GVA: Branchenkonjunktur hat volle Fahrt aufgenommen

Dieser Tage fand in Hannover die Ordentliche Jahresmitgliederversammlung 2010 des Gesamtverband Autoteile-Handel e.V. (GVA) statt. Die Stimmung unter den Verbandsmitgliedern ist gut, denn der gesamte freie Kfz-Teilemarkt hat auf einen nachhaltigen Wachstumskurs zurückgefunden.

GVA-Kongress

Der Kongress des GVA, der am Folgetag zur Jahresmitgliederversammlung stattfand, beschäftigt sich traditionell mit aktuellen und zukünftigen Herausforderungen an den freien Kfz-Teilemarkt: So beschäftigte sich Dr. Thomas Funke, GVA-Justitiar und Koordinator der europäischen Bewegung für die Freiheit des Kfz-Teile und Reparaturmarktes (ECAR), mit den neuen wettbewerbspolitischen Grundlagen des Kfz-Aftermarket. Am 1. Juni 2010 ist die neue „Aftermarket-GVO“ (EG) Nr. 461/2010 in Kraft getreten, sie löste gemeinsam mit einer neuen Vertikal-GVO die bisherige „Kfz-GVO“ (EU) Nr. 1400/2002 ab. Viele bewährte Regeln wurden übernommen, einige wurden überarbeitet und präzisiert, überflüssiger Ballast aus der Verordnung entfernt.

Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer des Institut für Handelsforschung, zeigte in seinem Referat die aktuelle Entwicklungen im Web 2.0 auf und untersuchte die Auswirkungen von Blogs, Foren und Social Networks wie Twitter, Facebook und Co. auf den automobilen Aftermarket. Helmut Wolk, Geschäftsführer der wolk after sales experts, stellte die Möglichkeiten des Internets für virtuelle Marktplätze vor, auf denen der Teilehandel über den etablierten Rahmen der B2B-Kommunikation hinaus mit dem Endverbraucher in direkte Interaktion treten kann. Fazit: Das Internet bietet Chancen für den Handel im Allgemeinen und den Kfz-Teilemarkt im Besonderen, mit denen sich alle Unternehmen der Branche intensiv auseinandersetzen müssen, um nicht Gefahr zu laufen, Außenseitern das Terrain zu überlassen.

Eine ausgefeilte Logistik ist eines der Qualitätsmerkmale des freien Kfz-Teilehandels. Umso wichtiger ist es, sich permanent über Trends und Strategien im Logistikmanagement zu informieren. Der GVA hatte zu diesem Thema den Logistikexperten der Technischen Universität Darmstadt Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Christian Pfohl eingeladen.

Der Fusion von TecDoc und TecCom ist ein wichtiges Thema für die Entscheider der Branche. Franz-Werner Drees, neuer Chairman of the Shareholder Committee, berichtete über den aktuellen Stand der mittlerweile beschlossenen Verschmelzung von TecDoc auf TecCom: Hierdurch entsteht die Möglichkeit, eine durchgängige elektronische Kommunikationsstruktur im freien Aftermarkt zu schaffen, von der Teileidentifikation im elektronischen Katalog basierend auf TecDoc, über die Bestandsabfrage beim Lieferanten, die Auftragserteilung, Lieferbestätigung, Lieferschein, Wareneingangsverbuchung und Rechnung bis zum Zahlungsvorgang durch die Kommunikationstools von TecCom. Ein Wettbewerbsnachteil des freien Marktes gegenüber der integrierten Wertschöpfungskette der Automobilhersteller wird hiermit beseitigt.

Freier Kfz-Teilemarkt auf Wachstumskurs

In 2009 litt die Weltwirtschaft unter den Folgen der Finanzkrise und auch die Automobilwirtschaft war teilweise davon betroffen. Verschiedene GVA-Mitglieder spürten die Auswirkungen der wirtschaftlichen Talfahrt, wenngleich in der Regel auf den Nfz-Teilemarkt und die Teilefertigung für die Erstausrüstung der Fahrzeughersteller beschränkt. „Gerade vor dem Hintergrund, dass 2009 gerade kein schlechtes Jahr für die Unternehmen des freien Kfz-Teilehandels war, sondern viele unserer Mitglieder unbeeindruckt von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung stabile Umsatzzahlen ausweisen konnten, sind die erneut positiven Wachstumszahlen in 2010 nicht hoch genug zu bewerten“, betont GVA-Präsident Hartmut Röhl. Eine jüngste Umfrage unter den GVA-Mitgliedern hatte ergeben, dass weit über 90 Prozent der Industrie- und Handelsunternehmen für das Gesamtjahr 2010 mit steigenden Umsätzen rechnen. „Besonders die Segmente, die im letzten Jahr gelitten haben, verzeichnen aktuell starke Zuwächse: Der starke Neuwagenabsatz deutscher Fahrzeuge in Asien etwa ist gut für unsere Industriemitglieder mit hohem Umsatzanteil in der Erstausrüstung der Fahrzeughersteller, und die mit der Konjunkturerholung einhergehende anziehende Güterverkehrsleistung beschert dem Nfz-Teilemarkt in Verbindung mit dem sich auflösenden Wartungs- und Reparaturstau im Transportgewerbe satte Zuwächse“, so der GVA-Präsident.

Röhl weiter: „Die gute Werkstattauslastung sorgt auch in den anderen Segmenten des Kfz-Ersatzteilmarktes für zufriedene Gesichter.“ Die Einschätzungen der GVA-Mitglieder zur Nachhaltigkeit der Umsatzzuwächse decken sich dabei mit anderen branchenübergreifenden Konjunkturindizes. Der GVA-Präsident fasst zusammen: „Die Unternehmen des Kfz-Aftermarkts sind in 2009 durch wirtschaftlich raue Gewässer gesteuert, einige wurden ordentlich durchgeschüttelt, viele konnten aber auch unbeeindruckt Kurs halten. Wichtig: Keines der GVA-Mitglieder ist gekentert, sondern alle in 2010 wieder auf Wachstumskurs.“ Die positive Stimmung unter den Unternehmen aus Teilehandel und -industrie wurde auch auf der Automechanika Frankfurt deutlich, die einen neuen Rekord von investitions- und konsumbereiten Besuchern und zufriedene Aussteller vermelden konnte.

Fortschritte in wettbewerbspolitischen Fragen

Neben dem wirtschaftlichen Umfeld sind auch die wettbewerbspolitischen Rahmenbedingungen für die mittel- und langfristige Entwicklung der Unternehmen des freien Kfz-Teile- und Servicemarktes von zentraler Bedeutung. „Auch aus wettbewerbspolitischer Sicht können wir mit dem Jahr 2010 zufrieden sein“, so Hartmut Röhl. Seit dem 1. Juni 2010 ist die neue „Aftermarket-GVO“ (EG) Nr. 461/2010 samt begleitenden Leitlinien in Kraft. Sie soll die Grundlagen für Wettbewerb im Kfz-Aftermarket nach dem Auslaufen der alten „Kfz-GVO“ (EU) Nr. 1400/2002 zum Wohle der Verbraucher sichern und die Lebensnerven der Unternehmen aus Teilehandel und –industrie sowie der Servicebetriebe verlässlich schützen. Röhl hebt hervor: „Gerade die Tatsache, dass die in dieser Frage entscheidende EU-Kommission noch vor wenigen Jahren eine Neuauflage sektor-spezifischer Regeln klar ablehnte, nun sogar eine eigene GVO für unsere Branche beschlossen hat, vergrößert noch die Bedeutung dieses Erfolg für den IAM.“

Der GVA und sein internationaler Dachverband, FIGIEFA, haben sich gemeinsam mit anderen Akteuren im Rahmen der europaweiten „Right to Repair“ Kampagne r2rc.de) fortgesetzt für eine neue GVO eingesetzt. GVA-Präsident Hartmut Röhl sieht in dem Erfolg die Möglichkeit, für andere wettbewerbspolitische Projekte der Branche zu lernen, „dass die Unternehmen des freien Aftermarkts (IAM), wenn sie geschlossen auftreten, auch als David gegen den Goliath Automobilhersteller (OEM) bestehen können. Die „Right to Repair“-Kampagne habe sich hierfür als ein wirksames Instrument erwiesen.

Aber auch nach der Einführung der neuen GVO sieht sich die Branche wettbewerbspolitischen Herausforderungen gegenüber. Eine wichtige Etappe für Chancengleichheit im freien Kfz-Aftermarkt konnte im Komitologieverfahren zu Euro 5/6 erzielt werden. Am 17. November haben die Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten im Fachausschuss „Technical Committee on Motor Vehicles“ (TCMV), in dem die technischen Details und Spezifikationen der Euro 5/6 Verordnung zu Abgasgrenzwerten und Reparaturinformationen beraten werden, den von der EU-Kommission vorgeschlagenen Zusatz zur Verordnung angenommen. Mit diesem Zusatz soll den Akteuren des IAM die eindeutige Identifizierung von Ersatzteilen erleichtert und ein Zugang zu den elektronischen Servicehandbüchern und den Arbeitswerten der Fahrzeughersteller ermöglicht werden – ob die Regelungen ausreichen, wird sich noch zeigen. Auch eröffnet der nun verabschiedete Zusatz die Möglichkeit einer sogenannten Validierung der Prozesskette zwischen Fahrzeughersteller-ECUs und unabhängig produzierten VCIs (Vehicle Communication Interfaces). Diese ist wichtig, da die in der Euro 5/6 Verordnung angegebenen Standards für Software-Updates herstellerspezifische „Dialekte“ zulassen, die in Mehrmarken-Diagnosegeräten Berücksichtigung finden müssen.

Eine Entscheidung fordert der GVA-Präsident auch in der Frage des Designschutzes für sichtbare Kfz-Ersatzteile wie Motorhauben, Kotflügel, Außenspiegel, Scheiben, Scheinwerfer und Rückleuchten. „Die Bundesregierung ist hier in der Pflicht, wie die sie tragenden Parteien es in der Opposition vehement gefordert hatten, mit einem klaren Bekenntnis für die europaweite Einführung der Reparaturklausel die Blockadesituation im EU-Ministerrat zu durchbrechen. Dies würde dem fairen Wettbewerb im Kfz-Ersatzteilmarkt und damit dem Wohle der Verbraucher dienen.“ dv

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