Magna Tyres: Große Reifen für kleine Nische

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Auch wenn das Geschäft mit EM-Reifen in Europa heute für die meisten Marktteilnehmer eine nicht unerhebliche Last geworden ist –Beobachter gehen von einem Rückgang von bis zu 20 Prozent insgesamt und in der Erstausrüstung sogar von bis zu 50, 60 Prozent aus –, gibt es doch weiterhin lukrative Nischen und Geschäftsmodelle, die einigen Marktteilnehmern ein sicheres Auskommen garantieren. Der holländische Spezialist Magna Tyres Group etwa hat sich in den vergangenen Jahren ganz bewusst auf radiale EM-Reifen verschiedenster Bauart und Industriereifen, die das Unternehmen im Rahmen eines Joint Ventures in Fernost produziert. Bei Magna Tyres ist man aber nicht nur von der Überzeugungskraft des Produktsortiments überzeugt, auch das globale Netzwerk an Verkaufsbüros und Servicestützpunkten mache den holländischen Spezialisten zu einem wertvollen Marktteilnehmer, ist man dort überzeugt. Und die Pläne für den weiteren Ausbau der Geschäftsfelder und der Infrastruktur stehen bereits.

Als der europäische EM-Reifenmarkt vor einigen Jahren noch durch die akute Knappheit bei zahlreichen Größen bestimmt war, beschloss Michael de Ruijter den Markt auch als Hersteller neuer Reifen zu bedienen. Bis dahin hatte das Familienunternehmen sich drei Jahrzehnte um den Handel und die Herstellung von Gummimischungen und deren Komponenten gekümmert. Mit dem dafür notwendigen Know-how aus der Reifenentwicklung war es dem jungen Unternehmen Magna Tyres Group mit Sitz im holländischen Waalwijk sehr schnell gelungen, ein entsprechendes Produktsortiment aufzulegen, für das nicht nur eine große Nachfrage auf dem chronisch knappen Markt in Europa und darüber hinaus herrschte, sondern das darüber hinaus auch die hohen Anforderungen der zum Teil verwöhnten Kundschaft bedienen konnte.

Im Mittelpunkt des Sortiments stehen daher heute EM-Reifen in diagonaler und radialer Bauweise sowie Vollgummireifen auch für den EM-Bereich. „Wir bieten das komplementärste Sortiment der Branche an“, erläutert Roger de Ruijter, Geschäftsführer der Magna Tyres Group. Gerade bei den sogenannten „Super Solid Tyres“, also Vollgummireifen, bietet Magna Reifen ab 20 Zoll und größer an, während die Sortimente der meisten namhaften Marktteilnehmer in diesen Dimensionen bereits aufhören. In Zukunft wolle man sich sogar noch mehr auf die größeren Größen bei EM-Reifen konzentrieren, so de Ruijter weiter. Man sei zwar „ein kleiner Spieler am Markt“ mit einem Umsatz von 20 Millionen Euro und 40.000 verkauften Reifen, in der speziellen Nische des Unternehmens gebe es aber nicht allzu viele Wettbewerber. So bietet Magna sogar „Super Solids“ in 33 Zoll an. Auch sei man einer der wenigen Hersteller, der in Europa eine 300-Tonnen-Presse für das Montieren von Vollgummireifen als sogenannte Press-ons betreibt.

Während der spezielle Markt für Industriereifen in der jüngsten Vergangenheit vergleichsweise wenig gelitten hat, so hat die Finanz- und Wirtschaftskrise dem Bausektor doch einen herben Dämpfer mitgegeben. Einige staatliche Bauprojekt und die immer noch gute Nachfrage aus Osteuropa, Südamerika, Afrika, USA, Kanada und Teilen Asiens wiegen die allgemeinen Einbußen in Europa zwar nicht ganz auf, sorgen aber durchaus für Entlastung. Dennoch, so erläutert Michael de Ruijter während eines Rundgangs durch das Zentrallager in Waalwijk, steht Magna Tyres Group immer noch besser da als die meisten anderen Marktteilnehmer. Das Sortiment an EM-Reifen reicht dabei von den in Europa üblichen Profilen und Dimensionen in 25 und 33 Zoll bis hin zu 51, 57 und sogar 63 Zoll großen EM-Reifen. Solche Reifen werden natürlich so gut wie nie in Europa vermarktet, sondern gehen an die Minenbetreiber in Südamerika, Afrika oder Australien.


Roger de Ruijter, Manager Berto Beulenkamp und Geschäftsführer Michael de Ruijter (von links) richten die Magna Tyres Group auf Wachstum aus 

Um dieses internationale Geschäft entsprechend erfolgreich zu koordinieren, betreibt die Magna Tyres Group ein dichtes Netzwerk an mit Spezialisten besetzten Niederlassungen mit Büros in Polen, Irland, Kasachstan, Indonesien, Vietnam, Nordamerika, Chile, Shanghai, Hongkong und natürlich Holland. Alle diese Niederlassungen (Ausnahme: Hongkong) verfügen über ein eigenes Lager, aus dem die wachsende Just-in-time-Mentalität der Kunden bedient wird. Weltweit, so erläutert Geschäftsführer Michael de Ruijter, beschäftigt die Gruppe 250 Mitarbeiter.

Dazu zählen indes nicht nur die Mitarbeiter in den Vertriebs- und Servicebüros sowie Lägern. Ebenfalls auf der Gehaltsliste der Magna Tyres Group stehen die Arbeiter in der Reifenproduktion. Während heute in der Reifenbranche oftmals mit Offtake-Agreements gearbeitet wird, hat der holländische Spezialist eine andere Konstruktion gewählt: Magna betreibt ein Joint Venture mit einem Produzenten in Fernost, der die entsprechenden Produktionskapazitäten besitzt.

 mietet Produktionskapazitäten in zwei Fabriken in China und einer in Taiwan. Die Formen gehören Magna, die Maschinen zum Reifenbau indes dem Vermieter; die Mischungen wiederum und das Produktionspersonal stammen aus der Magna-Unternehmensgruppe. Man lege großen Wert darauf, nicht als „chinesischer Hersteller“ tituliert zu werden; Magna Tyres ist „ein niederländischer Hersteller von EM- und Industriereifen“ mit Produktionen in Asien, so Geschäftsführer Michael de Ruijter, dem die Führung des operativen Geschäftes obliegt; der komplette Produktionsprozess werde dabei von der Zentrale kontrolliert. An den Produktionsstandorten in Fernost fertigt Magna Tyres zum Teil mehr Reifen als der Joint-Venture-Partner selbst dort für seinen Heimatmarkt fertigt.

Expansion am Standort Waalwijk

Obwohl der durchschnittliche Bestand im Lager im holländischen Waalwijk zwar heute nur bei rund einem Drittel dessen liegt, was noch in der Boom-Phase vor einigen Jahren eingelagert war, denkt die Magna Tyres Group bereits wieder an Expansion. Zum Zeitpunkt des Gesprächs mit der NEUE REIFENZEITUNG Ende September etwa befanden sich mehrere Übersee-Container auf dem Weg nach Waalwijk, um das Lager wieder aufzufüllen. Aktuell verfüge man über 7.000 m² überdachte Lagerfläche auf einem 12.000 m² großen Grundstück. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Lagerfläche wird derzeit modernisiert. Darüber hinaus bietet die erst 2007 erworbene Immobilie rund 800 m² Bürofläche, die derzeit zur neuen Unternehmenszentrale ausgebaut wird. Insgesamt investiert Magna rund 3,5 Millionen Euro in die Infrastruktur am Standort in Waalwijk. Für die Zukunft habe man aber schon eine der benachbarten Immobilien im Auge, so Michael de Ruijter gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG.

Ein Teil des künftigen Geschäftes wird auch aus Lkw-Neureifen bestehen. Wie Magna Tyres mitteilt, habe man ursprünglich bereits in diesem Sommer eigene Lkw-Reifen in Europa einführen wollen. „Damit können wir unseren Kunden das komplette Sortiment anbieten“, so de Ruijter. Ein entsprechender Plan sei aber zunächst aufgrund der allgemeinen Marktsituation bei Lkw-Reifen verschoben worden.

Im Mittelpunkt der Geschäfte in Europa stehen dabei die Märkte Deutschland, Frankreich und natürlich Benelux. Dazu gehören auch Erstausrüstungskunden in allen Produktsegmenten. Große Erwartungen hat das Unternehmen an die Bauma-Messe im April 2010. Dort wolle man wieder mit einem großen Stand Präsenz zeigen (Halle 6, Stand A6.101); im Nachgang zur letzten Bauma vor zwei Jahren hatte sich das Geschäft mit Industrie- und EM-Reifen vervielfacht, so de Ruijter weiter. Einen solchen Impuls erwartet der Nischenanbieter auch für die kommende Veranstaltung. „Magna“ sei mittlerweile als Marke anerkannt.

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