Auch in Südafrika drohen China-Importen hohe Strafzölle

Dass chinesische Reifen im Ausland in der Regel zu niedrigeren Preisen angeboten werden als Produkte westlicher Hersteller, ist allseits bekannt. Und dass diese im Wettbewerb stehenden Hersteller am liebsten jedweden Import aus China – offenbar das klassische Feindbild hiesiger Hersteller – unterbinden möchten, ist ebenfalls klar, auch wenn viele von ihnen den Wettbewerb auf der qualitativer Ebene sicher nicht zu scheuen bräuchten. Deutliche Zeichen in Richtung China gesetzt haben zuletzt die Vereinigten Staaten, wo seit knapp zwei Jahren hohe Strafzölle für Pkw-Reifen aus chinesischer Produktion erhoben werden. Auch die Türkei oder Brasilien lassen China-Reifen nicht ohne einen Extraaufschlag ins Land, während in Indien intensiv über die Einführung möglicher fiskaler Handelsbarrieren zum Schutz der heimischen Reifenhersteller diskutiert wird. Wenn vermeintlich hochentwickelte Erste-Welt-Märkte auch mitunter die qualitativen Mindestanforderungen für Reifen anheben, wie dies in Europa etwa durch die REACH-Verordnung oder das kommende Reifenlabel geschieht, und dadurch eben nicht nur die Sicherheits- und Umweltstandards anheben, sondern auch Wettbewerbsschranken aufbauen, scheint dies auf anderen unter China-Importen ‚leidenden’ Märkten nicht als das probate Mittel anerkannt zu werden. Ein Beispiel ist etwa Südafrika. Dort versuchen die vier lokalen Reifenhersteller derzeit vor dem höchsten Gericht des Landes einen „Anti-Dumping-Zoll“ gegen Reifenimporte aus China zu erwirken. Eine Entscheidung steht unmittelbar bevor.

Der südafrikanische Reifenmarkt zählt zu den aufstrebenden Reifenmärkten dieser Welt und das Land zählt sich selber gerne zu den Schwellenländern. In den Fabriken der vier Reifenhersteller Bridgestone, Goodyear, Continental und Apollo Tyres (vormals Dunlop Tyres International) sind heute über 6.000 Menschen beschäftigt. Der Ersatzmarkt für Pkw-Reifen umfasst heute jährlich rund sieben Millionen Reifen bei einem Pkw-Bestand von etwa 6,3 Millionen Fahrzeugen. Auch in der lokalen Erstausrüstung werden Reifen nachgefragt. Jährlich werden indes nur zwischen 150.000 und 300.000 Pkws in Südafrika selbst gefertigt – der Markt ist folglich auf rund eine Million Reifen begrenzt; über zwei Drittel aller Neuzulassungen sind eh importierte Autos, die natürlich inklusive Reifen ins Land kommen. Im vergangenen Jahr nun wurden rund 3,9 Millionen Reifen von Südafrika importiert, wobei China als Herkunftsland mit 1,7 Millionen Reifen und einem Anteil am Gesamtimport von 44 Prozent und am Gesamtersatzmarkt von 25 Prozent mit Abstand größter Handelspartner der Südafrikaner ist. Vor etlichen Jahren, in 2003, wurden noch 1,6 Millionen Reifen importiert, von denen lediglich 35.000 (zwei Prozent des Imports) aus China stammten. Jeder fünfte importierte Reifen wird heute von den vier in Südafrika ansässigen Herstellern im Rahmen ihrer internationalen Fabrikenverbünde eingeführt.

Diese Entwicklung – verstärkt durch die Härte der südafrikanischen Währung Rand, die stark ansteigenden Löhne in der Industrie und die geringe Produktivität der Fabriken – hat natürlich die heimischen Reifenhersteller mehr als alarmiert. Kapazitäten müssten zurückgefahren werden; Tausende von Arbeitsplätzen stünden zur Dispostion. In einem Verfahren, das vom Herstellerverband South African Tyre Manufacturers Conference (SATMC) bereits 2005 angestoßen wurde, steht jetzt eine Entscheidung unmittelbar bevor. Beobachter sehen die Entscheidung des „Supreme Court of Appeal“ auch als Test der südafrikanischen Regierung, die gegenüber China stets auf weitestgehend barrierefreien Handel gesetzt hat, von der aber nun ein Zeichen zum Schutz der heimischen Industrie erwartet wird. Südafrika hatte China bereits 2004 offiziell als „Marktwirtschaft“ anerkannt.

Laut Herstellerverband SATMC gelangen mitunter Reifen aus China nach Südafrika, die dort zu Dumpingpreisen angeboten werden. Die Rede ist sogar von „einem Zehntel“ der Produktionskosten. Während Importreifen – ohne China-Ware – in Südafrika im vergangenen Jahr zu einem Durchschnittspreis von 459 Rand (44 Euro) angeboten wurden, lag der Preis für aus China stammende Reifen bei nur 175 Rand (17 Euro); das Verhältnis lag demnach bei 2,6 zu eins. 2003 lag dieses Verhältnis bei lediglich zwei zu eins bzw. 225 zu 108 Rand. China-Reifen verteuerten sich demnach viel geringer als andere Importreifen. Die SATMC macht für das vermeintliche Dumping vor allem riesige Überkapazitäten in der chinesischen Pkw-Reifenproduktion verantwortlich. Berichten zufolge können lediglich 20 bis 30 Prozent der in China gefertigten Reifen auch in China abgesetzt werden; mehr gibt der Markt nicht her. Aber auch die zunehmenden Handelsbeschränkungen in Ländern wie den Vereinigten Staaten sollte hier nicht ohne Folge geblieben sein. arno.borchers@reifenpresse.de

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