Toyo und die Naturkatastrophe in Japan

Das schwere Erdbeben vom 11. März 2011 und der verheerende anschließende Tsunami haben Japan erschüttert. Die Folgen der Katastrophe am Atomkraftwerk Fukushima belasten die Menschen und die Wirtschaft des Landes bis heute. Auch die Toyo Tire & Rubber Co., Ltd. (Osaka/Japan) war und ist in Mitleidenschaft gezogen, bestätigt Tamotsu Sakuramoto, Präsident der Toyo Tire Europe GmbH (TTE/Willich am Niederrhein), für die Reifensparte des Konzerns.

Auch in der Toyo-Belegschaft gab es Menschenleben zu beklagen: Vier Mitarbeiter sind in ihren Privathäusern von dem Unglück überrascht worden und mussten ihr Leben lassen. Das Reifenwerk Sendai indes musste kaum direkte Schäden verzeichnen. Noch in Erinnerung sind vielen Zuschauern die Fernsehbilder von der Überflutung des Flughafens Sendai und die spontanen Befürchtungen bei Nennung des Städtenamens bei all denen, die wissen, dass Toyo im Werk Sendai Pkw- und Lkw-Reifen herstellt – auch für den deutschen Markt.

Doch Gebäude und Equipment sind glimpflich davongekommen, denn die Reifenfabrik ist zwar mit dem Namen der nächstgrößeren Stadt Sendai verbunden, liegt genaugenommen aber in „Iwanuma City“, etwa zehn Kilometer vom eigentlichen Katastrophengebiet entfernt. Die Aufschüttung einer Küstenstraße verhinderte, dass die vom Tsunami ins Land gepressten Wassermassen das Reifenwerk erreichten. Das Erdbeben war zwar in der Reifenfabrik deutlich zu spüren, nach Checken des Equipments aber war schnell klar, dass die Beschädigungen nur marginal waren.

Dennoch wurde die Reifenproduktion unterbrochen und konnte erst nach etwa zwei Wochen wieder angefahren werden. Dafür waren im Wesentlichen Zerstörungen der Infrastruktur verantwortlich: Straßen und Hafenanlagen konnten nicht für die Zulieferung von Rohmaterialien genutzt werden bzw. für den Abtransport gefertigter Reifen. Auch hatte es kleinere Zulieferer des Reifenwerkes Sendai ungleich schwerer getroffen, für die spontan kein Ersatz parat stehen konnte. Vor allem aber war und ist die Versorgung des Reifenwerkes mit Elektrizität beeinträchtigt. Der Ausfall von Fukushima ist dabei nicht alleinverantwortlich, auch andere Reaktoren sind bis heute abgeschaltet.

Die japanischen Unternehmen kooperieren in beeindruckender Solidarität und versuchen, so schnell wie möglich zur Normalität zurückzukehren. Weil für die Fabriken in der Region nicht ausreichend Elektrizität zur Verfügung steht, haben sich die in die Wertschöpfungskette eingebundenen Unternehmen arrangiert und lassen die Produktion alternierend ruhen. Das gilt für das nahegelegene Automobilwerk ebenso wie für einen Zulieferer wie Toyo. Dass anstatt an sieben derzeit nur an fünf Tagen die Woche Reifen produziert werden, liegt an der nicht ausreichend zur Verfügung stehenden Elektrizität. Fieberhaft wird daran gearbeitet, zum Status quo von vor dem 11. März zurückzukehren.

Hiesige Kunden und Verbraucher treibt die Sorge um, Waren aus Japan – also auch Reifen – könnten radioaktiv belastet sein. Die Toyo-Reifen, die in den Wochen direkt nach der Katastrophe ausgeliefert worden sind, kommen dabei schon mal gar nicht infrage, weil sie vor dem atomaren GAU produziert und auf die mehrwöchige Schiffsreise nach Europa gebracht worden waren. Heute wird erst im Reifenwerk – das weit genug von Fukushima entfernt liegt, um selbst verseucht zu sein – penibel darauf geachtet, dass die Materialien der Zulieferer unbelastet sind. Als Zweites werden in den Häfen sämtliche Reifen gecheckt, ob sie nicht doch auf irgendeine Art und Weise mit Radioaktivität in Berührung gekommen sind. Und noch bevor sie in ihren Bestimmungshäfen entladen werden, erfolgt schon an Bord durch die Behörden der meisten Länder und Deutschlands in besonderem Maße die dritte Überprüfung. Der Technische Direktor TTE Wilhelm Höppner bricht darüber hinaus eine Lanze für den deutschen Logistikpartner Fiege, der – ohne dazu verpflichtet zu sein – in Geigerzähler investiert hat und aufwendig ein viertes Mal jeden einzelnen Toyo-Reifen auf eine eventuelle radioaktive Belastung hin inspiziert. detlef.vogt@reifenpresse.de

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