ein Jubiläum feiern: 60 Jahre Winterreifenfertigung.

Seit dem ersten Winterreifen von Continental, dem „M+S 14“, sind die Anforderungen deutlich gestiegen. In den 1950er Jahren fuhren die wenigsten Autos bei winterlichen Straßenbedingungen eher auf losem Schnee. Der Continental M+S 14 wurde aufgrund seiner grobstolligen Profilstruktur noch als „Schneeprofil“ bezeichnet – heutige Winterreifen haben dagegen eine sehr filigrane Profilierung, die ihnen hilft, sich sogar mit festgefahrenem Schnee zu verzahnen. Wer heute im Winter unterwegs ist, verlangt von seinen Reifen nicht nur den Grip auf Schnee – wohlbemerkt, festgefahrenem Schnee – sondern auch gute Wasserableitung, den Schutz vor Aquaplaning, genaues Handling, niedriges Abrollgeräusch, Hochgeschwindigkeitsfestigkeit und vor allem kurze Bremswege auf allen Untergründen. Für die Reifenentwickler in Hannover bedeutet dies, eine Vielzahl von Zielkonflikten zu managen und das System „Reifen“ insgesamt auf ein höheres Niveau zu bringen.

Um die hohen Anforderungen der Autofahrer zu erfüllen, sind moderne Winterreifen Alleskönner geworden. Unter rund sieben Grad Celsius bieten sie mehr Haftung als Sommerreifen, nutzen beim richtigen Einsatz weniger schnell ab und haben – die passende Konstruktion vorausgesetzt – ein harmonisches Reifen-Fahrbahn-Geräusch. Da ihre Konstrukteure sie so perfekt entwickeln, sind sie die Stars der Branche. Neben den inzwischen extrem komplizierten Lamellen, die den Profilblöcken ihr Maximum an Grip geben, denken sie sich laufrichtungsgebundene Versionen, asymmetrische Reifen und sogar asymmetrische und gleichzeitig laufrichtungsgebundene Pneus aus. Die letztgenannten Winterreifen sind dann jeweils für die rechte und linke Fahrzeugseite unterschiedlich hergestellt. Zwar bieten sie höchsten Grip auf verschneiter Fahrbahn, doch ihre Logistik war den Autofahrern zu kompliziert, sodass sie nach den üblichen Produktzyklen einen nur noch laufrichtungsgebundenen Nachfolger erhielten. Ein weiterer Schwerpunkt in der Winterreifenentwicklung ist die Lamellentechnologie. Gerade Lamellen, Sinuslamellen, Netzlamellen, Bienenwabenlamellen, verlinkte Lamellen, überkreuz verbundene Lamellen, Treppenlamellen – nichts scheint zu kompliziert zu sein, um noch mehr Haftung, noch mehr Sicherheit zu liefern.

Neben der Profilgestaltung ist es besonders die Gummimischung, die erst einen echten Winterreifen ausmacht. Im Unterschied zu Sommerreifen werden bei Winterreifen sogenannte „tieftemperaturelastische Kautschuke“ verwendet, um den Pneu selbst bei niedrigen Temperaturen elastisch zu halten. Dazu kommen Chemikalien wie Schwefel, Weichmacher, das bekannte Silica (Kieselsäure), Silane und Öle sowie Harze. Diese Mischungen sind von Hersteller zu Hersteller höchst unterschiedlich, so müssen einige sogenannte Billigmarken mangels Know-how in der Verarbeitungstechnologie auf das teure und kompliziert zu mischende Silica verzichten. Eines eint die unterschiedlichen Gummizusammensetzungen allerdings: Sie sind höchst geheim – niemand will dem Wettbewerb die Chance des „Nachmischens“ bieten.

Spezialisten für unterschiedliche Anforderungen

Schon früh in der Entwicklung zeigte sich, dass es nicht den einen, universellen Winterreifen gibt. Je nach Fahrzeug und weltweitem Einsatzort müssen Spezialisten her – mal mit, mal ohne Spikes, mit unterschiedlicher Mischung und diversen Profilgestaltungen. Nur so kommt man den unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, den verschiedenen Straßenverhältnissen und den vielfältigen Fahrzeugtypen nahe. Alleine der Continental-Konzern hat mit den Marken Continental, Uniroyal, Semperit, General Tire, Gislaved, Viking, Barum, Matador und Mabor acht Lieferanten von Winterreifen am Markt.

„Nicht alle können oder sollen alles können“, heißt es dazu vonseiten des Hersteller: So sind die Produkte von Gislaved und Viking auf die skandinavischen, nordosteuropäischen und den russisch-asiatischen Markt zugeschnitten. Gislaved bietet Reifen mit sehr weichen Mischungen und mit Spikes an – solche Produkte werden regional vertrieben. Continental erfüllt als „Premiummarke“ höchste Ansprüche an Sicherheit, Komfort und Ausgewogenheit der Leistungsdaten, Uniroyal mit den Regenreifen für den Winter passt perfekt in Regionen, die die Autofahrer mit nasskaltem Wetter und gelegentlichen Schneefällen konfrontieren. Semperit ist als alpen-erprobt die richtige Wahl für das schneereiche Süddeutschland, für Österreich und die Schweiz. Allrounder im mittleren Preissegment sind die für mitteleuropäische Verhältnisse konstruierten Winterreifen von General Tire. Barum, Matador und Mabor bieten besonders preisgünstige Angebote.

Schnell, schneller und sicher

Winterreifen sind nicht nur immer sicherer und leiser, sonder auch immer schneller geworden. In gewissem Abstand hielten sie mit den Sommerreifenpneus mit – dort gibt es bereits bei Serienreifen Freigaben bis zu 360 km/h. Moderne Winterreifen erlauben Geschwindigkeiten bis zu 270 km/h. Da die meisten Pkw ohnehin bei rund 240 km/h abgeregelt sind, sollten mit ihnen die allermeisten Wünsche nach Top-Speed auch im Winter erfüllt sein. Allerdings ist diese Entwicklung erst in den vergangenen zehn Jahren ins Rollen gekommen. Bis in die 1990er Jahre reichten den meisten Autofahrern 210 km/h aus. Den ersten wirklichen V-Winterreifen stellte Continental mit dem ContiWinterContact TS 790 V bereits im Jahre 2000 vor – frei bis zu 240 km/h. ab


Vor 60 Jahren führte Continental seinen ersten Winterreifen ein, den „M+S 14“ – seither hat sich in der Reifenentwicklung einiges verändert, wie man allein an der Profilgestaltung erkennen kann

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