Aller guten Dinge sind drei: Michelin „Pilot Sport 3“ am Start

Aller guten Dinge sind drei, sagt bekanntlich ein altes Sprichwort. Aber nicht nur das dürfte mit ein Grund sein, warum der neueste Michelin-Reifen „Pilot Sport 3“ heißt: Denn schließlich tritt er die Nachfolge des „Pilot Sport PS2“ an, muss also – wenn man den Namen ansonsten beibehalten will – ja ganz zwangsläufig eine höhere Versionsnummer tragen als dieser. Und nach zwei kommt nun einmal drei. Die Drei spielt bei diesem für sportliche und besonders leistungsstarke Fahrzeuge konzipierten Reifen jedoch auch in einem anderen Zusammenhang eine Rolle. Denn nach Aussagen von Gary Guthrie, bei Michelin verantwortlich für das Marketing in Sachen Pkw-Reifen, hat man sich bei der Weiterentwicklung des Vorgängermodells vor allem auf drei Aspekte konzentriert: auf die Verbesserung der Nassbremseigenschaften, einen niedrigeren Rollwiderstand sowie eine höhere Laufleistung.

Und das offenbar mit Erfolg, da seinen Worten zufolge der „Pilot Sport 3“ auf nasser Fahrbahn drei Meter weniger Bremsweg benötigt als der „PS2“. Unter Berufung auf beim TÜV Süd in Auftrag gegebene Vergleichsmessungen ist seitens Michelin zugleich von einer in Bezug zu seinem Vorgänger um zehn Prozent höheren Laufleistung des Neuen die Rede, während man außerdem noch den Rollwiderstand um ebenfalls zehn Prozent habe senken können. Insofern sei der „Pilot Sport 3“ – sagt der Hersteller selbst – der „einzige Ultra-High-Performance-Reifen, der überragendes Fahrverhalten mit hoher Umweltschonung und wirtschaftlicher Effizienz kombiniert“. Der neue Reifen kommt 2010 in zunächst 25 Dimensionen von 16 bis 19 Zoll mit Geschwindigkeitsfreigaben von 240 bis 300 km/h (Geschwindigkeitsindizes: V, W, Y, Z) auf den Markt. Später – so Jean-François Beaupere, Produktmanager Sportreifen bei Michelin – sollen sich dazu auch Notlaufvarianten des „Pilot Sport 3“ gesellen, für den Michelin bereits erste Erstausrüstungsfreigaben (Audi A4/A5, Mercedes-Benz E63 AMG – weitere sind in demnach in Arbeit) melden kann.

„Ziel bei der Entwicklung des ‚Pilot Sport 3’ war es, die Stärken seines Vorgängers beizubehalten und gleichzeitig die Handling- und Bremseigenschaften im Nassen zu optimieren“, erklärt Beaupere. Zugleich sei der neue Reifen ein Vertreter der bereits „vierten Generation kraftstoffeffizienter Reifen“ aus dem Hause Michelin. Dank seines reduzierten Rollwiderstandes soll mit dem „Pilot Sport 3“ denn auch eine Spritersparnis von 0,1 Litern je 100 Kilometer realisierbar sein. Das wirkt sich zudem freilich auf die Kohlendioxidemissionen eines damit bereiften Fahrzeugs aus, wobei die diesbezüglich Reduzierung von Beaupere mit etwa zwei Gramm je Kilometer beziffert wird. Einen Zielkonflikt in der Reifenentwicklung zwischen einem kurzen Bremsweg im Nassen auf der einen und einem gleichzeitig möglichst niedrigen Rollwiderstand auf der anderen Seite sieht Guthrie dabei nicht. Vielmehr verdeutlich für ihn das Leistungsspektrum des neuen Michelin-Reifens einmal mehr die Strategie des Konzerns, niemals ein Leistungsmerkmal zulasten einer anderen wichtigen Produkteigenschaft zu bevorzugen.

Für Michelin bedeutet echter Fortschritt demnach, bessere Leistungen in allen relevanten Bereichen gleichzeitig zu erzielen. „Wenn der Kunde Grip, Laufleistung und Kraftstoffeffizienz will, dann geben wir ihm ein Produkt mit diesen Merkmalen“, sagt der Marketingverantwortliche. Doch dass sich hinter dem, was sich da so einfach dahergesagt anhört, ein gerüttelt Maß an Aufwand steckt, weiß sicherlich auch Guthrie. Nicht umsonst spricht der Hersteller selbst davon, dass seine Techniker bei der Entwicklung des „PS2“-Nachfolgers durchaus „ehrgeizige Ziele“ verfolgt haben. Um dem „Pilot Sport 3“ nicht nur die typischen Eigenschaften eines Sportreifens – wie etwa hohe Fahrdynamik und große Sicherheitsreserven – mit auf den Weg zu geben, sondern ihn zugleich noch in Bezug auf Kraftstoffeffizienz und Laufleistung zu optimieren, habe man auf neuartige Technologien zurückgegriffen, mit denen sich – sagt Michelin – diese Leistungssteigerungen in allen Punkten haben realisieren lassen. Beispielhaft hervorgehoben werden in diesem Zusammenhang die neue Vollsilicalaufflächenmischung „Green Power Compound“ zur Ressourcenschonung, das sogenannte „Anti-Surf-System“ gegen Aquaplaning sowie ein spezieller Reifenaufbau nach einem so bezeichneten „Programmed-Distortion-Tire“-Ansatz.

Der „Green Power Compound“ soll mehrere positive Eigenschaften miteinander verbinden können. Dazu enthält die Laufflächenmischung zwei unterschiedliche Komponenten, wie Jean-François Beaupere erklärt. Er beschreibt diese als „Nassgripelastomer“ einerseits sowie „Langlebigkeitselastomer“ andererseits. Entsprechend ihrer Namensgebung seien sie für einen möglichst kurzen Bremsweg im Nassen respektive eine hohe Laufleistung des Reifens verantwortlich. Das „Nassgripelastomer“ besitzt demnach bei einer hohen Dichte eine hervorragende Elastizität, was es der Lauffläche ermögliche, „jede noch so kleine trockene Fläche zum Kraftschluss zu nutzen“. Die „Langlebigkeitselastomer“ genannte Komponente zeichnet sich Michelin zufolge durch eine besonders hohe Abriebfestigkeit aus, halte dadurch das Gefüge der Gummimischung zusammen und sorge auf diese Weise für eine höhere Laufleistung des Reifens. Darüber hinaus ist – sagt Beaupere – der hohe Silicaanteil für das Thema Kraftstoffeffizienz verantwortlich, da die Verwendung der neuesten Generation dieses Füllstoffes dafür sorgt, dass die beim Walken des Reifens unvermeidlichen Energieverluste möglichst klein ausfallen.

Im Bemühen um einen kurzen Bremsweg bei Nässe werden die Maßnahmen aufseiten der Laufflächenmischung jedoch noch von dem „Anti-Surf-System“ unterstützt. Unter diesem Begriff subsumiert der Hersteller Optimierungen, was die Konstruktion des Reifens betrifft. Dabei haben sich die Franzosen insbesondere der Profilgeometrie auf der Reifenschulter angenommen. Sie wurde gegenüber vergleichbaren Reifen wesentlich mehr abgerundet, um dadurch Wasser schneller verdrängen und somit die Aquaplaninggefahr reduzieren zu können. Des Weiteren kommt beim „Pilot Sport 3“ erstmals die „Programmed-Distortion-Tire“-Technologie zum Einsatz. Sie stellt sicher, dass sich die Bodenaufstandsfläche unter der Einwirkung von Querkräften durch eine definierte Formänderung vergrößert und der Reifen bei Kurvenfahrt Haftung aufbauen und das Einlenkverhalten spürbar verbessern kann, sagt Michelin. Zudem wird noch auf eine spezielle Eigenschaft der Lauffläche verwiesen: Sie soll eine gleichmäßigere Temperaturverteilung und eine besonders effiziente Ableitung der Wärme ermöglichen, sodass sie sich – unabhängig von Fahrzustand und Beanspruchung – immer im optimalen Temperaturfenster bewege.

„Bei niedriger Geschwindigkeit erwärmt sich das Profil schnell und sorgt für hohen Grip. Bei hoher Geschwindigkeit (Geradeausfahrt) wird der Reifen hingegen weniger stark erwärmt, was den Rollwiderstand verbessert und gleichzeitig die Laufleistung erhöht“, so das Unternehmen. Hinter der Technologie stecke ein enormer Entwicklungsaufwand. Michelin spricht in diesem Zusammenhang von über 50.000 Stunden an Simulationen auf Hochleistungsrechnern und mehr als 100.000 Testkilometern, die für diese neue Konzerntechnologie erforderlich gewesen seien. Und so betont denn auch Guthrie, dass Michelin jedes Jahr über 500 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert. Außerdem profitierten die Serienreifen zudem noch von dem Michelin-Motorsportengagement, ergänzt er unter Verweis beispielsweise auf die zwölf Siege in Folge bei den 24 Stunden von Le Mans. Schließlich seien bei solchen Langstreckenrennen Grip bei hoher Geschwindigkeit ebenso wie die Langlebigkeit der Reifen Faktoren, die über einen Erfolg mit entscheiden können.

Mit Blick auf den „Pilot Sport 3“ sind die Franzosen jedenfalls überzeugt, dass der neue Reifen „den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird, indem er große Sicherheitsreserven mit hoher Kraftstoffeffizienz verbindet“. Und dass bei Besitzern sportlicher Fahrzeuge in Sachen Bereifung gerade diese Eigenschaften im Vordergrund stehen, hat Michelin durch eine bei den französischen Meinungsforschern vom Institut TNS Sofres in Auftrag gegebene Befragung der entsprechenden Kundengruppe in Erfahrung gebracht. Bei der im Jahr 2008 durchgeführten Umfrage unter mehr als 100 privaten Sportwagenbesitzern in Deutschland, Großbritannien und Italien soll ein Großteil der Befragten angegeben haben, von einem guten Reifen vor allem Fahrspaß ohne Sicherheitseinbußen und gleichzeitig eine hohe Laufleistung zu erwarten. Und da der Neue wegen eines „schonenden Umgangs mit den Ressourcen und der Natur“ – Michelin kennzeichnet ihn darum mit einem „Green-X“-Logo auf der Seitenwand – zudem noch „perfekt im Trend“ liege, setzt der Konzern große Hoffnungen in diesen Reifen.

Zumal interne Untersuchungen des Herstellers ergeben haben, dass die 2008 und 2009 zuletzt rückläufigen Verkaufszahlen leistungsstarker Pkw, Sportwagen und Luxusfahrzeuge in Europa jetzt wohl wieder ansteigen. „Das belebt die Nachfrage nach High-Performance-Reifen mit hohen Geschwindigkeitsfreigaben ab 2010 nachhaltig“, ist man bei Michelin angesichts dessen überzeugt. Und genau in dieser Liga spielt ja der „Pilot Sport 3“ als Nachfolger des „PS2“, der seit seiner Markteinführung vor rund sechs Jahren – so Gary Guthrie nicht ohne Stolz – immerhin über 200 Freigaben von Automobilherstellern aus der ganzen Welt erhalten hat. Nach der zu Beginn dieses Jahres erfolgten Einführung des neuen Reifens im europäischen, südamerikanischen, afrikanischen sowie asiatisch-pazifischen Markt in den wichtigsten Größen soll der für den Weltmarkt entwickelte „Pilot Sport 3“ dann übrigens 2011 auch in den USA an den Start gehen.

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