Shell-Feldversuch in Sachen kostenpflichtiger Reifenluft

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Schon vor gut einem Jahr hatten einige Tankstellen für Schlagzeilen gesorgt, weil sie für das Befüllen von Reifen mit Luft Geld verlangen. Jetzt kocht dieses Thema erneut hoch und hat es dabei unter anderem sogar bis in die bundesweit ausgestrahlte Hauptnachrichtensendung bei RTL geschafft. Denn wie entsprechenden Medienberichten zu entnehmen ist, will der Mineralölkonzern Shell an ausgewählten Stationen nahe der niederländischen Grenze die Bereitschaft deutscher Verbraucher testen, für die Luft in ihren Reifen zu zahlen. Nachdem bereits der sogenannte „Tankwartservice“ des Unternehmens in diese Richtung zielt, soll der neue Feldversuch demnach ein halbes Jahr dauern. Bei positiver Resonanz werde überlegt, möglicherweise großflächig Geräte einzuführen, die erst nach Einwurf von einem Euro fünf Minuten lang Druckluft bereitstellen. Bislang sind die Reaktionen auf ein derartiges Vorhaben aber offenbar eher ablehnender Natur. Vonseiten der Autofahrer verständlicherweise sowieso, jedoch haben auch in der Vergangenheit schon Verbände wie etwa der Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD) Kritik an solchen Plänen geübt. Angesichts eines etwaig kostenpflichtigen Luftdruckservices wird nämlich befürchtet, so mancher Verbraucher werde die Reifendruckkontrolle noch seltener oder sogar überhaupt nicht mehr vornehmen. So etwas würde negative Folgen für die Verkehrssicherheit bzw. aufgrund des mit Minderdruck verbundenen höheren Treibstoffverbrauches auch für die Umwelt mit sich bringen, wird in diesem Zusammenhang meist argumentiert.

Die Befürworter des Prinzips „Reifenluft nur gegen Bares“ führen demgegenüber die Kosten unter anderem für die Wartung, Eichung oder beispielsweise nach einem Diebstahl nötigen Ersatz von Luftdruckgeräten an den Zapfsäulen zu Felde, die über den vom Autofahrer für dieses Serviceangebot zu entrichtenden Obolus offenbar zumindest teilweise abgefedert werden sollen. So ganz überzeugt von dem Konzept scheint man aber selbst bei Shell nicht zu sein. Schließlich werden in entsprechenden Medienberichten Aussagen eines Sprechers des Mineralölkonzerns wiedergegeben, wonach Kunden an den betreffenden Testtankstellen auf Nachfrage auch ein kostenloses tragbares Luftdruckgerät bzw. eine kostenlose Wertmarke zum Einwurf in die neuen Geräte zur Verfügung gestellt wird. Insofern hat das Ganze ein bisschen was von den von der Politik her bekannten Sommerlochdebatten: viel heiße Luft um ein letztendlich laues Windchen. In verschiedenen Zeitungsmeldungen ist unter Berufung auf Daten des Bundesverbandes Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche Deutschland e.V. (BTG) jedenfalls die Rede davon, dass bis dato lediglich rund 200 der bundesweit knapp 15.000 Tankstellen Reifenluft gegen Bezahlung anbieten. Und andere Mineralölkonzerne wie Aral oder Esso planen laut RTL Aktuell Online derzeit nicht, dem Konkurrenten Shell in dieser Angelegenheit nachzueifern. cm

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