Studie sieht Erholung der weltweiten Automobilzulieferindustrie

Die weltweite Automobilzulieferindustrie blickt optimistischer als noch vor einigen Monaten in die Zukunft. Nach den starken Einbrüchen im letzten Jahr gehen nun mehr als 90 Prozent aller Zulieferer weltweit von einem verbesserten Wirtschaftsklima gegenüber dem Vorjahr aus. Drei Viertel erwarten sogar zweistellige Zuwächse und verweisen dabei auf eine deutliche Zunahme der Auftragseingänge. Das geht aus der aktuellen „Global-Automotive-Barometer“-Studie der Managementberatung A.T. Kearney und des Marktforschungsunternehmens SupplierBusiness hervor, für die weltweit mehr als 200 leitende Manager von Automobilzulieferern befragt worden sein sollen.

„Nach eher verhaltenen Einschätzungen Ende letzten Jahres zur Entwicklung 2010 gewinnt mittlerweile bei der Mehrheit der Automobilzulieferer eine positive Einschätzung die Oberhand. Ein Großteil der befragten Zulieferer zeigt sich im Hinblick auf Geschäftsklima sowie auf Umsatz- und Ergebniserwartungen positiv. Eine deutliche Mehrheit der Zulieferer erwartet zweistellige Wachstumsraten in diesem Jahr. Das Geschäftsklima wird nur noch von rund vier Prozent der befragten Zulieferer negativ beurteilt. Diese Einschätzung wird unterstützt durch die mehrheitliche Erwartung erhöhter Auftragseingänge“, sagt Martin Haubensak von A.T. Kearney. Auch das Bild bezüglich erwarteter Zuliefererinsolvenzen scheint sich zu drehen: Hatten vor einem Jahr fast alle befragten Zulieferer einen Anstieg der Insolvenzen erwartet, sind dies aktuell nur noch ein Drittel. Mehr als ein Drittel erwartet einen Rückgang der Insolvenzgefahr.

Die Haltung der Zulieferer zur Stabilität von Automobilherstellern bleibt jedoch unverändert skeptisch. Die meisten Zulieferer erwarten nach wie vor signifikante finanzielle Probleme von einzelnen Automobilherstellern in den nächsten drei Jahren. „Es zeigt sich, dass die Zulieferer weltweit die Weichen wieder auf Wachstum stellen. Ein Großteil der befragten Zulieferer bestätigt, sich in neuen Geschäftsfeldern und Regionen engagieren zu wollen“, so Haubensak. Große Einkaufstouren wie noch vor der Krise stehen allerdings derzeit offenbar nicht auf der Agenda. So erwägen weniger als 20 Prozent der befragten Zulieferer Akquisitionen von Wettbewerbern. Als Wermutstropfen bleibt, dass im Zuge dieser Erholung einige Zulieferer von einem schlechteren Zahlungsverhalten der Kunden berichten, während fast keiner verbesserte Zahlungsbedingungen angibt.

Als Motor des erwarteten Wachstums werden bei all dem vor allem Märkte in Asien und hier insbesondere der chinesische gesehen. Zwei Drittel der befragten Zulieferer glauben der Umfrage zufolge an eine noch weiter zunehmende Bedeutung des Standortes China. Für die Mehrheit der Zulieferer ist das Reich der Mitte nicht nur als lokaler Produktionsstandort und als Exportdrehscheibe von Interesse, von zunehmender Wichtigkeit ist das Land nun offenbar auch im Zusammenhang mit dem lokalen Aufbau von Kapazitäten zur Produktneuentwicklung in China, nachdem – so die Berater/Marktforscher – die Applikationsentwicklung bei einer Vielzahl von Unternehmen bereits verlagert worden sei.

„Die dynamische Entwicklung Chinas ist eine wesentliche Chance für die meisten Zulieferer, deren Tücken allerdings nicht zu unterschätzen sind“, meint Haubensak. Bereits heute wird die Wettbewerbsintensität in China mehrheitlich intensiver als in den Heimatmärkten wahrgenommen. Bis 2015 wird erwartet, dass nicht internationale Zulieferer mit lokaler Präsenz, sondern lokale Zulieferer die Hauptwettbewerber sein werden. „Vor dem Hintergrund einer erwarteten Konsolidierungswelle bei chinesischen Zulieferern und daraus resultierend schlagkräftigeren Wettbewerbern ist bereits heute eine weitere Intensivierung des Wettbewerbs abzusehen“, erklärt Haubensak.

Letztlich sollten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in dem Land genau verfolgt werden, um eine adäquate Marktstrategie für China entwickeln zu können, wird Zulieferern in diesem Zusammenhang geraten. Laut Einschätzung der im Rahmen der Studie Befragten sind dabei vor allem eine Zunahme von Arbeitskosten, Schwächen bei der Infrastruktur (wie beispielsweise Energieversorgung und Verlässlichkeit der Transportwege) sowie Rechtsunsicherheiten zu berücksichtigen. Demgegenüber stehen jedoch Vorteile, wie die hohe Verfügbarkeit von Arbeitskräften, die Vielzahl von höheren Bildungseinrichtungen und auch ein als besser eingeschätzter Zugang zu Rohstoffen. „Unter dem Strich überwiegen auf dem chinesischen Markt ganz eindeutig die Chancen gegenüber den Risiken“, glaubt Haubensak. „Der Weg zum Erfolg will jedoch sorgsam gebaut sein“, ergänzt er. cm

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