Lothar Kerscher: „Trend zu großen Organisationen vorhanden“

Im Reifenfachhandel sieht man sich seit Jahren mit einem zunehmenden Wettbewerb insbesondere durch freie Kfz-Werkstätten und verschiedenste Onlinehandelsplattformen konfrontiert. Eine aktuelle vom BRV in Auftrag gegebene Studie kommt dabei zu dem Ergebnis, dass insbesondere „die Ausweitung des Autoservices“ verloren gegangenes Terrain zurückerobern helfen soll, so die Schlussfolgerungen aus der Studie. In einem Interview mit der NEUE REIFENZEITUNG fasst der stellvertretende BRV-Vorsitzende Lothar Kerscher die Ergebnisse zusammen und erklärt, dass die aktuellen Trends auf eine weiter zu erwartende Konzentration und zunehmende Kooperationsbereitschaft der Reifenhandelsbetriebe hindeuten – Einzelkämpfer geraten immer mehr ins Hintertreffen.

Neue Reifenzeitung:

Der deutsche Reifenfachhandel hat in den vergangenen Jahren gegenüber anderen Vertriebswegen – hier insbesondere der freien Kfz-Werkstatt und dem Onlinehandel – Marktanteile beim Pkw-Reifengeschäft mit Endverbrauchern verloren, so die „Reifenkäuferstudie 2010“. Meinen Sie, dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen, wenn sich nichts Grundsätzliches ändert?

Lothar Kerscher:

Der Trend zur freien Kfz-Werkstatt und zum Onlinehandel ist aus meiner Sicht dahingehend zu ändern, dass der Reifenhandel flächendeckender vertreten ist. 4.000 Reifenstationen stehen ca. 40.000 Autohäusern gegenüber. Der Trend zum Onlinekauf wird sich nur noch minimal verstärken. Endverbraucherbefragungen durch die Industrie zeigen jedoch, dass der Sättigungsgrad weitgehend erreicht ist.

Neue Reifenzeitung:

Die Erweiterung des Kerngeschäftes um „Autoservice“ wird als Heilmittel im Wettbewerb gerade mit den freien Kfz-Werkstätten propagiert. Welche Dienstleistungen müsste bzw. sollte ein Reifenhändler heute über den Reifenhandel hinaus unbedingt anbieten?

Lothar Kerscher:

Eine unbedingte Dienstleistung des Autoservices im Reifenhandel ist insbesondere die Spurvermessung. Ob es sich beim restlichen Autoservice, Bremsen, Auspuff, Stoßdämpfer etc., um ein Allheilmittel im Wettbewerb zur Kfz-Werkstatt handelt, muss jeder Reifenhändler für sich entscheiden. Für einen umfangreichen Autoservice sind Investitionen in Höhe eines fünf- bis sechsstelligen Betrages je Niederlassung und zusätzliche Kosten für das Update der Programme erforderlich.

Neue Reifenzeitung:

Inwiefern hat die Betriebsgröße des einzelnen Reifenhändlers einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg beim Autoservice?

Lothar Kerscher:

Die Betriebsgröße hat keinen Einfluss auf einen erfolgreichen Autoservice. Der Erfolg ist abhängig von der Unternehmensphilosophie und den Mitarbeitern.

Neue Reifenzeitung:

Sollte man kleinen und mittleren Reifenfachhändlern, die weitestgehend ungebunden sind, zur Teilnahme an einem Werkstattkonzept raten?

Lothar Kerscher:

Die Teilnahme an einem Werkstattkonzept ist meines Erachtens erforderlich, da ein Einzelkämpfer nie die gesamten Informationen erhalten kann.

Neue Reifenzeitung:

Zeichnet sich in den aktuellen Entwicklungen nicht ein Trend ab, der tendenziell den großen Organisationen im Reifenfachhandel – industrieeigen, industrienah oder unabhängig – unaufhaltsamen Zulauf verschafft? Welche Entwicklungen erwarten Sie diesbezüglich in den kommenden Jahren?

Lothar Kerscher:

Der Trend beim Autoservice zu den großen Organisationen ist zweifellos vorhanden, da nur die Konzerne in der Lage sind, die hohen Investitionen und Folgekosten zu finanzieren.

Neue Reifenzeitung:

Dem Reifenfachhandel fehle es „aus Sicht der Autofahrer an Alleinstellungsmerkmalen“, heißt es in der Studie. Denken Sie, dass er solche Merkmale allein mit der Vermarktung von Reifen und dazugehöriger Dienstleistungen (zurück-)erlangen kann? Was wären denn aktuell solche Alleinstellungsmerkmale und wie könnte der Reifenfachhändler diese (weiter-)entwickeln und sich darüber am Markt platzieren?

Lothar Kerscher:

Der Reifenfachhandel muss verstärkt seine Kompetenz insbesondere im Bereich der UHP-, Runflat-, SUV-Bereifung herausstellen. Somit wird die entsprechende Qualifikation ein Alleinstellungsmerkmal generieren.

Neue Reifenzeitung:

Was sind neben Reifen, dazugehöriger Dienstleistungen und Autoservice noch die Erfolgsfaktoren des ‚Geschäftsmodells Reifenfachhandel’ der Zukunft?

Lothar Kerscher:

Die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind Beratung, perfekter Service, gute Lagerhaltung und eine verkehrsgünstige, zentrale Lage des Fachbetriebs. ab

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