Strafzoll auf China-Reifen bringt USA bestenfalls nichts

Groß war die öffentliche Diskussion im vergangenen Jahr, als die USA Strafzölle gegen Pkw-Reifenimporte aus China eingeführt hatte. Die Menge der Einfuhren schien vielen Marktbeobachtern völlig überhöht; sie sei außerdem schädlich für die heimische Reifenindustrie, in der mehr und mehr Jobs – mutmaßlich wegen der Billigimporte aus China – verloren gingen. Das US-China Business Council (USCBC), ein Zusammenschluss amerikanischer Unternehmen, die mit China Geschäfte tätigen, hat nun gegen die Entscheidung der US-Regierung von vergangenem Sommer noch einmal klar Stellung bezogen – und führt starke Argumente gegen den Sinn der Strafzölle an.

Danach seien die Einfuhren insgesamt im ersten Halbjahr deutlich angestiegen, der Anteil chinesischer Reifen daran aber von vormals 45 auf jetzt 24 Prozent abgesackt. Mit anderen Worten: Die USA importieren sogar noch mehr Reifen aus vermeintlichen Billig- oder soganannten Schwellenländern als vor der Einführung des China-Strafzolls in Höhe von derzeit 35 Prozent, einzig der Anteil der chinesischen Produkte daran ist klar rückläufig. Für die US-Reifenindustrie ist diese Verschiebung der Beschaffungsmärkte freilich nebensächlich, es sei denn, man hätte das Ziel verfolgt, gegen chinesische Wettbewerber mobil zu machen.

US-Endverbraucher verlangen und kaufen offensichtlich trotzdem immer mehr Importware, für die sie – durch den neuen Strafzoll bedingt – auch noch mehr im Durchschnitt bezahlen müssen. Und die US-Reifenindustrie hat während der ersten fünf Monate dieses Jahres trotzdem weitere zehn Prozent ihrer Jobs eingebüßt, rechnet der USCBC vor. Aktuell arbeiten noch 49,8 Millionen Menschen in der Reifenproduktion in den USA. Man habe also „keinen Hinweis gefunden, dass der Zoll auf einfache chinesische Reifen einen positiven Effekt auf amerikanische Jobs hat“.

Der Interessenverband fordert US-Präsident Barack Obama in einem öffentlichen Schreiben dazu auf, die zuständige US International Trade Commission (ITC) anzuweisen, den Sachverhalt auf Basis der vorliegenden Fakten neu zu prüfen und einen Bericht darüber vorzulegen, wie sich die China auferlegten Strafzölle auswirkten. Sie seien „wahrscheinlich das falsche Mittel“.

Ab dem 26. September – nach einem Jahr – soll der Strafzoll auf aus China stammende Pkw-Reifen von aktuell 35 auf dann 30 Prozent gesenkt werden; ein weiteres Jahr später dann soll der Zoll nur noch 25 Prozent betragen und dann enden. arno.borchers@reifenpresse.de

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