Neue Reifenpreisvergleichsportale: Transparenz/Stabilität oder Druck?

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Dieser Tage starten zwei neue Onlinereifenpreisvergleichsportale unterschiedlicher Ausrichtung. Das eine soll Reifenvermarkter dabei unterstützen, sich einerseits zu möglichst günstigen Konditionen mit Ware zu versorgen sowie andererseits im Abverkauf einen möglichst hohen, aber dennoch marktgerechten Preis zu erzielen. Das zweite Angebot ist hingegen eher als Kundenzuführungsinstrument für den im B2C-Onlinereifenhanel konzipiert: Nach dem Vorbild der für diverse andere Branchen (Versicherungen, Energieversorger etc.) im Netz etablieren Preisvergleichsportale soll hier der an einem Onlinekauf interessierte potenzielle Reifenkunde zu den entsprechenden Anbietern geleitet werden. Selbst wenn der eine dabei vorrangig durch die Brille des Reifenvermarkters blickt und der andere durch die eines Endverbrauchers, so sind sie sich jedoch darin einig, dass ihr Angebot in Sachen Preise zu mehr Transparenz führen werde. Auch von einem Plus an Stabilität ist das die Rede. Oder wird von dem Ganzen letztendlich nicht vielleicht doch eher nur ein Mehr an Druck auf die Reifenpreise ausgehen?

Hinter dem „Reifenstudie“ genannten Projekt steht die Hamburger W&V GbR bzw. mit Andreas Wolfarth ein in der Reifenbranche nicht Unbekannter. Wer den Namen spontan nicht einzuordnen weiß, dem sei an dieser Stelle geholfen: Wolfarth stand eigenen Worten zufolge in der Vergangenheit unter anderem bereits in Diensten des Reifenherstellers Continental und hat auch schon für den im schleswig-holsteinischen Hohenweststedt beheimateten Großhändler RS Exclusiv „Projektarbeit geleistet“, wie er selbst es nennt. Zuletzt bekleidete er Opens external link in new windowbis November vergangenen Jahres den Geschäftsführerposten bei der Smarcado GmbH, welche die Opens external link in new windowReifenhandelsplattform Gripgate betreibt. Sein neuestes „Baby“ ist nun unter der Internetadresse www.reifenstudie.de im weltweiten Datennetz zu finden. Damit soll Reifenvermarktern die Möglichkeit gegeben werden, über die Auswahl des von Fall zu Fall jeweils günstigsten Lieferanten die Kosten auf der Beschaffungsseite zu senken sowie zugleich Umsatzpotenzial nicht durch unnötig niedrige Verkaufspreise zu verschenken. Mittel dazu ist der Onlinepreisvergleich der gängigsten B2B- und B2C-Portale der Branche heruntergebrochen bis aufs letzte Produktdetail.

Wolfarth beschreibt seine Plattform als „innovatives Analyse- und Beratungs-Tool für die Reifenbranche“. Sie bietet im B2B-Bereich die Möglichkeit, die eigenen Preise mit denen von Wettbewerbern bzw. einem mittleren Preisniveau zu vergleichen. Dabei werden – um Verfälschungen des Bildes etwa durch Restanten in Einzelstückzahlen nicht zu verfälschen – nur Bestände von mehr als acht Reifen berücksichtigt. Basierend auf Artikelnummern lässt sich so bis ins letzte Detail etwa in Abhängigkeit von der Marke, dem Profil, der Dimension oder welchem Produktmerkmal auch immer nachvollziehen, wo man als Großhändler, Wiederverkäufer oder Shopbetreiber selbst wettbewerbsfähig ist und wo man als Reifeneinzelhändler vielleicht doch besser seinen Lieferanten wechselt, weil man mit dem bisherigen eben nicht so günstig fährt wie gedacht. Um all dies zu ermöglichen, bietet die Plattform die Möglichkeit, eigene Preis- und Bestandslisten via FTP oder über eine CSV-Datei dem System mitzuteilen. Auch eine individuelle Kalkulation kann bei Bedarf hinterlegt werden. Alle so hinzufügten Daten sind dabei immer nur für den jeweiligen Kunden selbst zu sehen, aber nicht für die anderen „Reifenstudie“-Nutzer, versichert Wolfarth.

Nicht viel anders verhält es sich mit dem B2C-Bereich der Plattform, nur dass hier eben die erhobenen Nettodurchschnittspreise verschiedener B2C-Anbieter wie beispielsweise Reifen.com, Pneus Online, Popgom, ATU oder anderer den eigenen gegenübergestellt werden können. Die Frage der NEUE REIFENZEITUNG danach, wie die Preise nun denn eigentlich genau ermittelt werden, beantwortet Wolfarth dahin gehend, dass sie jedenfalls nicht von Hand ins System eingepflegt werden, sondern jederzeit in aktueller Form vorgehalten werden können. Sein Geschäftsmodell sieht demnach so aus, dass Kunden, die all diese Funktionalitäten nutzen wollen, je nach Art des gewünschten Zugangs – B2B und/oder B2C – oder je nachdem, ob sie selbst Daten in das System einspielen wollen oder nicht, eine entsprechende monatliche Nutzungsgebühr zu entrichten haben. Ohne Zugangdaten lassen sich über die jetzt schon im Netz stehende Site nur grundlegende Informationen zu den in der Datenbank hinterlegten Reifen – Wolfarth spricht von rund 65.000 Datensätzen – abrufen sowie gegebenenfalls die Preisspanne (unter Einbeziehung der Umsatzsteuer) zwischen dem billigsten und teuersten B2C-Anbieter, wobei deren Namen an dieser Stelle dann jedoch nicht genannt werden.

Das macht „Reifen2Go“ freilich völlig anders, denn das Ziel von „Deutschlands großem Reifenpreisvergleich“ ist es ja gerade, B2C-Händlern Kundschaft zu vermitteln. Und dafür dann natürlich eine Provision zu kassieren, wie Sabine Heck, geschäftsführende Gesellschafterin der Pforzheimer eGo Group GmbH, im Gespräch mit dieser Fachzeitschrift erklärt. Angeschlossene Händler – zum Zeitpunkt der Reifenmesse und damit etwa einen Monat vor dem angepeilten offiziellen Starttermin des Angebots unter www.reifen2go.de sollen es bereits ihren Worten zufolge schon 15 gewesen sein – haben dabei die Wahl zwischen drei verschiedenen Tarifen. „Basic“ zeichnet sich durch die geringsten monatlichen Fixkosten sowie dafür höhere Kosten pro Klick aus als etwa der „Profi“- und der „Premium“-Tarif, bei denen zwar die monatlichen Fixkosten höher ausfallen, dafür aber die Klicks günstiger sind. Darüber hinaus werden dort auch noch weitere Leistungen wie etwa zusätzliche Shopinformationen samt Unternehmensbeschreibung oder der Zugang zu Analyse-Tools sowie Werbemöglichkeiten auf der „Reifen2Go“-Startseite geboten.

Reifenhersteller will man in Sachen Werbung ebenfalls mit ins Boot holen, und vor allem soll die neue Plattform selbst später dann selbst sogar auch im Fernsehen beworben werden. Das kommt nicht von ungefähr, denn Heck kommt eigenen Worten zufolge aus dem TV-Umfeld und kann von daher ihr Know-how aus diesem Bereich mit in die Waagschale werfen. Zu den weiteren Gesellschaftern des Unternehmens gehören ihren Worten zufolge unter anderem übrigens eine Münchner Investorengruppe sowie auch der Großhändler Profi-Tyre aus Rheinstetten. Man darf gespannt sein, ob und wie die beiden neuen Angebote den Reifenmarkt in Deutschland verändern werden. christian.marx@reifenpresse.de

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