Reifendruckkontrolle von VDO

Continental hatte vor der Übernahme von Siemens VDO eigene Kompetenz in Sachen Reifendruckkontrolle aufgebaut. Mit der Akquisition der Siemens-Autozulieferersparte 2007 fiel Continental aber auch ein kleinerer Geschäftsbereich zu, der jahrelang eng mit dem Wettbewerber im Reifensegment Goodyear kooperiert hatte, um ein direkt messendes Reifendruckkontrollsystem (RDKS oder TPMS = Tire Pressure Monitoring System) zu entwickeln.

Heute ist VDO eine Eigenmarke des Continental-Konzerns, gehört zur Konzernsparte Automotive Group und darin zur Division Interior mit (im Jahre 2010) ca. 5,5 Milliarden Euro Umsatz und etwa 30.000 Mitarbeitern. Innerhalb der Division Interior sind die Nutzfahrzeug- und Handelsaktivitäten in der Business Unit Commercial Vehicles & Aftermarket zusammengefasst. Neben ATE-Bremsenverschleißteilen, Bremsenservicegeräten und -werkzeugen sowie Dieselreparaturdiensten ist VDO mit Mehrmarkendiagnosesystemen und Ersatzteilen vertreten. Von den neun VDO-Produktgruppen ist die Reifendrucküberwachung eine. Dass eher der alte VDO-Ansatz weiterentwickelt wurde – wobei wohl davon auszugehen ist, dass die vormalige Continental-Kompetenz bei TPMS nicht „verschütt ging“, sondern integriert wurde –, darf wohl unterstellt werden. Aber aufgrund der Historie aus der „Welt der Sensorik“ des großen Siemens-Verbunds erscheint es schließlich auch nachvollziehbar, dass Reifendruckkontrollsysteme aus dem Continental-Konzern an dieser Stelle „aufgehängt“ sind und den Markennamen VDO tragen.

Wie das Schaubild zeigt, ist das Thema Reifendruckkontrollsysteme bislang im Gegensatz zu Nordamerika hierzulande noch gar nicht recht angekommen. Das aber wird sich in den nächsten Jahren dramatisch ändern: Bereits 2014 wird Europa den nordamerikanischen Markt bei den Ausstattungsquoten überholen. Und das ist keine vage Schätzung, sondern konkrete Folge der EC-Richtlinie 661/2009 Artikel 9.

Danach müssen nämlich alle typgenehmigten Fahrzeugmodelle der Klasse M1 (worunter Pkw und Wohnmobile fallen) ab dem 1. November 2012 mit einem Reifendrucküberwachungssystem ausgestattet sein, ab dem 1. November 2014 sogar sämtliche Neuwagen. Ob die (teureren) direkt messenden Systeme zum Einsatz kommen oder die wesentlich preisgünstigeren indirekt messenden wird dem Gesetzgeber wohl ziemlich egal sein: Er fordert eine bestimmte Leistung ab! Da intensiv am Leistungsportfolio der indirekt messenden Systeme gearbeitet wird, sollte man sich hüten, zum heutigen Zeitpunkt diese Technologie frühzeitig abzuschreiben. Die Systeme müssen in der Lage sein, den Fahrer zuverlässig zu warnen, wenn der Druck eines Reifens um zwanzig Prozent unter den Normalwert sinkt. Und sie müssen detektieren, bei welchem der vier Reifen das der Fall ist.

Die Automobilhersteller agieren bislang keineswegs eindeutig, um auf eine Vorentscheidung für direkt und indirekt messende Systeme hinzuarbeiten. Durchaus denkbar, dass ab 2012/2014 beide Systeme nebeneinander im Markt sind von Anbietern, die beide Lösungen in ihrem Portfolio haben, und von Zulieferern, die sich auf eine Lösung spezialisieren. Ebenso denkbar, dass bei preisgünstigeren Automobilen auch das preisgünstigere Reifendruckkontrollsystem zum Einsatz kommt und bei hochwertigen Limousinen und Sportwagen das anspruchsvollere, wobei eine Integration eines TPMS in eine vorhandene technische Infrastruktur preismindernd sein kann.

Reifendruckkontrollsysteme werden zu einem großen Thema! In jedem Fall droht Vielfalt: VDO hat aktuell 13 Varianten TPMS-Sensoren im Ersatzbedarf-Portfolio. Immer wenn es um die Umrüstung von Sommer- auf Winterreifen geht oder retour ist die Werkstatt gefordert. Auch kommen mittlerweile die Modelle in die Werkstätten von Reifenhandel, Autohaus und Kfz-Betrieb, bei denen sich die Laufzeit der Batterie ihrem Ende nähert: Das dürfte durchschnittlich bei sieben Jahren sein. Und nicht zuletzt entsteht ein Ersatzbedarf nach einer mechanischen Beschädigung.

Mit den Service-Kits – definierten Komponenten, die bei jeder Reifenwartung gegen VDO-Originalserviceteile ausgetauscht werden müssen – hat sich noch kaum jemand intensiver beschäftigt. VDO hat aktuell zehn verschiedene Service-Kits im Programm bestehend aus den fünf Komponenten Überwurfmutter, Ventileinsatz, Dichtscheibe, Dichtring und Ventilkappe. detlef.vogt@reifenpresse.de

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

An Diskussionen teilnehmen
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.