Bei Reifen Gundlach zeichnen sich weitere Investitionen ab

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Dem deutschen Reifenhandel geht es heute gut, daran gibt es keinen Zweifel. Einen wesentlichen Anteil daran, dass die Lieferkette reibungslos, bedarfsorientiert und schnell funktioniert, und das durch die verschiedenen Ebenen des Reifenmarktes, hat der Großhandel. Gerade in den vergangenen Jahren hat der Reifengroßhandel in ganz Europa durch Investitionen in Lagerkapazitäten und EDV-gestützte Prozessoptimierungen immer mehr dafür gesorgt, dass dem Reifenhandel ein verlässlicher Partner zur Seite steht, der auch bei Klein- und Kleinstmengen gerne und markenübergreifend liefert. Ein Unternehmen, dass sich in den vergangenen Jahren in der Top-Liga der Reifengroßhändler fest etabliert hat und das heute bereits einen Umsatz in Höhe von 130 Millionen Euro verbuchan kann, ist Reifen Gundlach. Die Westerwälder feiern Ende August nicht nur das fünfjährige Jubiläum ihres neuen Logistikzentrums, eine weitere Großinvestition könnte alsbald folgen.

Als Reifen Gundlach 2006 das neue Logistikzentrum in Dürrholz/Daufenbach bezog, das auf dem sechs Hektar großen Grundstück mit 25.000 m² Platz für bis zu 700.000 Reifen und Felgen bietet, war man sich sicher, dass diese Kapazitäten ein kräftiges Unternehmenswachstum in den Folgejahren erlauben würden. Man habe diese Kapazitäten zwar noch nicht vollkommen ausgelastet, so Heiko Marmé, PR-Verantwortlicher bei Reifen Gundlach gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG. Aber vorsorglich hat sich das Unternehmen schon einmal ein angrenzendes Grundstück im Industriegebiet gesichert.

Der Erwerb des Grundstücks in Dürrholz/Daufenbach habe in diesem Jahr stattgefunden und sei insbesondere auch dadurch vorangetrieben worden, weil die Anzahl der Nachbarunternehmen in den vergangenen fünf Jahren deutlich zugenommen hat. Man habe zwar noch keine konkreten Baupläne für das zehn Hektar große Grundstück. Dennoch gibt man bei Reifen Gundlach die mögliche Investitionssumme für „den geplanten Anbau“ des Logistikzentrums mit „rund sechs Millionen Euro“ an.

Dass Reifen Gundlach diese Pläne vielleicht schon recht bald umsetzen muss, zeigt sich bei einem Rundgang durch das Logistikzentrum und durch die Komplettradmontage. Gerade das letztgenannte Geschäft habe sich in den vergangenen Jahren durchaus stattlich entwickelt, so Heiko Marmé weiter. Die Nachfrage nach dieser Dienstleistung ist – insbesondere in den Saisonspitzen – deutlich gestiegen, so dass man bei Reifen Gundlach die aktuelle Tageskapazität von 3.500 Kompletträdern als Einschränkung für weiteres Wachstum betrachtet, die man nicht mehr hinnehmen möchte. Folglich nimmt das von den Brüdern Gebhardt und Joachim Jansen geführte Unternehmen noch einmal kräftig Geld in die Hand, um die Engpässe der Hofmann-Reifenmontagestraße zu beseitigen.

Nach der aktuell stattfindenden Erweiterung der Montagestraße will Reifen Gundlach in Dürrholz/Daufenbach nur wenige Kilometer vom Unternehmenssitz in Raubach entfernt täglich bis zu 5.000 Kompletträder montieren können. Man wolle zwar weiterhin ‚nur’ ein Fertigungsmodul betreiben, aber gerade die Zuführung zur Montagestraße und die Entnahme der fertig montierten Reifen werde durch weitere Automatisierungsmaßnahmen deutlich beschleunigt und somit die Produktivität der Gesamtanlage gesteigert. Die vollautomatische Verbindung von Rad und Reifen bis zu einem Durchmesser von 22 Zoll dauert in der Hofmann-Anlage übrigens nur 18 Sekunden, erzählt Heiko Marmé nicht ohne Stolz. Nach vollzogener Erweiterung bzw. Modernisierung der vor- und nachgelagerten Arbeitsschritte könne die vollautomatische Montagestraße dieses Maximum dann auch erreichen; Umrüstzeiten fallen quasi nicht an.

Dass sich entsprechende Investitionen rechnen, darf man annehmen, auch wenn das Komplettradgeschäft nicht von allen Marktbeobachtern als Wachstumsmarkt eingeschätzt wird. Reifen Gundlach jedenfalls kann seinen Kunden eine Dienstleistung anbieten, die gerade in Saisonspitzen den einen oder anderen Reifenhändler entlastet. Dies könnte gerade der Struktur der Gundlach-Kunden entsprechen, die wohl überwiegend aus kleinen und mittelständischen Handelsbetrieben, Autohäusern und Kfz-Werkstätten besteht, darunter aktuell 120 Com4Tires-Partner mit 124 Niederlassungen. Gerade für die Kundschaft außerhalb des eigentlichen Reifenfachhandels ist die Komplettradmontage, wie Reifen Gundlach sie anbietet, eine willkommene Dienstleistung. Viele dieser Kunden treiben andere Interessen um, als dass sie sich ernsthaft mit dem Thema Reifenmontage beschäftigen möchten, ist man beim Großhändler im Westerwald überzeugt.

Während sich also das Komplettradgeschäft bei Reifen Gundlach ständig weiterentwickelt, bleibt auch das Großhandelsgeschäft mit Reifen nicht stehen. Seit jeher wird die Rolle des Unternehmens am Markt durch eine seiner Eklusivmarken bestimmt: GT Radial. Für das laufende Jahr gehen die Verantwortlichen bei Gundlach davon aus, dass rund 900.000 Pkw-Reifen der Marke GT Radial in Deutschland verkauft werden können; im vergangenen Jahr waren dies 800.000 Stück. Auch wenn die Lkw-Reifen der Marke mittlerweile über die Giti Tire Deutschland GmbH (Bonn) vertrieben werden, läuft die Logistik der schweren Reifen aus Fernost immer noch über das Logistikzentrum in Dürrholz/Daufenbach. Im klassischen Großhandelsgeschäft vertreibt Reifen Gundlach kaum noch Lkw-Reifen, sondern verfolgt eine klare Ausrichtung auf Pkw-Reifen. In diesem Zusammenhang sei auch das zunehmende Geschäft mit 4×4-Reifen erwähnt.

Bei Reifen Gundlach wehrt man sich indes gegen die Qualifizierung als „GT-Radial-Reifengroßhändler“. Auch wenn die Absatzzahlen mit GT-Radial-Reifen vor dem Hintergrund des Gundlach-Gesamtumsatzes in Höhe von 130 Millionen Euro (2010; 2009: 106 Millionen Euro) einen beträchtlichen Umsatzanteil der Marke GT Radial vermuten lassen, liefert das Westerwälder Unternehmen doch zahlreichen Marken mehr, angefangen bei Premiumprodukten bis hinunter ins Budgetsegment.

Dabei läuft gerade ein Pilotprojekt mit einer Marke, die das Sortiment abrunden soll. Wie Heiko Marmé schildert, hat die Gundlach-Muttergesellschaft Itochu Corp. aus Japan – hat zum 1. Juli dieses Jahres Kwik-Fit in Großbritannien mit 670 Outlets übernommen – jetzt die Marke „Capitol“ über den Westerwälder Großhändler in Deutschland eingeführt. Der PR-Verantwortliche bezeichnete die Marke, die Itochu in China im Rahmen eines Offtake-Agreements produzieren lässt, zwar noch als „zartes Pflänzlein“, dennoch seien alle verfügbaren Reifen schnell in Deutschland abverkauft worden – die ‚Pflanze’ scheint demnach zu gedeihen. Für die laufende Saison verfügbar sind zwei Sommerprofile; den aktuellen Planungen zufolge wird es für die kommende Saison noch keine Capitol-Winterreifen geben. „Die Marke Capitol soll langfristig etabliert werden“, so Heiko Marmé im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG. Folglich werden die Reifen auch zum kommenden Sommer wieder angeboten. Die starke Exklusivmarke GT Radial, die man bei Reifen Gundlach am oberen Ende des Budgetsegmentes vorortet, werde zentrales Produkt in diesem Segment bleiben; Capitol soll unterhalb von GT Radial platziert werden.

Bei Reifen Gundlach ist aber auch bei anderen Reifenmarken ständig etwas in Bewegung. Hatte man bisher auch die Marke „VSP“ im Sortiment, die in Indonesien bei Multistrada gefertigt wird, soll diese jetzt aus dem Sortiment genommen werden. Weiterhin von Multistrada im Sortiment bleibt indes die Reifenmarke „Achilles“. Aber auch ‚Fremdmarken’ gehen – wie die GT-Radial-Lkw-Reifen – mitunter durch das Gundlach-Logistikzentrum. So bietet der Reifengroßhändler etwa auch seine Logistikkompetenz für die Großhandelskollegen von Omni United an. Das Unternehmen mit Sitz in Singapur führt derzeit „Performance-Reifen“ der Marke „Radar“ in Europa ein. In Deutschland werden die Reifen derzeit exklusiv über point-S-Gesellschafter vertrieben; Vertreter von Omni United hatten kürzlich sogar einen Stand auf der Industriemesse zur Jahreshauptversammlung der Kooperation in Fulda. Die Reifen werden in verschiedenen Fabriken in China gefertigt, erläuterte Omni-United-Präsident G.S. Sareen bei der Gelegenheit gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG. Es gibt zwei Sommer-, ein Winter- sowie ein LLkw-Reifenprofil im Sortiment, das bis 20 Zoll reicht. arno.borchers@reifenpresse.de

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