SWG sportivewheels: Noch jung im Markt, aber mit langjähriger Markterfahrung

Gerhard Weinert und Alexander Funk hatten in ihrer Branchenkarriere schon einige gemeinsame Stationen gemeinsam hinter sich gebracht, als sie sich Ende 2007 sagten, eigentlich könnten sie sich doch zusammentun. Und so gründeten sie bei gleichen Anteilen die SWG sportivewheels GmbH in Pinneberg, wobei sich das Buchstabenakronym aus dem Rest der Firmenbezeichnung zusammensetzt. Das Gespann Weinert/Funk hat im deutschen Aluminiumräderaftermarkt eine Fülle von Kontakten, man kennt sie, sie kennen den Markt und die wichtigen Vermarkter.

Bei der Suche nach einem preisgünstigen und qualitativ akzeptablen Produzenten war ihnen der Würzburger Grossist und Vermarkter von DBV-Rädern, namentlich Norbert Bathon, sehr behilflich und trug so zu einem sehr passablen Marktstart bei. „Diese enge Zusammenarbeit mit DBV hat viel zum Aufbau unserer Firma beigetragen“, ist Alexander Funk noch heute voll des Lobes. Freilich haben sich die Marktbedingungen geändert. Die später erhobenen Strafzölle auf Aluminiumräder made in China haben die vormalige Kalkulation hinfällig gemacht.

Andere Produktionsstätten mussten gefunden und aus der Not sollte eine Tugend gemacht werden. Mit einer zuverlässigen, wenn auch im Vergleich zu Fernost etwas teureren Europa-Produktion würde man viel flexibler sein, könnte auftragsbezogen fertigen lassen, gegebenenfalls die Räder sogar palettenweise ohne Umweg über das kleine Lager in Schleswig-Holstein direkt zum Kunden expedieren. Die beiden erinnerten sich eines alten Bekannten, der bestens im italienischen Markt verwurzelt ist und auch die kleinsten Produktionsstätten kennt, von denen hierzulande noch kaum jemand je gehört hat: Giorgio Ferrari. Große und leistungsfähige Entwicklungsabteilungen bei den Produzenten in Italien waren auch nicht erforderlich. Die beiden SWG-Macher wussten ja sehr genau, welche Räder im Markt liefen und was sie für ihr Programm wollten. Ähnlichkeiten der SWG-Stylings mit bereits vorhandenen Angeboten sind in diesem Sinne nicht zufällig. Als kleine und flexible Firma wollten sie sich dadurch abheben, einen besseren Service zu bieten, schneller zu sein – und sie wollten an gute alte Kontakte auf Vermarktungsseite anknüpfen.

Das ist ihnen wohl auch recht gut gelungen: Wessels + Müller sowie ATU gehören beispielsweise zu den nennenswerten Großkunden, für SWG wohlgemerkt. Für die W + M AG und die große Fachmarktkette ist das Programm des Gespannes eher Ergänzung denn Kernsortiment. Auch haben Funk und Weinert nicht mit letztem Elan versucht, partout bei allen marktrelevanten Ketten gelistet zu sein und einen Teil derer Produktportfolios zu bestreiten. Im Premio-Katalog tauchen SWG-Räder dennoch auf, also müssen sie auch bei GDHS gelistet sein. Ferner haben es die beiden in den Tuningkatalog von Rieger geschafft.

Darüber hinaus bereisen drei Außendienstmitarbeiter den deutschen und österreichischen Markt, auf den sich SWG jedenfalls bislang beschränkt. Das sind keine fest angestellten Außendienstler, sondern freie Handelsvertreter auf Provisionsbasis, die in ihrem Angebot außer den Aluminiumrädern noch ganz andere Produkte haben. Die Drei besuchen alle erdenklichen Aluminiumrädervermarkter von der kleineren Kfz-Werkstatt über das Autohaus bis hin zum Reifenfachhandel und zum Automobilzubehörhändler.

Und können sich seit Kurzem über gleich zwei Angebote freuen, die aus Italien an das Duo Funk/Weinert herangetragen wurden und die passen, weil sich nicht mit größeren Stückzahlerwartungen verbunden sind und „on top“ zu SWG stehen: Die auch hierzulande seit Jahren bekannte Aluminiumgussrädermarke „ATP“ als Imageträger und für die exklusive Nische Highend-Schmiederäder „AT“ als Technologieträger.

Wenn es gelingt, SWG durch die beiden neuen Angebote weiter nach oben zu ziehen, wären Alexander Funk und Gerhard Weinert natürlich nicht unglücklich, erklärtes Ziel ist das nicht. Obgleich durch diese doppelte Ergänzung ihr Unternehmen mit einem Schlag von einer auf drei Säulen gestellt wird. Und sie sich mit ATP und AT viel weniger im Preiswettbewerb bewegen als mit der Hausmarke, deren Kernprogramm von 17 bis 22 Zoll reicht und sich auch im Wintergeschäft beweisen muss. Eine Besonderheit bei SWG sind übrigens die mit 15 Zoll kleiner als im sonstigen Programm der Marke dimensionierten Smart-Räder: „Ein spezielles Anliegen von mir persönlich“, räumt Funk ein.

„ATP“ und „AT“ gehören der Familie Pasotti, die das Unternehmen vor wenigen Jahren übernehmen konnte, nachdem sich die damaligen Eigner an ihren eigenen hohen Ansprüchen überhoben hatten und in die Insolvenz gehen mussten. Inzwischen hat nicht nur CEO Roberto Pasotti die repräsentativen Räumlichkeiten am Standort Longhena im Süden von Brescia beziehen können, auch die qualifizierten Mitarbeiter der Vorgängerfirma sind wieder mit im Boot und hochmotiviert, die ambitionierten technologischen Projekte, die sie angestoßen hatten und nicht mehr realisieren konnten, endlich umzusetzen.

Wobei es bei ATP – hierzulande aktuell angeboten von 18 bis 24 Zoll – nicht nur darum ging, anspruchsvolle Stylings für anspruchsvolle Autos umzusetzen, sondern auch bei den Produktionsprozessen neue Wege einzuschlagen, so durch das umweltfreundliche und im Vakuum erfolgende „PVD“: Das Kürzel steht für „Physical Vapour Deposition“ und soll die Oberflächenbeschichtung im Wettbewerbsvergleich in einmaliger Art und Weise widerstandsfähiger machen und eine breite Palette an Farbvarianten ermöglichen.

Die Italiener haben übrigens auch den 2-Teilern nicht abgeschworen, die in deutschen Landen in den letzten Jahren immer seltener geworden sind. Wobei es um vollgeschmiedete Räder mit Edelstahlhorn geht, bei denen die jetzige Firma von den im Rahmen der Insolvenz mitübernommenen sämtlichen „Tecnoforming“-Patenten profitieren kann. Die geschmiedeten zweiteiligen Räder kommen zwar aus dem gleichen Hause, tragen aber das Markenkürzel „AT“ und decken das Größenspektrum 19 bis 22 Zoll ab. detlef.vogt@reifenpresse.de

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