Fragen und Antworten zum EU-Reifenlabel

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Was ist das EU-Reifenlabel?

Ab November 2012 müssen alle in der Europäischen Union angebotenen Reifen nach einem einheitlichen System gekennzeichnet sein. Das EU-Parlament verabschiedete Ende 2009 das standardisierte Label, das Endkunden, Flottenbetreibern und Reifenhändlern künftig wichtige Informationen zu drei zentralen Eigenschaften eines Reifens bietet:
– Rollwiderstand
– Haftung auf nasser Fahrbahn
– Außengeräusch beim Abrollen
Die Herangehensweise des Labels ähnelt den bereits existierenden Energieeffizienz-Labels für sogenannte ‚weiße Ware’ wie Kühlschränke oder Waschmaschinen. Das Reifenlabel jedoch liefert zusätzlich Informationen über die Sicherheitsaspekte des Produkts. In 2016 sollen die Maßgaben des Reifenlabels überarbeitet werden.

Was ist das Ziel des Reifenlabels?

Das Ziel des neuen europäischen Reifenlabels ist es, sowohl die Sicherheit als auch die ökonomische und ökologische Effizienz der individuellen Mobilität und des Transportwesens zu erhöhen, indem die Verwendung von kraftstoffeffizienteren und sichereren Reifen mit geringerer Lärmentwicklung unterstützt wird. Das Reifenlabel soll Verbrauchern beim Reifenkauf helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Was ist so wichtig an den drei gewählten Indikatoren?

Der Rollwiderstand beeinflusst den Spritverbrauch eines Fahrzeugs und hat damit einen direkten Einfluss auf die Umwelt. Die Nasshaftung ist ein entscheidender Sicherheitsaspekts und gibt Informationen über die Bremsleistung eines Reifens auf nasser Fahrbahn. Das Reifen-Außengeräusch wirkt sich ebenfalls auf die Umwelt aus. Die Laufleistung wiederum wird nicht abgebildet; sie ist zunächst ein ökonomischer Unterscheidungsfaktor.

Was bedeutet das Regenwolken-Symbol?

Dieses Symbol kennzeichnet die Haftung eines Reifens auf nasser Fahrbahn. Dieser ist ein Schlüsselfaktor, wenn es um die sicherheitsrelevante Leistungsfähigkeit eines Reifens geht. Die Auswirkungen der Nasshaftung auf die Verkehrssicherheit sind enorm, denn Reifen mit exzellenter Nasshaftung verkürzen den Bremsweg deutlich, Tests zufolge um bis zu 18 Metern zwischen einem A- und einem G-klassifizierten Reifen; die Kategorie D bleibt für Pkw-Reifen frei, für LLkw- und Lkw-Reifen ist diese Entscheidung noch nicht gefallen.

Was bedeutet das Zapfsäulen-Symbol?

Das Zapfsäulensymbol steht für den Rollwiderstand eines Reifens. Je niedriger er ist, desto weniger Energie bzw. Benzin wird vergeudet für die Überwindung des Rollwiderstands. Dieser Indikator informiert die Verbraucher folglich sowohl über die Energieeffizienz eines Reifens als auch über seine Umweltverträglichkeit in Form von niedrigeren CO2-Emissionen. Die durch einen Reifen erzielbaren Benzineinsparungen werden mit den gleichen Einstufungen benotet wie seine Sicherheitsleistungen (A bis G). Doch in diesem Fall wird die Einstufung noch durch ein Farbpiktogramm verdeutlicht, dies entspricht dem in der ganzen EU verwendeten standardisierten Piktogramm für Energieeffizienz. Auch hier stellt A die Bestnote dar; die Kategorie D bleibt frei für Pkw- und LLkw-Reifen.

Was bedeutet das Lautsprechersymbol?

Das Lautsprechersymbol steht für die Geräuschentwicklung, die ein Reifen erzeugt, wenn er auf der Fahrbahnoberfläche abrollt. Diese Geräuschemission wird in der Messgröße Dezibel ausgedrückt und von ein, zwei oder drei Schallwellen begleitet. Eine schwarze Schallwelle steht für die geringste Geräuschentwicklung während drei Schallwellen die schwächste Leistung in diesem Bereich markieren. Drei Schallwellen bedeuten gleichzeitig, dass der so gekennzeichnete Reifen lauter abrollt als das neue, herabgesetzte Limit es zulässt, das im November 2012 eingeführt wird.


Ein Reifen, dessen Geräuschemissionen an der oberen Grenze des ab dem kommenden Jahr geltenden EU-Reifenlabels ist, wird vom menschlichen Ohr als vier mal lauter wahrgenommen als eine Reifen an der unteren Grenze

Sagt das EU-Reifenlabel alles, was Endverbraucher wissen müssen?

Die drei Kriterien des EU-Reifenlabels stellen eine gute Ausgangsbasis dar und sind äußerst wichtige Faktoren für die Sicherheit und Umweltverträglichkeit von Reifen. Dennoch gibt es verschiedene weitere Faktoren, die bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit eines Reifens berücksichtigt werden sollten. Während der Entwicklung eines Reifens analysieren etwa Hersteller wie Goodyear Dunlop mehr als 50 Kriterien – beispielsweise sein Handling auf nasser und trockener Fahrbahn, seinen Bremsweg auf trockener Fahrbahn oder sein Aquaplaning-Verhalten – wichtige Sicherheitsaspekte, die vom neuen EU-Reifenlabel nicht berücksichtigt werden.

Was hat ein Kunde vom EU-Reifenlabel?

Das standardisierte Reifenlabel wird Verbrauchern, Flottenbetreibern und Reifenhändlern objektive, verlässliche und vergleichbare Informationen über drei wichtigen Leistungseigenschaften von Reifen geben. Das neue Label hilft den Kunden dabei, ihre Kaufentscheidung auf Basis besserer Informationen zu treffen, da es Informationen zu sicherheits- und umweltrelevanten Faktoren bietet.

Worin liegt der Nutzen für die EU und ihre Mitgliedsstaaten?

Das Reifenlabel soll nicht nur die Sicherheit und Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge auf Europas Straßen verbessern. Es soll auch ein Beitrag zur Erreichung der EU-Ziele sein, bis 2020 die Energieeffizienz um 20 Prozent zu erhöhen und den CO2-Ausstoß um 20 Prozent zu reduzieren.

Wann werden die Reifenhersteller das Reifenlabel einführen?

Entsprechend der EU-Verordnung müssen die Informationen über Rollwiderstand, Nasshaftung und Geräuschemission bis spätestens 1. November 2012 für alle Reifen vorliegen, die nach dem 1. Juli 2012 produziert wurden. Die Reifenhersteller können das Label jedoch schon vor der verbindlichen Einführung nutzen. Die Nasshaftungsanforderungen für Leichttransporter und Trucks jedoch sind in der aktuellen Verordnung noch nicht definiert, da es zum Zeitpunkt ihrer Erstellung noch keine geeignete Testmethode gab. Es wird jedoch erwartet, dass diese Testmethoden in den überarbeiteten Regularien beschrieben sind, die Ende 2011 veröffentlicht werden. Diese neue Regelung wird auch definieren, wann genau vor November 2012 die Reifenhersteller die neue Verordnung bereits umsetzen dürfen. Erst von diesem Zeitpunkt an wird es Herstellern erlaubt sein, die Reifenlabeleinstufung ihrer Produkte zu kommunizieren.

Wie wird sich die neue EU-Reifenkennzeichnung auf den Schweizer Reifenmarkt auswirken?

Das Schweizer Bundesamt für Energie empfiehlt dem Schweizer Reifenhandel: „Um es bei den Reifenkäufer möglichst rasch bekannt zu machen, will der Bund die Reifenlieferanten und -händler ermutigen, ihre Produkte ebenfalls mit dem neuen Label zu kennzeichnen.“ Reifen von Goodyear Dunlop etwa werden auch bei Auslieferung in die Schweiz mit dem Etikett versehen sein.

Welche Reifen müssen mit dem EU-Reifenlabel gekennzeichnet werden?

Von der neuen Verordnung betroffen sind Reifen der Kategorien C1 (Pkw), C2 (Leichttransporter) und C3 (Lkw). Ausgeschlossen von der Regelung sind:
– runderneuerte Reifen
– professionelle Off-Road-Reifen
– Rennreifen
– Spikes (auch Reifen ohne Spikes, die zur Umrüstung vorgesehen sind)
– Notradreifen
– Old- und Youngtimerreifen (für Fahrzeugen mit Erstzulassungsdatum vor 1. Oktober1990
– Reifen für Höchstgeschwindigkeiten unter 80 km/h
– Reifen, deren Innendurchmesser kleiner als 254 mm oder größer als 635 mm ist
– Motorradreifen ab

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