Giti Tire unternimmt weiteren Schritt zur Europäisierung

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Giti Tire kommt mehr und mehr in Europa an und fühlt sich hier – glaubt man den Verantwortlichen im Unternehmen – wie Zuhause. Erstmals richtete der chinesische Reifenhersteller für seine europäischen Kunden ein besonderes Fahrevent beim Giti Tire European Technical Center (ETC) auf dem MIRA-Testgelände im englischen Birmingham aus. Über 200 Kunden durften dabei die neuesten Produkte der Marke GT Radial – ob Pkw- oder Lkw-Reifen – erfahren und konnten sich über Geschäftsverlauf und Pläne der für Europa Zuständigen auf den neuesten Stand der Dinge bringen lassen. Im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert der Geschäftsführer der Giti Tire Deutschland GmbH sowie der für Pkw-Reifen zuständige General Manager für den Hersteller in Europa: „Für uns ist es wichtig, Vertrauen zu schaffen in der Händlerschaft.“ Folglich habe man in MIRA die Produkte für sich sprechen lassen wollen und einen umfangreichen Testparcours für die europäische Händlerschaft aufgebaut – der Offroadreifen GT Radial Adventuro M/T konnte dabei genauso getestet werden wie der neue Sommerreifen Champiro 228 – im Vergleichstest gegenüber einem koreanischen Wettbewerber überlegen – und der neue asymmetrische UHP-Reifen Champiro HPY, der durchgängig bis 300 km/h zugelassen ist.

Diese und andere Produkte, die Giti Tire heute in seinem überaus jungen Sortiment hat, sind dabei mit besonderem Blick auf den europäischen Markt entwickelt worden. Seit einigen Jahren lässt sich beim Hersteller, der über eine Holdinggesellschaft mit Gajah Tunggal in Indonesien verbunden ist, eine deutliche Europäisierung des Produktsortiments und des Organigramms wahrnehmen. Diese Entwicklung, so erläutert Michael Andre weiter, sei 2007 vorläufig in der Gründung des „European Technical Center“ kulminert. Die Einrichtung, die durch Branchenveteran Eddie Young geleitet wird, ist dabei auf dem renommierten MIRA-Testgelände bei Birmingham in Großbritannien ansässig, wo sich dem Reifenhersteller alle Testmöglichkeiten bieten, um das Sortiment weiter auf die Bedürfnisse der hiesigen Ersatzmärkte anzupassen.

Das neueste Beispiel, das diese lokale Verwurzelung zum Ausdruck bringen soll, ist der neue Winterreifen „GT Radial Champiro Winter Pro“, der zu dieser Saison erstmals verfügbar ist. Das Produkt selber wurde dabei zwar zentral im indonesischen R&D-Center bei Gajah Tunggal entwickelt – und wird dort auch gefertigt. Das ETC des Herstellers hatte bei der Entwicklung dieses Winterreifens aber einen ganz wesentlichen Einfluss, so dass der neue Winter Pro durchaus als „europäischer Winterreifen“ durchgehen kann. Auch das Line-up ist beeindruckend: Über 40 Größen in 13 bis 16 Zoll listet der Katalog auf. Der neue Winterreifen hat den „Winter Plus“ abgelöst; der asymmetrische „Champiro WT-AX“ bleibt hingegen vorerst im Sortiment.

Dass Giti Tire einen vom TÜV Süd durchgeführten Vergleichstest zum neuen Winter Pro nicht scheut, zeigt, dass die Zeiten von vor fünf Jahren mittlerweile längst vergessen sind, als der Hersteller bei einem ADAC-Test mit seinem „Champiro WT plus“ keine besonders gute Figur machte und sich insbesondere auf Nässe besondere Schwächen vorhalten lassen musste. Der neue Winter Pro hingegen habe gerade in dieser Paradedisziplin besondere Stärken, bescheinigt Michael Andre. Beim Nasshandling höben sich die Produkte mittlerweile „komplett von der asiatischen Konkurrenz ab“, zeigt man sich bei Giti Tire selbstbewusst. Im Vergleich zu Fabrikaten, auch europäischen, die der TÜV Süd ausgewählt und als „guten Durchschnitt“ des Marktes bezeichnet hat, habe der Winter Pro im Durchschnitt zehn Prozent besser abgeschnitten als die mitgetesteten Wettbewerbsfabrikate. Dass es sich bei diesen Fabrikaten, deren Namen nicht genannt werden sollen, nicht um Produkte der Top-Fünf der Reifenindustrie handelt, wird dabei nicht als störend empfunden. Im Gegenteil: Dieses Prozedere zeugt nicht nur davon, dass die Dynamik vertrauensbildender Maßnahmen verstanden wurde, sondern auch dass man die eigene Position im Markt eben realistischerweise nicht im Premiumsegment sieht.

Dennoch: „Wir unternehmen wahnsinnig viel in Bezug auf unsere Entwicklung, und zwar bei unseren Produkten wie auch bei unserer Kommunikation“, erklärt der zuständige Pkw-Reifendirektor in Europa. Einen solchen Entwicklungsschritt hat Giti Tire nun durch die Einstellung eines neues Chefentwicklers für Pkw-Reifen weltweit unternommen. Jörg Hillmer ist promovierter Chemiker und hat die vergangenen 19 Jahre seiner beruflichen Laufbahn bei der Continental AG verbraucht, wo er 1991 bei ContiTech seinen Berufseinstieg hatte. 1998 wechselter Dr. Hillmer dann in die Reifensparte und kümmerte sich später (ab 2000) zunächst für den Standort Korbach als Leiter um die sogenannte Produktindustriealisierung, also um „die Umsetzung der F&E-Spezifikation in die Werksspezifikation“, und zwar bei Pkw-Reifen. Ab 2006 übernahm Hillmer diese Aufgabe für alle Reifenwerke des deutschen Konzerns weltweit.

Ähnlich gelagert sieht der deutsche Reifenentwickler auch seine neue Aufgaben bei Giti Tire (China) in Hefei (Anhui-Provinz), wo Dr. Hillmer seit dem 1. August seinen Arbeitsplatz hat. Es gehe bei seiner Aufgabe – neben der eigentlichen Entwicklung neuer und moderner Produkte – unter anderem auch um die Verbesserung der F&E-Prozesse. Giti Tire wolle die Standards seiner Produktentwicklung noch weiter den europäischen Standards anpassen, erläutert Hillmer im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG und kann dabei auf große technische wie auch organisatorische Berufserfahrung verweisen. Ein dabei ganz zentraler Aspekt ist das „Testing“, für das er ebenfalls globale Verantwortung übernommen hat.

Rekordjahr erwartet

Dass das laufende Geschäftsjahr für zahllose Unternehmen der Reifenbranche besser wird als das vorherige, ist sicherlich kein Wunder. Auf dem deutschen Markt erwartet Michael Andre in 2010 aber ein ganz besonderes Ergebnis: „Wir werden bei Reifen Gundlach ein Rekordjahr haben“, so der Geschäftsführer von Giti Tire Deutschland und für Pkw-Reifen in Europa zuständige General Manager. Dies hänge natürlich im Wesentlichen vom kommenden Winterreifengeschäft ab; die Vororders und Prognosen ließen aber bereits ein äußerst gutes Jahr erahnen. Auch wenn Giti Tire erst kürzlich in Großbritannien den Vertriebspartner gewechselt hat – nach der Compass Group kümmert sich dort seit diesen Frühsommer Micheldever Tyre Services um die Vermarktung der Pkw-Reifenmarken GT Radial, Primewell und Runway – sei der britische Markt immer noch größer für den chinesischen Hersteller als der deutsche.

Apropos: Mit dem Unternehmen Franz Achleitner Fahrzeugbau und Reifenzentrum GmbH (Wörgl in Tirol) hat Giti Tire offenbar auch einen eigenen Vertriebspartner für Österreich gefunden. Der dortige Markt wurde bisher von Reifen Gundlach bedient. Achleitner betreibt zehn Niederlassungen und pflegt darüber hinaus auch sein Großhandelsgeschäft. Achleitner hat bereits den Generalvertrieb Österreich für die Continental-Marken Gislaved und Viking. arno.borchers@reifenpresse.de

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