“Elastomer Cluster Germany” nimmt Arbeit auf

Zwar wurde es schon im Frühjahr dieses Jahres gegründet, doch erst der Deutsche Kautschukabend am 22. November im Berliner Marriott Hotel soll so etwas wie ein offizieller Startschuss des „Elastomer Cluster Germany“ (ECG) sein. Dahinter verbirgt sich ein Zusammenschluss von vier Verbänden bzw. Institutionen – Arbeitgeberverband der Deutschen Kautschukindustrie e.V. (ADK), Deutsches Institut für Kautschuktechnologie e.V. (DIK), Deutsche Kautschukgesellschaft e.V. (DKG) sowie Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie e.V. (WdK) – mit dem Ziel, ihre Kräfte vor dem Hintergrund zukünftiger Herausforderungen für die deutsche Kautschukindustrie zu bündeln. Die Aufgaben des ECG bestehen laut dem WdK-Vorsitzenden Dr. Rainer Landwehr insbesondere darin, „das Image der deutschen Kautschukindustrie zu verbessern, deren Innovationskraft, internationale Technologieführerschaft und Zukunftsfähigkeit herauszustellen und zu sichern“. Die Unternehmen der Branche – in dem neuen Verbund werden demnach 225 mit zusammen 125.000 Beschäftigten und einem Umsatz von in Summe 21 Milliarden Euro organisiert sein – soll die Öffentlichkeit zukünftig eher als blau, weiß und grün wahrnehmen, anstatt solche Attribute wie schwarz, schwer und schmutzig mit ihnen zu assoziieren. „Blau, weil die Kautschukindustrie Zukunft hat. Weiß, weil sie für Sauberkeit steht. Grün, weil sie umweltfreundlich ist“, wird dieses Farbenspiel erklärt.

Der Zusammenschluss der vier Gründungspartner sei allerdings nicht als neuer Verein/Verband oder gar als Ersatz für sie aufzufassen, erklärt Landwehr. Vielmehr versteht man das ECG als eine Ergänzung, die deren Arbeit flankiert und unterstützt. „Und deshalb glauben und wissen wir, dass ‚Elastomer Cluster Germany’ mehr ist als die Summe der vier einzelnen Partner“, sagt der WdK-Vorsitzende. „Die deutsche Kautschukindustrie hat die äußerst schwierige Phase, in der wir uns seit Herbst 2008 befunden haben, gut gemeistert. In den ersten drei Quartalen 2010 konnten wir unseren Umsatz um 16,5 Prozent steigern. Auch für die Zukunft dürfen wir weiterhin positiv gestimmt sein. Das auf den Angaben von Mitgliedsunternehmen basierende WdK-Kautschukindustriebarometer zeigt für das vierte Quartal 2010 eine weiterhin gute Geschäftslage“, zeigt er zwar eine eigentlich doch positive Entwicklung der Branche auf. Für das Gesamtjahr 2010 prognostiziert der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie immerhin ein zwölfprozentiges Umsatzplus, wobei von einem Zuwachs um drei Prozent für die Hersteller von Bereifungen ausgegangen wird und einem Wachstum von über 20 Prozent für Hersteller von technischen Elastomererzeugnissen. Gleichwohl sieht sich die deutsche Kautschukindustrie eigenen Worten zufolge durchaus auch mit Herausforderungen konfrontiert, die gemeistert werden wollen. Genannt werden in diesem Zusammenhang unter anderem solche Dinge wie schwindende fossile Ressourcen und die damit steigenden Kosten etwa für Rohmaterialien, der Schutz der Umwelt, die Sicherung des Standortes Deutschland, die drohende Mangel an Nachwuchs- und Fachkräften.

„Die Herausforderungen sind vielfältig und gewaltig. Die deutsche Kautschukindustrie hat das erkannt und bündelt ihre Kräfte, um ihre Zukunft proaktiv zu gestalten“, begründet Landwehr die Gründung des ECG, wobei der Impuls dazu von Fritz Katzenseiner, WdK-Hauptgeschäftsführer und zugleich DKG-Geschäftsführer, ausgegangen sei. Geplant ist nun, über gemeinsame Plattformen den Dialog mit der Politik und der Öffentlichkeit zu verstärken oder mit Aktionen zur künftigen Sicherung des Angebots an qualifizierten Nachwuchskräften beizutragen, wobei hierbei insbesondere die Attraktivität der deutschen Kautschukindustrie als Arbeitgeber hervorgehoben werden soll. Des Weiteren ist die Förderung eines Ideennetzwerkes geplant, um die Technologieführerschaft und Innovationskraft der Branche zu behaupten und zu stärken, und zudem eine – wie Landwehr der WdK-Vorsitzende es formuliert – „Intensivierung des Kautschuknetzwerkes“, um den Informationsaustausch innerhalb der Branche zu festigen und zu verbessern. „Ich bin überzeugt, dass der ‚Elastomer Cluster Germany’ hier wichtige Impulse geben kann und sicherlich auch dazu beitragen wird, gerade das branchenfremde Publikum für eine Industrie zu begeistern, deren beeindruckende Leistungs- und Zukunftsfähigkeit sie zu einem unverzichtbaren und sehr maßgeblichen Bestandteil der deutschen Volkswirtschaft machen“, so Dr. Landwehr.

Aber auch im europäischen Kontext sei die deutsche Kautschukindustrie wirtschaftlich mit Abstand führend. „Rund ein Viertel des Umsatzes, der mit Produkten aus Kautschuk in dieser Region gemacht wird, erwirtschaften die deutschen Unternehmen“, weiß der WdK-Vorsitzende zu berichten und macht für deren starke Position innerhalb Europas unter anderem ihre bedingungslose Ausrichtung auf die Qualität ihrer Produkte sowie ihre Investitionen in Forschungs- und Entwicklung, Schulung und Weiterbildung verantwortlich. Diese Faktoren sollen offensichtlich mit einen Beitrag dazu leisten, den Umsatz der deutschen Kautschukindustrie bis zum Jahr 2020 weiter ansteigen zu lassen. „Das weltweite Wirtschaftswachstum eröffnet unserer Branche neue Märkte“, ist Landwehr mit Blick auf Länder wie China, Indien oder Brasilien überzeugt. Als Beispiel hebt er in diesem Zusammenhang insbesondere die Automobilindustrie hervor, die als ein wichtiger Markt für die Kautschukindustrie bezeichnet wird. Während die Nachfrage in Westeuropa eher stagniere, steige sie in China und Indien stark an. Die Zahl neuer Abnehmer, die in China, Indien oder Brasilien aufgrund steigender Einkommen den Konsum forcieren, werde in den nächsten Jahren geradezu explodieren, heißt es.

Hoffnungen setzt man darüber hinaus in neue Materialien und Technologien, die nicht nur, aber eben auch im Automobilbau ein neues Zeitalter eröffnen. Als Beispiele werden der Leichtbau von Automobilen oder Elektrofahrzeuge genannt: Dies wird als „große Chance für die Kautschukindustrie“ wahrgenommen. „Denn ihre Produkte sind leichter als Metall. Und sie sind elastisch. Deshalb werden Kombinationswerkstoffe an Bedeutung gewinnen“, glaubt der WdK-Vorsitzende. Die Elektromobilität werde die Konstruktion von Reifen beeinflussen, wobei seinen Worten zufolge schmalere Reifen mit geringem Gewicht und möglichst niedrigem Rollwiderstand bei gleichzeitiger Berücksichtigung aller sicherheitsrelevanten Aspekte zukünftig Verwendung finden werden. Ebenso stellten die Energiespeicherung und der Energietransport eine Herausforderung dar zur Entwicklung innovativer Produkte. Um dafür gewappnet zu sein, setzten die Unternehmen vor allem auf das Know-how ihrer Mitarbeiter, sagt der ADK-Vorsitzende Dr. Sven Vogt. „Wissen ist der Rohstoff, mit dem wir die Zukunft unserer Gesellschaft gestalten. Länder, die am meisten in ihre Innovationsfähigkeit investieren, stehen wirtschaftlich am besten da“, ergänzt er. Es komme auf die geistigen Rohstoffe an. Dies sei für das ressourcenarme Deutschland eine wichtige Basis zum Erfolg. Daher müsse man dafür sorgen, dass diese Quelle nicht versiegt. „Damit sich die Nachwuchsproblematik bei Ingenieuren und Naturwissenschaftlern nicht noch weiter verschärft, müssen wir gegensteuern“, meint Vogt. Erfolgsfaktor Nummer eins bleibe die Innovation. „Um auch langfristig erfolgreich zu sein, müssen die deutschen Kautschukunternehmen den weltweiten Technologiewettlauf anführen“, macht auch er deutlich, worauf es dem „Elastomer Cluster Germany“ ankommt. cm

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