Strukturen angepasst: Uniwheels mit vier Marken im Ersatzmarkt

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Mit der Übernahme der ATS-Gruppe durch Uniwheels Anfang 2008 war ein anderes Unternehmen entstanden, immerhin der drittgrößte Aluminiumräderhersteller in Europa in der Erstausrüstung und führend in den Nach- und Umrüstmärkten mit den Marken ATS, Rial, Alutec und (nach einer Umfirmierung Ende 2009) jetzt Anzio. Da sei eine organisatorische Umstrukturierung folgerichtig gewesen, sagt Simone Maier-Paselk, Leiterin Aftermarket der Uniwheels Automotive Holding GmbH. Sie selbst hatte die Marke Alutec langjährig aufgebaut, bevor sie 2009 von Fußgönheim kommend in die neue Funktion mit Standort Bad Dürkheim gewechselt war.

Darüber hinaus gab es einige andere Einflussgrößen, die eine Neuaufstellung geradezu herausforderten. So ließ sich das Komplettradgeschäftsmodell von „Wheels24“ nicht recht weiterentwickeln und erfolgte eine Umbenennung in Anzio, eine vom Unternehmen bereits vertriebene Aluminiumräderbudgetmarke. In etwa zeitgleich ging Gerhard Ackermann, der über Jahre vor allem die Marke Rial sehr erfolgreich im Ersatzmarkt platziert hatte und dort geradezu eine Instanz war, in den Ruhestand.

Der Uniwheels-Handelsbereich zählt insgesamt etwa 80 Mitarbeiter. Simone Maier-Paselk hat die Gesamtleitung, darunter angesiedelt sind die Markenverantwortlichen, einheitlich „Brand Manager“ genannt. Jüngstes Mitglied der Mannschaft ist seit dem letzten Herbst Martin Klos, der den Vertrieb von Rädern der Anzio Wheels (Poland) Sp. z o.o. mit Firmensitz in Stalowa Wola verantwortet, wo die Uniwheels-Gruppe zwei Produktionsstätten hat und Anzio gewissermaßen ein „Lager direkt ab Werk“. Während Klos aus der Reifenbranche zur Mannschaft kam, stehen die anderen drei „Brand Manager“ bereits langjährig für „ihre“ Alurädermarken: Sascha Frenger für Alutec, Peter Metzger für Rial, beide ansässig in Fußgönheim. Brand Manager für ATS ist seit den 90er Jahren Erwin Eigel (Bad Dürkheim). Die Strukturen sind geändert, die dazugehörigen Namen stehen dennoch für Kontinuität.

Uniwheels-Mehrheitsgesellschafter Ralf Schmid hatte schon in der „Zeit vor ATS“ die Philosophie verfolgt, jeder seiner Marken ein hohes Maß an Eigenständigkeit zuzugestehen und sie im Markt auch durchaus gegeneinander kämpfen zu lassen. Daran hat sich im Prinzip nichts geändert. Jede Marke mache „ihr eigenes Ding“ und verfolge einen eigenen Weg, sagt Frenger. Einen klassischen Außendienst mit einem „Bauchladen“ von vier Rädermarken gibt es nicht. Der Endverbraucher weiß ohnehin nicht, dass die vier Marken ATS, Rial, Alutec und Anzio ein gemeinsames Dach haben, wahrscheinlich weiß es nicht mal manch kleinerer Händler. Alle vier Rädergesellschaften sind rechtlich selbstständig, sie agieren im Markt völlig autonom, übrigens selbst was den Export anbelangt.

Eigenständigkeiten der Marken beinhalten selbstverständlich Differenzierungen. Die ergeben sich aus der jeweiligen Historie der Marken ebenso wie aus den persönlichen Präferenzen der Markenverantwortlichen, die „ihre Brand leben“. Diese Unterschiedlichkeiten resultieren aber auch daraus, dass die Uniwheels-Gruppe tunlichst alle Marktsegmente abdecken will.

Bei Anzio ist das Komplettradgeschäft völlig aufgegeben worden, statt dessen erfolgte eine Konzentration auf das „Kerngeschäft Aluminiumräder“ im Aftermarkt, ohne allerdings den Anspruch eines Vollsortimenters erfüllen zu wollen. Mit Anzio werden überwiegend Großkunden bedient, gerne gleich lastzugweise vom Lager Stalowa Wola aus. Im eher preisgünstigen Bereich angesiedelt, sind die Markenverantwortlichen auch großzügig, wenn ein Kunde partout sein eigenes Label draufgepappt haben möchte. Was sehr wohl verständlich wäre, denn die Designpalette ist eher untypisch für Billigmarken und beinhaltet keineswegs nur Einfachststylings, sondern greift durchaus Markttrends auf. Wenn man so will, ist Anzio mit diesen anspruchsvolleren Stylings in diesem Segment sogar ein Trendsetter.

Als designorientierte Trendsettermarke ist allerdings eher Alutec positioniert. Neben einem „Standardprogramm“ mit Klassikern stehen auch immer wieder neue Designs, wird etwas „ausprobiert“. Alutec ist auf ein jüngeres Publikum fokussiert. Man sieht die Marke bei Tuningevents, beim Driften im Grenzbereich von Motorsport und Show. Die angesprochene Klientel ist bereit, Geld für die individuelle Aufwertung des Autos auszugeben, kann sich oftmals allzu teure und technisch anspruchsvolle Aluminiumräder jedoch (noch) nicht leisten.

Sowohl Alutec als auch Rial können als „volumenorientiert“ bezeichnet werden, wobei letztere Marke so etwas wie das „Lastpferd“ im Verbund ist. Nicht zufällig dürfte Rial mit einem knapp zwei Drittel umfassenden Anteil am eigenen Absatz die stärkste Präsenz im Winterrädergeschäft haben. Das langjährig aufgebaute Markenimage ist untadelig, die Marke steht für Qualität und Zuverlässigkeit. Bei Rial fühlt sich der durchaus autoaffine, aber bereits seiner „Sturm-und-Drang-Phase“ entwachsene Verbraucher gut aufgehoben. Wenn er sich der Rennsportgeschichte Rials erinnert, um so besser, aber das ist innerhalb des Markenstraußes jetzt das Betätigungsfeld der Premiummarke ATS.

Für die hatte es in der Zeit vor Uniwheels an Kontinuität gemangelt, muss im Nachhinein kritisiert werden. Mal stand ATS für Premium, dann für Mainstream. ATS sollte beides leisten: eine exklusive Marke sein und Volumina generieren. Das geht nicht. Unter dem Dach von Uniwheels wurde ATS der Volumendruck genommen. Die Marke steht für Hightech, wird als Innovationsführer herausgehoben, ist technologieorientiert. Und wird nicht nur im Spitzenmotorsport eingesetzt, sondern der wird auch in Bezug auf Marketing und Werbung kräftig genutzt. Zwar haben auch die „Schwestermarken“ ihre Werbebudgets, aber ATS hat darüber hinaus den ersten Zugriff auf die anspruchsvollsten Technologien nicht nur aus dem Motorsport, sondern auch auf herausfordernde Projekte aus der Erstausrüstung. Die Fertigungslinie für Motorsporträder ist ebenso im sauerländischen Werk Werdohl angesiedelt wie die Flow-forming-Möglichkeiten von Uniwheels.

Schwerpunktmäßig werden ATS-Räder in Deutschland gefertigt, made in Europe wird man ab Ende 2011 wohl auch sehr weitgehend für die anderen hauseigenen Marken sagen können, wenn Produktionsvereinbarungen in Indonesien sukzessive auslaufen. Seit den alten ATS-, besser Stahlschmidt-&-Maiworm-Zeiten bestehen beste Kontakte zum indonesischen Aluräderhersteller PT Excel Metal Industry, der in seinem Heimatmarkt selbst die Erstausrüstung bedient und dem die Deutschen in früheren Jahren in technologischer Hinsicht auch schon mal unter die Arme gegriffen hatten. Durchaus im Eigeninteresse, wurde doch dadurch gewährleistet, dass relativ preisgünstig eingekaufte Fernostware die hohen hauseigenen Qualitätsansprüche erfüllte. Dennoch: Vom Gesamtvolumen der Uniwheels-Ersatzmarkträder kommt weniger als zehn Prozent aus Fernost, klärt Simone Maier-Paselk auf. Schließlich haben die einzelnen Marken auch die Funktion, die drei europäischen Werke (zwei in Stalowa Wola/Polen, eines in Werdohl/Deutschland) möglichst optimal auszulasten. Mit den Akquisitionen von Fertigungsequipment aus anderen Aluräderfabriken in Polen (von Toora und RH Alurad) und Norwegen (von Fundo) rüstet die nach Zahlen dieser Zeitschrift Nummer 3 unter den europäischen Räderherstellern gar noch weiter auf. Im Gegensatz zu den wesentlichen Wettbewerbern (davor Ronal und Borbet, dahinter Hayes Lemmerz) kommen derartige Kapazitätsausweitungen allerdings längst nicht in vergleichbarem Ausmaße der Erstausrüstung zugute, sondern auch dem Ersatzgeschäft mit den von Simone Maier-Paselk vertretenen Marken. Wie hoch der Anteil an den aktuell ca. acht Millionen Einheiten Jahreskapazität (weiterer Ausbau ist beschlossene Sache) ist, gilt als Firmengeheimnis, im Gegensatz zu den genannten Wettbewerbern aber im zweistelligen Prozentbereich. Festgelegt wurde dieser Rahmen in der Uniwheels-Firmenzentrale im schweizerischen Hünenberg. detlef.vogt@reifenpresse.de

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