Michelin präsentiert Pilot Alpin PA4 und Latitude Alpin LA2

Eigentlich ist die Winterreifensaison, die 2011/2012 in deutschen Landen bekanntlich eine enttäuschende war, ja gerade vorbei und alles blickt auf das Umbereifungsgeschäft Winter- zu Sommerreifen. Doch richtig ist an dem saisonalen Verlauf auch, dass sich die Reifenhändler ganz antizyklisch schon wieder Gedanken um ihr Orderverhalten für die Wintersaison 2012/2013 machen sollten oder sogar müssen. Der Blick auf die Lagerbestände bei manchem Groß- oder Einzelhändler gemahnt dabei zur Vorsicht. Allerdings sind die Winterreifenmuffel, die sich ohne Wechsel durch die Saison geschummelt haben, eher bei den Kleinwagenbesitzern zu suchen. Wer eine große Limousine, einen Sportwagen oder ein Sport Utility Vehicle, kurz SUV genannt, fährt, der hatte umgerüstet. Für diese Klientel kommt die Vorstellung von Pilot Alpin PA4 und Latitude Alpin LA2 nicht zur Unzeit, Michelin nennt eine mehr als zweiwöchige Veranstaltungsserie in Riga und auf einem Testgelände nahe der lettischen Hauptstadt eine „Vorpremiere“.

In einer Hinsicht hatten die Franzosen sogar Glück, gab es doch in der zweiten Monatshälfte Februar in Riga Temperaturen von minus 29° Celsius bis plus fünf Grad, gab es Eis, tiefen Schnee, Matsch, Regen, Sonnenschein – das ganze Wetterspektrum eben. Und in diesem breiten jahreszeitlich vorstellbaren Bereich konnten die beiden High-Performance-Winterreifen, die dieser Tage im europäischen Ersatzmarkt bestellt werden können, zeigen, was sie können. Wobei die beiden neuen Reifentypen nicht einfach die bisherigen Produkte ersetzen, sondern aufgrund einer Vielzahl neuer Dimensionen das Marktsegment völlig neu sortieren: Der Pilot Alpin PA4 kommt in 2012 in 38 Größen von 17 bis 21 Zoll und mit Speedindices H bis W daher, von denen es beim Vorgängermodell 21 noch gar nicht gab. Der Latitude Alpin LA2 wird in 23 Größen von 16 bis 21 Zoll und mit Speedindices H und V (bis auf eine Ausnahme sämtlich als XL-Versionen) angeboten, von denen 15 neu sind. Und Michelin kündigt bereits an, im Jahre 2013 das Größenangebot noch weiter ausdehnen zu wollen.

Vincent Rousset-Rouvière, Generaldirektor Ersatzmarkt Europa für das Segment der Pkw-/SUV- und LLkw-/Transporterreifen bei Michelin, erinnert angesichts der Wetterverhältnisse in und um Riga daran, dass nur wenige Wochen zuvor dieser schneller Wetterwechsel und damit unterschiedlichste Fahrbahnbedingungen sogar in noch komprimierterer Form die Rallye Monte Carlo bestimmt hatte. Was Sébastien Loeb und Co. bei dieser „Mutter aller Rallyes“ erlebten, war ein Spiegelbild mitteleuropäischer Winter: Sonne, Regen, Schnee im Wechsel bzw. trockener, nasser, schneebedeckter oder vereister Asphalt – so erlebt es auch der Verbraucher, wenn auch sicherlich etwas großzügiger über die Wintersaison verteilt. Rousset-Rouvière: „Der Reifen entscheidet, bei der Rallye wie im allgemeinen Straßenverkehr.“

Etwa ein Drittel der Pkw-Reifen, die alljährlich im europäischen Ersatzgeschäft verkauft werden, ist der Kategorie Winterreifen zuzuordnen, entsprechend im Jahre 2011 ungefähr hundert Millionen Winterreifen. Ein enormes Marktpotenzial, das ein Michelin-Konzern mit großem Engagement angeht. In den letzten drei Jahren ist der Winterreifenmarkt um 50 Prozent gestiegen.

Und da die automobile Oberklasse und die SUVs die Fahrzeugsegmente in einem ansonsten weitgehend stagnierenden europäischen Automobilmarkt sind, die mit einem Plus von 82 Prozent in den letzten drei Jahren (entsprechend neun Millionen Einheiten 2011) signifikante Wachstumsraten aufweisen, ist Michelin angetreten, mit Pilot Alpin PA4 und Latitude Alpin LA2 neue Benchmarks setzen zu wollen und spricht von „Essentials“ – der Überschrift des lettischen Events, aber auch der Einzeldisziplinen, in denen sich die neuen Reifen in Praxistests zu bewähren hatten: Um das Essential „Sicherheit“ ging es beim Griptest mit Audi A5 auf schneebedeckter Fahrbahn sowie beim Bremsen, um das Essential „Kontrolle“ beim Handlingtest mit Porsche 911 auf schneebedeckter Fahrbahn, um das Essential „Spaß“ beim Slalomtest mit AMG Mercedes auf schneebedeckter Fahrbahn sowie um das Essential „Offroad“ mit Range Rover Evoque und VW Touareg über Waldwege, die die SUVs in Mitteleuropa ansonsten nur selten befahren. Mit diesen ganz wesentlichen automobilen Aspekten hat Michelin die drei zentralen Verbraucherbedürfnisse Sicherheit, Mobilität und Kontrolle abgedeckt und sogar noch ein wenig mehr. Wobei – das weiß man – die hauseigene Domäne hoher Laufleistung bei solch einem Testevent nicht demonstriert werden kann: Aber da vertrauen Händler und Verbraucher ja ohnehin auf das Image der Marke Michelin.

Michelin sieht auf die Erwartungen der Verbraucher

Im Auftrage Michelins wurde im Mai 2011 eine GFK-Studie durchgeführt, um die Bedürfnisse und Erwartungen der Verbraucher verstehen und sie letzten Endes auch erfüllen zu können. Mehr als 4.000 Autofahrer wurden in Deutschland, Frankreich, Russland, Schweden und Kanada nach ihren Erfahrungen beim Fahren auf winterlichen Straßen befragt. Aufgrund dieser Daten analysierte das Unternehmen fast 12.000 Situationen, in denen unter verschiedensten Bedingungen ein „Kontrollverlust“ auftreten kann. Dafür wurden nahezu alle möglichen Straßenverhältnisse berücksichtigt:

– mit Neuschnee bzw. Pulverschnee bedeckte Fahrbahn,

– mit hartem, kompaktem Altschnee bedeckte Fahrbahn,

– mit angetautem und wieder überfrorenem, glattem Schnee bedeckte Fahrbahn,

– mit angetautem Nassschnee bzw. Feuchtschnee bedeckte Fahrbahn und

– teilweise schneebedeckte, durch Fahrrinnen freigelegte Fahrbahn.

Die Befragung von Autofahrern förderte teils erstaunliche Erkenntnisse zutage: In allen untersuchten Regionen zeigen Fahrer von leistungsstarken Fahrzeugen „zwei Gesichter“. Im Sommer legen sie vor allem Wert auf Fahrspaß, wodurch der emotionale Bezug zum Fahrzeug deutlich wird. Im Winter rückt der Fahrspaß dagegen in den Hintergrund, die Sicherheit wird zu einem vorrangigen Bedürfnis. Hier wollen die Fahrer sicher bremsen, das Fahrzeug rechtzeitig zum Stehen bringen und sicher durch Kurven fahren können. Darüber hinaus wollen sie mobil bleiben, zum Beispiel beim Anfahren an Steigungen. Schließlich erwarten sie, unter allen Bedingungen die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten (beispielsweise beim Wechseln der Fahrspur und beim Fahren auf unterschiedlichen Straßenbelägen).

Wintersicherheit ist aber nicht nur ein Verbraucherbedürfnis, sondern auch eine Konstante bei den Automobilherstellern, die bei den entsprechenden Freigaben bzw. Empfehlungen keine Kompromisse eingehen und nach einem Äquivalent beispielsweise zum sommerlichen Pilot Super Sport bei ihrem Zulieferer verlangen. Michael Haupt, Leiter der Reifenentwicklungsabteilung bei Porsche, beschreibt die Anforderungen so: „Bei Winterreifen legen wir besonderen Wert auf Sicherheit und Fahrstabilität sowie auf kurze Bremswege – egal ob bei nassen, schneebedeckten oder eisglatten Straßenverhältnissen.“ Und er bricht eine Lanze speziell für die Kunden der Zuffenhausener Marke, die aufgeklärt seien und sehr wohl einschätzen könnten, was technisch machbar und vernünftig im Winter ist. So werde der Wunsch, nun partout Winterreifen mit Speedindex „W“ fahren zu wollen, nur höchst selten an Porsche herangetragen, sagt er auf Nachfrage der NEUE REIFENZEITUNG, weshalb man es bei Speedindex „V“ beim Sportwagenbauer belasse – nach gegenwärtigem Stand der Technik jedenfalls. Womit er die Zielkonflikte gemeint haben dürfte, die sich mit dem Vorwagen in eine neue Geschwindigkeitskategorie ergeben.

Bei Winterreifen für Hochleistungsreifen mag es weniger als bei Sommerreifen um die Optik bzw. Ästhetik des Produktes gehen, andere Kriterien sind aber auch beim Sportwagenbauer Porsche bei den Reifen für beide Jahreshälften gleichermaßen bedeutsam: Laufleistung und Treibstoffverbrauch. Auch ein Porsche-Fahrer verlangt nicht weniger als das technisch Machbare bei der Rollwiderstandsoptimierung der Reifen. Auch ein Porsche-Fahrer hat das Bedürfnis, den Winterreifen mehr als nur eine Saison zu nutzen. Die Michelin-Philosophie, Optimierungen bei einzelnen Leistungsbausteinen niemals zu Lasten anderer Kriterien zu erzielen, passt da ideal.

Übrigens: Michelin ist seit 2005 bevorzugter Entwicklungspartner von Porsche und bereits in der Konzeptphase für ein neues Automodell oder eine neue Modellgeneration involviert. So haben Michelin und Porsche allein beim neuen 911er 50 gemeinsame Testtage verbracht und 500.000 Kilometer zurückgelegt, bis der gewünschte 20-Zoll-Winterreifen gefunden war.

Der TÜV Süd hat geprüft

Michelin bezieht sich beim Leistungsstand von Pilot Alpin PA4 und Latitude Alpin LA2 auf das Prüfinstitut TÜV Süd Automotive (Deutschland), das die Performance der beiden Novizen 2011/2012 jeweils in der Reifengröße 235/65 R17 108H im Auftrage des Unternehmens gemessen hat im Vergleich mit im zweiten Halbjahr 2011 im Handel erworbenen Reifen der Premiumsegmentwettbewerber Bridgestone, Continental, Goodyear und Pirelli auf nasser, verschneiter und eisglatter Fahrbahn.

Gemäß dieser Tests verkürze sich der Bremsweg des Pilot Alpin PA4 auf nasser Fahrbahn um wertvolle Meter, der Reifen biete hervorragenden Grip in verschneiten Kurven und ausgezeichnetes Fahrverhalten bei Nässe sowie sehr guten Kraftschluss bei Schnee und Eis. Der Latitude Alpin LA2 verkürze den Bremsweg auf verschneiter Fahrbahn um zwei und auf eisglatter Fahrbahn um vier Meter, biete ebenfalls hervorragenden Grip in verschneiten Kurven und auf eisglatter Straße sowie einen ausgezeichneten Kraftschluss auf Schnee und Eis.

Aus drei Technologiefeatures eines gemacht

Für den neuen Pilot Alpin PA4 und den neuen Latitude Alpin LA2 haben die Michelin-Forschungsteams eine Kombination aus drei Technologien entwickelt: Sie betreffen jeweils das Profildesign der Lauffläche („Maxi Edge“), die Lamellengestaltung („StabiliGrip“) und die Gummimischung („Helio Compound 3G“). Diese drei Technologien werden in der sogenannten „Ridge Flex“-Technologie zusammengefasst und miteinander kombiniert.

Die „Maxi Edge“-Lauffläche dient den Leistungen bei der Traktion und beim Bremsen auf Schnee und Eis. Sie zeichnet sich durch eine deutlich höhere Anzahl an Profilkanten und Lamellen gegenüber den Vorgängerreifen Pilot Alpin PA3 bzw. Latitude Alpin aus. So nennt der Hersteller 74 Prozent mehr Profilkanten beim Pilot Alpin PA4 und 40 Prozent mehr beim Latitude Alpin LA2 sowie ein Plus von 135 Prozent Lamellen beim Pilot Alpin PA4 von 75 Prozent beim Latitude Alpin LA2. Die so deutlich gesteigerte Anzahl von Profilkanten und Lamellen hat dennoch eine Limitierung in der Entwicklung erfahren, weiß man doch, dass ein „Zuviel“ zu ungewünschter Flexibilität in der Lauffläche führen würde mit einem daraus resultierenden schwammigen Fahrverhalten.

Die dreidimensionalen „StabiliGrip“-Lamellen sind bis zum Profilgrund in unterschiedlichen Winkeln angeordnet und ermöglichen mehr Profilkanten für mehr Traktion, ein verbessertes Durchbrechen des Wasserfilms für besseren Kontakt zur Fahrbahn sowie erhöhte Steifigkeit der Profilblöcke. Dadurch verbessern sich Haftung und Lenkpräzision.

Die Gummimischung der dritten Generation (daher 3G) „Helio Compound“ ist eine von Michelin patentierte neue Rezeptur auf der Basis von Silica und Sonnenblumenöl. Diese Mischung trage, heißt es, zu verbesserter Haftung bei geringen Temperaturen, Nässe, Schnee und Eis bei.

Die Technologie „Ridge Flex“ bietet nun die Verbindung der drei Elemente: Erstens eine Lauffläche mit einer hohen Anzahl an Profilrillen („Maxi Edge“) für mehr Haftung auf winterlicher Fahrbahn. Zweitens in unterschiedlichen Winkeln angeordnete Lamellen („StabiliGrip“-Lamellen), die mehr Steifigkeit und daher verbesserte Lenkpräzision bieten. Und drittens eine flexible Gummimischung für verbesserte Haftung auf nassen und vereisten Straßen, die selbst bei niedrigen Temperaturen geschmeidig bleibt („Helio Compound 3G“). detlef.vogt@reifenpresse.de

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