GDHS: Einmalige Expertise bei Handelssystemen

Die großen Reifenhersteller haben so ihre Erfahrungen mit eigenen Reifenhandelsketten. Früher eher zweischneidige, bildeten sie doch einerseits einen sicheren Absatzkanal ihrer Produkte, andererseits bewegten sie sich nicht selten unterhalb der Gewinnschwelle. Das mag sich gebessert haben, aber bis heute hat keine industrieeigene Handelskette jemals mit satten Margen prahlen können. Sukzessive setzt sich in der deutschen Reifenbranche die Erkenntnis durch, dass die Sicherung eines Absatzkanales für einen Hersteller allemal Priorität hat vor dem Eigentum an einem Handelsgeschäft.

Auch die Goodyear Dunlop Handelssysteme (GDHS) bzw. ihre Vorgängerorganisationen haben ihre Erfahrungen mit Fachhandelsbetrieben, die Eigentum waren, bei Goodyear hießen die beispielsweise Kempen, bei Dunlop Holert Konz. Und einen gewissen „Bodensatz“ an eigenen Betrieben hat GDHS-Geschäftsführer Goran Zubanovic immer noch und sicher auch zukünftig in seinem Portfolio, dem aktuell (Stand Mitte Mai) insgesamt 959 Outlets angehören, wobei sich die eigenen Outlets in den derzeit 265 Premio-Betrieben verbergen. Wann immer es möglich ist, wird GDHS einen eigenen Premio-Betrieb an einen neuen oder bestehenden unternehmerisch denkenden Reifenhändler oder Investor weiterreichen. Wann immer es nötig ist, wird GDHS aber auch prüfen, ob ein aus welchen Gründen auch immer zur Disposition stehender Standort gesichert werden sollte.

Premio (geleitet von Jochen Clahsen) ist vor allem ein Synonym für die erfolgreiche Umsetzung der Franchise-Idee im deutschen Reifenfachhandel, nicht zuletzt deswegen erwartet die Kölner GDHS-Zentrale hier auch das größte Wachstum: 20 Betriebe sollen noch 2011 hinzustoßen. 641 Mitglieder zählt die Handelsmarketinginitiative, kurz HMI. Während Premio eher als ein Hardfranchising im Sinne eines intensiven Gebens und Nehmens zwischen der GDHS und dem Händler vor Ort zu verstehen ist, wird HMI (geleitet von Jan Matheus) als „Softfranchising“ gesehen – dass die Ansprüche deswegen nicht niedrig sind, beweist eine 2010 gestartete und in diesem Jahr intensivierte Qualitätsoffensive. Manch einer, der mehr als zuvor geben, aber auch mehr als zuvor nehmen will, dürfte folgerichtig vom HMI- zum Premio-Partner mutieren; für den Rest dieses Jahres weist der „Plan“ für die Anzahl HMI-Partner ein moderates Wachstum auf 650 aus. 1995 gestartet als „Quick Reifenmarkt“, hat sich die Idee des Discounting des Produktes Reifen dermaßen entwickelt, dass das Unternehmensziel auch Bestandteil des Namens geworden ist: Quick Reifendiscount (geleitet von Peter Wegener) zählt derzeit 53 Outlets, fünf weitere sollen bis Jahresende dazukommen. Dabei lautet die Vorgabe, Ballungsräume zu erschließen bzw. ganz konkret Standorte mit mindestens 200.000 Einwohnern zu finden.

Komplettiert wird das GDHS-Portfolio um die 4Fleet Group (geleitet von Christian Fischer), die die drei Absatzkanäle Premio, HMI und Quick unterstützt, sowie TYSYS. Ohne einen Baustein Flottengeschäft kommt heute keine Handelsorganisation mehr aus: 4Fleet hat jahrelange Erfahrung und gilt als „gut aufgestellt“; und wenn die GDHS ein „Lkw-Service-Konzept 2011“ auflegt, dann kann wohl davon ausgegangen werden, dass man sich eine gewisse „Pkw-Lastigkeit“ nicht nachsagen lassen will. Kunden der Onlineplattform TYSYS sind vor allem die freien Kfz-Werkstätten, die gerade in den Reifenmarkt einsteigen möchten, (noch) ungebundene Reifenfachhändler und ganz besonders auch Automobilhersteller. Ende März hat TYSYS seine bis dato zwei Plattformen inklusive Komplettradkonfigurator unter tysys24.de zusammengeführt.

Auch bei der Freien Reifeneinkaufsinitiative, kurz FRI, ist Weiterentwicklung zu konstatieren: Nicht zum Goodyear-Dunlop-Angebot gehörende (Reifen-)Marken und Produkte (Felgen, Tuningkomponenten etc.) werden ab dem 1. Juli auch von Quick bezogen. Geschäftsführer der FRI, die die Goodyear Dunlop Handelssysteme unterstützt, aber nicht deren Bestandteil ist, ist Helmut Peschel.

Bausteine entwickeln sich

Module werden kreiert, (weiter-)entwickelt, modifiziert, manchmal auch wieder eingestampft, wenn sie nicht hielten, was man sich von ihnen erhofft hatte. Die GDHS-Macher stehen dabei in dem Ruf, eher mutig Dinge anzupacken und auszuprobieren als solange zu diskutieren, bis von der Idee nichts mehr übrig ist.

Da ist permanent Bewegung drin, so beispielhaft bei „Reifen 112“, ein Modul, das im letzten Jahr eine Testphase durchlaufen und sich in der Herbstumrüstphase 2010 und in der Frühjahrsumrüstphase 2011 etabliert hat. Dieser Leistungsbaustein steht sämtlichen GDHS-Händlern zur Verfügung, geht er doch alle an: In der heißen Umrüstphase werden die Betriebe des erhöhten Telefonaufkommens kaum Herr, potenzielle Neukunden gehen so schon mal leicht an Wettbewerber verloren, Stammkunden werden vergrätzt usw. – Und auch der so unpersönliche Antwortbeantworter, der außerhalb der Öffnungszeiten anspringt, wird überflüssig durch den professionellen Service eines ausgelagerten Call-Centers „Reifen 112“, das rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr erreichbar ist.

Manch altbekannter Baustein wird aufpoliert: Wie wertvoll lokale PR sein kann, ist eigentlich ein alter Hut, aber die Rezepte von früher funktionieren nicht mehr, sondern müssen „up to date“ sein. Wenn man bei GDHS von „Corporate Behavior“ spricht, dann ist das nicht „alter Wein in neuen Schläuchen“, sondern ein permanenter Aufruf, um noch mehr Kundenzufriedenheit zu kämpfen. Auf „tiresoft II“ folgt „tiresoft III“, der Online-Werkstattplaner ist mit „Reifen 112“ verknüpft, die Händlerseiten quick.de oder Premio.de erleben einen Relaunch etc.

Das Erfolgsrezept von GDHS – sofern es denn eines gibt – ist Begeisterungsfähigkeit. Die Lenker der Absatzkanäle Premio, HMI und Quick sowie der weiteren GDHS-Organisationen 4Fleet und des Onlineportals TYSYS plus der Freien Reifeneinkaufsinitiative dokumentieren immer wieder überdurchschnittliches Engagement, ja Begeisterung für die Sache. Ein Ziel für 2011 will das transferieren, sodass „2011 zu einem Jahr der Kundenbegeisterung“ wird. detlef.vogt@reifenpresse.de

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