Reifen-Fahrbahn-Geräusch im Fokus bei ÖAMTC-Symposium

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Unter dem Motto „Flüsternd leise oder lautes Grollen – Rollgeräuscherzeugung und Lärmimmissionsminderung im Straßenverkehr“ stand das diesjährige ÖAMTC-Symposium „Reifen und Fahrwerk“, das am 12. Oktober in Wien stattfand. „Um die Lärmbelästigung unserer individuellen Mobilität in Grenzen zu halten, müssen in allen Bereichen – Reifen, Straßenbelag, Fahrzeug, und auch Lärmschutzmaßnahmen – Anstrengungen unternommen werden“, erklärt ÖAMTC-Symposiumsleiter Friedrich Eppel. Aus diesem Grund hatte man für das in Zusammenarbeit mit der Semperit Reifen GmbH und dem Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der Technischen Universität Wien organisierte Symposium zahlreiche Referenten in die österreichische Hauptstadt eingeladen.

Heinz Kreidl von Brüel & Kjaer legte beispielsweise Grundlagen zur Schallmesstechnik dar, und Manfred Haider vom Austrian Institute of Technology (AIT) präsentierte Ergebnisse rund um die Erforschung des Reifen-Fahrbahn-Geräusches. Konkrete Technologien und Tools zur Verbesserung des Reifen-Fahrbahn-Geräuschs wurden von Ernst-Ulrich Saemann von Continental Reifen Deutschland GmbH vorgestellt. „Die wesentlichen Mechanismen zur Geräuscherzeugung bei Fahrzeugen kommen heute nicht mehr vom Motor oder Antriebsstrang“, sagt er. Neben Möglichkeiten zur Reduzierung der Schallpegel wurden auch die verwendeten Verfahren sowie die Grenzen bei der Einhaltung der gesetzlichen und der Kundenanforderungen aufgezeigt.

Torsten Dier von der Daimler AG näherte sich der Problematik aus dem Blickwinkel der Autoinsassen und konstatierte Optimierungsbedarf im Fahrzeuggesamtsystem. „Der Ansatz besteht darin, das Geräusch direkt an der Quelle durch Einsatz geeigneter Systeme im Reifeninneren zu reduzieren“, so Dier, während Johann Litzka und Jürgen Haberl vom Institut für Verkehrswissenschaften an der Universität Wien zugleich ein großes Potenzial für die Lärmminderung beim Gegenspieler des Reifens – der Straße – identifiziert haben. „Durch den Einsatz von speziell Lärm mindernd konzipierten Fahrbahndeckschichten lässt sich ein deutlicher Beitrag zur Verminderung von Lärmemissionen aus dem Straßenverkehr erreichen“, sagen sie.

Ein Reifen müsse aber nicht nur leise sein, sondern auch bestimmte Vorgaben bezüglich Abmessungen, Trocken- und Nässeeigenschaften, Verschleiß oder Rollwiderstand und Ähnlichem erfüllen, weiß Eppel. „Viele dieser Eigenschaften stehen zueinander im Widerspruch, der ideale Reifen ist daher immer ein Kompromiss“, erklärt er mit Blick auf den Vortrag von Andrea Castagna (Bridgestone) bezüglich neuer Herausforderungen für Reifenhersteller durch gesetzliche Auflagen insbesondere vor dem Hintergrund, welche Rolle der Anteil des Reifengeräuschs bei zukünftigen Zulassungsverfahren für Fahrzeuge spielen wird. Passend dazu legte Christian Günter von Michelin dar, wie man ausgehend von den verschiedenen Ursachen des Reifengeräusches als Reifenproduzent die Balance zwischen den unterschiedlichsten Anforderungen an den Reifen schafft und dabei auch die Wünsche der Fahrzeughersteller berücksichtigt.

„Das Reifenrollgeräusch stellt dabei einen immer wichtiger werdenden Aspekt in Hinblick auf den Innengeräuschkomfort und die Außengeräuschbelastung dar und stellt die Entwicklungsingenieure vor die schwierige Aufgabe, die auftretenden Zielkonflikte Akustik – Fahrdynamik zu lösen“, so die von Klaus Kauermann aus dem Hause Magna Steyr vermittelte Sicht eines Fahrwerkherstellers. Strategien gegen Lärm betreffen aber nicht nur die Reifen- und Fahrzeugindustrie, weshalb Werner Kaufmann die Verantwortung der Asfinag zum Lärmschutz beleuchtete und Hellfried Gartner vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft über die EU-Vorgaben zur Lärmreduktion und den aktuellen Stand der Umsetzung in Österreich berichtete. cm

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