MEP-OLBO: Bindeglied zwischen Chemiefaser- und Kautschukindustrie

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Für die meisten Verbraucher sind Reifen einfach nur rund und schwarz. Denn das Know-how, das in ihnen steckt, sieht man ihnen von außen nicht an. Egal ob im Reifenunterbau, der Laufflächenmischung oder auch bezüglich des Produktionsprozesses: Hier können innovative Materialien oder Technologien den Unterschied zwischen Premium- und Budgetreifen ausmachen bzw. über Sieg oder Niederlage beim nächsten Reifentest entscheiden. So wie ein Fahrzeughersteller nicht sämtliche Teile der ihm produzierten Autos selbst fertigt, so greift auch die Kautschuk- bzw. Reifenindustrie in bestimmten Bereichen auf Zulieferer als Partner zurück. Als einer von diesen versteht sich die in Fulda beheimatete MEP-OLBO GmbH, die sich auf die Entwicklung und Fertigung technischer Fäden sowie von Verstärkungsgewebe spezialisiert hat. Das Unternehmen, das sich selbst mit dem Slogan „Wir machen Kautschuk stark“ charakterisiert, zählt nach den Worten von Benjamin Müller, Key-Account-Manager technische Fäden bei MEP-OLBO, jedenfalls nahezu alle namhaften Reifenhersteller weltweit zu seinen Kunden. „Wir sind der führende Partner für Festigkeitsträger in der Kautschukindustrie“, ergänzt er.

Entstanden ist das Unternehmen in seiner derzeitigen Form Müllers Worten zufolge im Jahr 2006 durch den Zusammenschluss der Mehler Engineered Products GmbH (MEP) und der OLBO Industrietextilien GmbH. Die Historie des Mutterkonzerns reicht freilich um einiges weiter in die Vergangenheit zurück, wurde die heutige Mehler AG doch schon 1837 gegründet – 95 Prozent der Anteile an dieser Aktiengesellschaft werden demnach von der KAP Beteiligungs-AG gehalten und fünf Prozent von der Unternehmerfamilie Daun, die als Inhaber der Daun & Cie AG wiederum die KAP Beteiligungs-AG kontrolliert. Als Spezialist für die Entwicklung und Herstellung ausgerüsteter Fäden und Gewebe für technische Kautschukprodukte innerhalb dieses Holdinggebildes ist MEP-OLBO abgesehen vom Zentralsitz in Fulda aber auch an weiteren Standorten mit Fertigungsstätten vertreten: hierzulande in Hessisch Lichtenau und Kalefeld sowie darüber hinaus in Jilemnice (Tschechische Republik), Famalicao (Portugal), Martinsville (USA) und Wujiang (China). „Seit etwa zwei Jahren haben wir auch eine Vertriebsgesellschaft in Indien, wo wir mittelfristig zudem eine Produktion aufbauen wollen“, erklärt Müller.

Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen ein Umsatzvolumen in Höhe von 120 Millionen Euro, nachdem für 2008 noch 160 Millionen Euro in den Büchern stehen. Für diesen 25-prozentigen Rückgang wird im Wesentlichen das „Krisenjahr 2009“ verantwortlich gemacht. Doch schon für dieses Jahr stehen die Zeichen bereits wieder auf Wachstum. Von einem Umsatz in Höhe von rund 150 Millionen Euro geht man in Fulda aus, wobei es laut Müller eher wahrscheinlich ist, dass diese Prognose noch übertroffen werden kann. Dabei ist es aber keineswegs so, dass der gesamte Umsatz mit der Reifenindustrie erzielt wird. Wie hoch der Anteil genau ist, darüber schweigt sich Müller im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG zwar aus. Kein Geheimnis ist allerdings, dass zum MEP-OLBO-Portfolio abgesehen von Festigkeitsträgern für den Reifenbau unter anderem sowohl das komplette Spektrum an Geweben und Fäden für die Verstärkung von Gummifördergurten sowie für automobile und industrielle Transmissionsriemen und Hochdruckschläuche als auch Spezialgewebe für Sonderprodukte in den Bereichen Personenschutz, Sport und Freizeit gehören. Als Anwendungsbeispiele werden Gewebe für Rettungsinseln, Schlauchboote, Offshore-Schläuche, Snowcats und Pistenraupen sowie solche für die Landwirtschaft oder als Basis für schusssichere Westen für Polizei und Militär genannt.

Um die aus den variierenden Einsatzarten resultierenden unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, bietet MEP-OLBO Fäden und Corde in verschiedensten Stärken an. Der Fachbegriff dafür heißt Titer und wird in der Einheit tex – definiert als Masse in Gramm pro 1.000 Meter Länge – angegeben. Bei den Zwirnen und Corden für Reifen reicht das Spektrum Unternehmensangaben zufolge von 1.400 bis 9.000 dtex, wobei ein dtex (Dezitex) einem Zehntel tex entspricht (1 dtex = 1/10 tex). Für andere Anwendungen kann alles in allem der Bereich angefangen bei 200 dtex bis hin zu rund 50.000 dtex abgedeckt werden. Was das Verzwirnen einzelner Fäden angeht, reichten die technischen Möglichkeiten bei MEP-OLBO sogar von 50 dtex bis hin 100.000 dtex, sagt Müller. Die Produktionskapazität für Zwirne/Fäden beziffert er mit etwa 16.500 Tonnen im Jahr, die für Gewebe mit rund 19.000 Tonnen jährlich. Während letzterer Wert – wie er ergänzt – „eher stabil“ sei, peilt das Unternehmen vor allem im Segment ausgerüstete Fäden weiteres Wachstum an. Dabei spielt auch der Reifenbau eine Rolle, glaubt MEP-OLBO doch in diesem Segment und hier insbesondere im Zusammenhang mit UHP-Reifen an die Zukunft der sogenannten „Cap-Strip“-Technologie auf der Basis von Einzelfäden bzw. SECT (Single End Cords for Tires).

Dank „Cap-Strip“-Technologie könnten gegenüber der Verwendung von Cordgewebe zwei Arbeitsschritte in der Reifenproduktion entfallen, streicht Müller einen Vorteil des SECT-Ansatzes heraus. Zugleich falle weniger Abfall an, wenn statt des sonst üblichen Cord-Zuschnittes Einzelfäden in Streifenform im Fertigungsprozess zum Einsatz kommen. Des Weiteren verweist Müller in Bezug auf die Produktionskapazität auf eine höhere Flexibilität, geringere Kosten für die Lagerhaltung sowie einen insgesamt geringeren Platzbedarf. Als weitere Argumente, die aus Sicht von MEP-OLBO für SECT sprechen, führt er eine höhere Qualität von auf diese Weise gefertigter Reifen an. „Die Fäden werden nicht angeschnitten und können nicht freiliegen“, sagt er. Es sei sichergestellt, dass die Fäden immer von einer homogenen Kautschukschicht umgeben sind. Außerdem ließen sich „Cap-Strips“ genauer verarbeiten, wovon nicht zuletzt auch die Gleichförmigkeit bzw. der Rundlauf profitiere. „Unser Know-how liegt letztlich in der Haftung zwischen den Fäden und dem Kautschuk”, meint Müller. Insofern versteht sich MEP-OLBO als „Bindeglied zwischen Chemiefaser- und Kautschukindustrie“. christian.marx@reifenpresse.de

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