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Preisvergleiche: VRÖ und Arbeiterkammer im ‚Methodenstreit’

Die Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ) hat erneut einen Preisvergleich für Sommerreifen durchgeführt und damit einen ‚Methodenstreit’ hervorgerufen. Der Verband der Reifenspezialisten Österreichs (VRÖ) kritisierte, die Übersicht würde kein reales Bild der Marktsituation widerspiegeln, da etwa die teuersten und die billigsten Preise in der Berechnung enthalten sind. Solcher Ausreißer könnten, vermutet der VRÖ, reine „Phantasiepreise“ sein, die der befragte Händler in der Praxis vermutlich nur für wenige Sätze halten könne. „Wir haben kein Problem, die Preise vergleichen zu lassen“, meint VRÖ-Generalsekretär Richard Vogel. „Wir glauben aber nicht, dass das System dazu geeignet ist.“

‚Das System’, damit meint der Verband die offizielle, schriftliche Anfrage der Arbeiterkammer nach sieben Marken in je zwei Dimensionen. So mancher der später in der Veröffentlichung der Arbeiterkammer namentlich genannte Händler mag die Erhebung bewusst als Werbeplattform zu missbrauchen, so der Verdacht des VRÖ. Auch die Kammer selbst steht unter diesem Verdacht, ihre Preiserhebung zu Werbezwecken und nicht zum Konsumentenschutz zu gebrauchen. Anstelle der schriftlichen Anfragen schlägt der Verband der Reifenspezialisten das sogenannte Mystery Shopping zur Datenerhebnung vor, also das verdeckte Einkaufen. Einzig die steierische Arbeiterkammer habe bisher eine entsprechende VRÖ-Empfehlung angenommen. „Wir wollen der Bevölkerung mit der Preiserhebung eine Serviceleistung bieten“, entgegnet Manfred Neubauer von der Arbeiterkammer laut Niederösterreich-News. Ihm sei auch klar, dass die angewandte Methode nicht die einzig mögliche sei. Allerdings stehe er zu ihr. Wenn Unternehmen falsche Preise anführen würden und in der Praxis andere nennen würden, „wird sich der Konsument dagegen zu wehren wissen“. Mystery Shopping scheint Neubauer angesichts der 14 erhobenen Preise je Händler nicht praktikabel: Der Unternehmer würde schnell realisieren, dass der Shopper kein realer Kunde sei.

Während die Arbeiterkammer bei 168 niederösterreichischen Reifenhändler um Preisauskünfte angefragt hatte, folgten rund drei Viertel der Händler dem Aufruf des VRÖ, die Auskunft zu verweigern.

Zu den Ergebnissen der Erhebung: Wie auch in früheren Jahren errechnete die Arbeiterkammer auch in diesem Jahr wieder große Preisunterschiede. Die größte Differenz zwischen dem billigsten und teuersten Anbieter betrug dabei 71 Prozent bzw. 199,96 Euro. Vor einem Jahr lag die größte Differenz noch bei 85 Prozent. „Wir beobachten ein starkes Nord-Süd-Gefälle. Die Preise im Waldviertel sind grundsätzlich erheblich unter denen im Industrieviertel angesiedelt“, erklärt Manfred Neubauer von der AKNÖ. Warum dies so ist, sei schwer zu erklären, „denn eigentlich müsste im Speckgürtel um Wien mehr Wettbewerb herrschen, der die Preise nach unten drückt.“ Das sei aber offensichtlich nicht der Fall, so die Niederösterreich-News weiter: „Das Gefälle kann daher nur mit dem Einkommensgefälle zusammenhängen.“ Beim Preisvergleich sei insbesondere darauf achtzugeben, dass manche Händler die Entsorgungsgebühr sowie das Montieren und Wuchten extra berechnen, andere diese Kosten wiederum beim Reifen einpreisen. ab

Details zum Preisvergleichen finden Sie hier.

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