Überraschende Ergebnisse bei britischem Reifentest

Die britische Automobilzeitschrift „Autoexpress“ hat zehn Reifentypen der populären Größe 225/45 R17 mit den Speedindices W und Y sowie teilweise XL-markiert auf dem Bridgestone-Testgelände bei Rom getestet und dabei einen Golf GTI als Testwagen genutzt. Die Reifen wurden von den Herstellern zur Verfügung gestellt, zum Abgleich aber auch selbstgekaufte Reifensätze beim Testkriterium Nassbremsen herangezogen. Die Ergebnisse überraschen teilweise: Sieger wird Goodyear. Schlusslicht ist Hankook.

Hierzulande ist Hankook in den letzten Jahren von Testerfolgen geradezu verwöhnt worden, bei „Autoexpress“ fällt der Ventus S1 Evo durch: In der Disziplin Aquaplaning (quer wie längs) ist der Koreaner Tabellenletzter, enttäuscht aber auch sowohl im Nassen wie im Trockenen beim Bremsen und Handling. In einer Disziplin glänzt der Reifen allerdings: Er ist Primus beim Rollwiderstand. Das führt zu dem Urteil der Tester: Hankook müsse an einer besseren Balance zwischen Treibstoffverbrauch und Grip arbeiten.

Nasshandling und -bremsen behagen auch dem Vorletzten Apollo Aspire 4 gar nicht, auch beim (im Fahrzeug gemessenen) Geräusch patzt der indische Newcomer. Dafür glänzt der Reifen in den Kurven bei Nässe, sodass die Tester gnädig urteilen: Der Apollo-Reifen liege zwar ziemlich hinten im Ranking, sei aber doch weit davon entfernt, sich zu blamieren. Außerdem war der Aspire 4 beim Testeinkauf der preiswerteste Reifen gewesen.

Mit Platz 8 kann sich der renommierte Bridgestone Potenza S001 auch nicht mit Ruhm bekleckern – und das bei einem Heimspiel auf dem eigenen Testgelände. Beim vor allem für die Erstausrüstung so wichtigen Kriterium Rollwiderstand trägt der Reifen gar die rote Laterne, beim Kurvenaquaplaning kann er ebenfalls nicht mithalten. Dafür glänzt er im Trockenen, vor allem beim Handling, aber auch beim Bremsen. Das Verdikt der Tester daher: Die glänzende Trockenleistung wird langfristig teuer bezahlt.

Dunlops Sport Maxx TT kann zwar in keiner Disziplin den Siegerlorbeer erringen, findet sich aber auch nirgends als Letzter wieder. Überdurchschnittlich ist das Bremsvermögen, unterdurchschnittlich ist der Sport Maxx TT beim Kurvenaquaplaning, enttäuschend sein Rollwiderstand. Insgesamt schlage sich der Reifen achtbar, meint „Autoexpress“.

Dass Contis SportContact 3 – ansonsten gerne Testsieger – unter zehn Probanden nur Platz 6 belegt, wird dem Erstausrüstungskrösus nicht gefallen. Nässe mag der Reifen gar nicht, erst recht nicht in Kurven. Zwei erste Plätze gibt’s beim Kabinengeräusch und beim Trockenbremsen, zum Silberrang reicht es beim Trockenhandling. Ergo: Im Trockenen hui, im Nassen pfui.

Die erste Hälfte des Kandidatenfeldes läutet Nokians Z G2 ein. Der Winterspezialist, als der er auch von den britischen Testern gesehen wird, rückt den Premiummarken auch im Sommer bereits ziemlich nahe. Beim Trockenhandling patzt der Finne, beim Innengeräusch wird der Reifen zweiter Sieger. Das Urteil: Der Fokus des Herstellers mag auf die kalte Jahreszeit gerichtet sein, die Marke ist aber durchaus etwas fürs ganze Jahr.

Fast gleichauf rangieren Pirellis P Zero und Vredesteins Ultrac Zero. Die beiden Reifen liegen offensichtlich so dicht beieinander, dass sich die Tester nicht sicher sind, wem sie die Bronzemedaille verleihen und wem den undankbaren vierten Rang zuweisen sollten. Bei feuchter Witterung sei der Pirelli-Reifen nur schwer zu schlagen, meint die britische Zeitung, sodass der Wettbewerber aus den Niederlanden sich in dieser Disziplin auf Platz 2 einreiht. Zwar ist der Vredestein-Reifen auch im Trockenen schlechter als der Pirelli, der verspielt aber ein besseres Resultat durch enttäuschenden Rollwiderstand.

Mit dem Prädikat „empfehlenswert“ kommt Michelins Pilot Sport 3 auf den zweiten Platz. Die Tester attestieren einen Wandel bei der gewohnten Prioritätenliste der Franzosen, die plötzlich die Disziplin Rollwiderstand nicht mehr dominieren, dafür aber im Nassen Plätze gut machen und bei Aquaplaning sogar ganz vorne sind. Anerkannt wird der Wandel zum „Allrounder“, beim Kabinengeräusch und Trockenbremsen ist der Pilot Sport 3 dennoch Schlusslicht.

Derartige Patzer leistet sich der Testsieger Goodyear Eagle F1 Asymmetric 2 nicht: Er gewinnt keine Disziplin, kommt aber auch nirgendwo auf einem hinteren Rang ins Ziel, ist also – wie das Urteil lautet – „eine exzellente Wahl für alle erdenklichen Bedingungen“. Der Reifen ist ein „beeindruckender Allrounder“. detlef.vogt@reifenpresse.de

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