Italienischer Runderneuerungsmarkt hat schwierige Jahre hinter sich

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Der italienische Runderneuerungsmarkt erlebt aktuell nach Jahren der Krise seine Wiedergeburt. „Das, was wir von diesem und den kommenden Jahren erwarten, ist die Anerkennung der Runderneuerung in der industriellen Welt unter dem Gesichtspunkt der Qualität und der Dienstleistungen für den Markt“, sagt Brenno Benaglia, Vizepräsident des italienischen Runderneuerungsverbandes AIRP (Associazione Italiana Ricostruttori Pneumatici) sowie des europäischen Bipaver-Verbands.

Der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit des italienischen Marktes geht zurück auf die Jahre, als runderneuerte Reifen dort noch den Ruf eines schlechten Produktes hatten und aufseiten der Marktteilnehmer, Händler und Flottenbetreiber starke Vorurteile gegenüber der Zuverlässigkeit bestanden. Solche Meinungen seien erst langsam durch Investitionen in die Professionalität der Runderneuerer, die Qualität der Produkte sowie in Informationskampagnen verringert worden, so Benaglia weiter. Die Margen am Markt stünden nun wegen der zuletzt durchgesetzten Preiserhöhungen im Einklang mit den Kosten.

„Auch 2012 erwarten wir, falls keine unvorhergesehenen Ereignisse geschehen, eine leichte Erholung der Kosten für Rohstoffe, so dass die Preise nur leicht steigen werden“, so der AIRP-Vizepräsident weiter. „Rohstoffe werden auf einem globalen Markt gehandelt, wo sich Märkte wie die USA erholen und andere Märkte wie Indien oder China stetig weiterwachsen. Und Europa wird dabei zunehmend marginalisiert, muss aber die Folgen bezahlen.“

Der Beginn des neuen Jahres war für italienische Runderneuerer nicht erfolgreich, zum Teil wegen des schlechten Wetters, zum Teil wegen der Streiks im Land. Es sei dem AIRP zufolge demnach schwierig, die guten Absatzzahlen aus dem Vorjahr noch einmal zu steigern, schätzt der Verband schon zu Beginn des neuen Jahres, auch wenn in der zweiten Jahreshälfte mit einem besseren Geschäftsumfeld gerechnet wird. „Der italienische Markt lebt derzeit – zusätzlich zum geringen Frachtumschlag per Lkw – im Spannungsfeld zweier fundamentaler Entwicklungen“, erklärt Benaglia weiter. „Die erste ist, und dies trifft auch auf den Neureifenmarkt wie die italienische Wirtschaft insgesamt zu, die Kreditklemme im Land. In Italien, wo es nur wenige große Flotten gibt, sind die Spediteure in der Regel unterkapitalisiert und stehen außerdem unter dem starken Wettbewerb ausländischer Spediteure. Die zweite Entwicklung ist, dass sich immer noch viele große Firmen und der Bausektor nur sehr langsam erholen.“

September 2001 fiel in Italien der Startschuss für ein offizielles Altreifenverwertungssystem. Wenn die Sammlung von Altreifen durch das „Ecopneus“-System auf der einen Seite kurzfristig dazu führt, dass runderneuerungsfähige Karkassen in einigen Nischen vielleicht aus dem System genommen werden, ergänzt der AIRP-Vizepräsident, sollte Ecopneus langfristig dazu führen, einen positiven Einfluss auch auf die Runderneuerung zu haben und diese wettbewerbsfähiger zu machen, weil die Entsorgungsgebühr nur auf den Neureifenpreis aufgeschlagen wird.

Das größte Problem indes, mit dem der italienische Runderneuerungsmarkt heute konfrontiert wird, ist der Mangel an runderneuerungsfähigen Karkassen. Einerseits waren in der jüngsten Vergangenheit nur wenige Neureifen über die Erstausrüstung verkauft worden, andererseits wurden die im Markt befindlichen Reifen oftmals bis auf die Karkasslagen heruntergefahren und somit für ein zweites Reifenleben unbrauchbar.

Benaglia hat keinen Zweifel daran, dass die Zukunft der Runderneuerung in der Qualität liegt, und zwar in der Qualität des Produktes wie auch der Dienstleistung. Diese Qualität versucht der italienische Runderneuerungsverband seit Jahren mittels Kampagnen und spezieller Initiativen zu steigern. Dazu gehört auch die Definition spezieller Standards, die der AIRP für die italienische Runderneuerungsbranche als Mindeststandards anlegt. Diese Initiative ist zwar freiwillig, sei aber ein wichtiger Beitrag zur Schaffung einer besonderen Kultur des Produktes auf dem italienischen Reifenmarkt und sei außerdem dazu geeignet, die Ansprüche der gesamten Branche in Bezug auf Qualität zu erhöhen. Im Einklang mit dem Wunsch nach mehr Markttransparenz begrüße Benaglia auch die Einbindung der Runderneuerung in die Kennzeichnungsvorschriften des Reifenlabels.

„In 2012/2013 erwarten wir eine weitere Verringerung der Zahl der Runderneuerer. Auch wenn schon einige Unternehmen ausgestiegen sind, gibt es immer noch ein Überangebot nicht qualifizierter Runderneuerer in Italien. Gleichzeitig rechnen wir mit einer Steigerung des Marktanteils der Runderneuerung in Italien aufgrund ihrer antizyklischen Entwicklung nach der Krise“, so der AIRP-Vizepräsident weiter. Zum weiteren Strukturwandel des Runderneuerungsmarktes werde dort auch die zunehmende Präsenz der Neureifenhersteller beitragen. „Diese Präsenz freut uns, weil sie eine qualifizierte Konkurrenz ist und weil sie den Willen der Neureifenhersteller beweist, das zweite Leben von Karkassen aufzuwerten und Rohstoffe einzusparen.“

Die Runderneuerung sei eine Aufgabe, die immer noch vielen Spaß bereite, seien dazu doch eine Qualifikation sowie der Willen erforderlich, Rohstoffe durch die Gewährung eines zweiten Reifenlebens einsparen zu wollen. „Ich blicke mit Zuversicht in die Zukunft: nach schwierigen Jahren mit der Qualifizierung des Sektors und der Schließung vieler Betriebe, sind wir jetzt bereit, einer neuen Ära gegenüberzutreten. Wir wollen versuchen dem Neureifen ein Produkt von hoher Qualität an die Seite zu stellen. Die Runderneuerung wird eine große Zukunft haben, wenn ihr nicht irgendwelche Kompromisse zugemutet werden“, so Benaglia abschließend. lucia.tonini@pneusnews.it/ab
 

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