Michelin-Tipps rund um die Reifenwahl für Nutzfahrzeuge im Winter

Angesichts der von Michelin gemachten Erfahrung, dass jeden Winter mehr oder weniger dieselben Fragen danach gestellt werden, wie die ideale wintertaugliche Ausrüstung für Nutzfahrzeuge aussieht und welche Reifen Lkw bzw. Busse in der kalten Jahreszeit benötigen, um sicher unterwegs zu sein, hat der Reifenhersteller einige Tipps rund um dieses Thema zusammengestellt. „Für Reifenwahl und -pflege gibt es einige Faustregeln, die dazu beitragen, gut durch den Winter zu kommen: Naht der Herbst, sollten Reifen mit gutem Profil montiert sein“, empfiehlt Michelin beispielsweise. Bei der Reifenwahl sollten demnach außerdem die klimatischen Verhältnisse, die Einsatzregionen und -strecken mit berücksichtigt werden – und natürlich die geltenden gesetzlichen Vorgaben. Doch was heißt das nun eigentlich im Detail?

Zunächst einmal sollte man sich aus Michelin-Sicht vor Augen halten, dass sich Reifen für Nutzfahrzeuge grundlegend von Pkw-Reifen unterscheiden. „Lkw werden achsspezifisch bereift. Die Reifen müssen hohen Radlasten standhalten und werden mit Luftdrücken von bis zu neun bar eingesetzt. Auslastung und Bodendruck von Nutzfahrzeugreifen liegen deutlich höher als bei Pkw-Reifen“, erklärt das Unternehmen, warum alle Nutzfahrzeugreifen mit druckfesten Laufflächenmischungen ausgestattet sind und das Phänomen des Aquaplanings bei Lkw – anders als bei Pkw – weitgehend unbekannt ist. Im Hinblick auf die Wintertauglichkeit von Nutzfahrzeugreifen komme es im Wesentlichen auf die Profilgestaltung und die Tiefe des Profils an, wobei die Profile auf die jeweiligen Achspositionen und Einsatzbedingungen abgestimmt werden. „Während sich bei Pkw auf allen vier Radpositionen die gleichen M+S-Profile einsetzen lassen, fallen bei Nutzfahrzeugen die fahrdynamischen Erfordernisse an Reifen und der abrollbedingte Reifenverschleiß von Achse zu Achse unterschiedlich aus, was verschiedene Profile erfordert“, erklärt der Reifenhersteller.

Wie gut und sicher ein Nutzfahrzeug im Winter unterwegs sei, hänge vor allem von der Antriebsachse und ihrer Bereifung ab, sagt Michelin. Denn wie es heißt, sind es im Wesentlichen die Antriebsachsreifen, die maßgeblich für die geforderte Haftung sorgen – zumal die Antriebsachse in der Regel am stärksten belastet ist und sich schon allein deswegen die aufzubringenden Kräfte über sie am besten übertragen lassen. Beim Bremsen wirken Retarder und Motorbremse ebenfalls auf die Antriebsachse und entsprechend über die Reifen. Insofern sollten für perfekte Traktion und optimale Verzögerung beim Bremsen auf winterlichen M+S Reifen an dieser Achsposition montiert sein. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass sämtliche Michelin-Antriebsachsreifen die M+S-Kennzeichnung besitzen und damit „grundsätzlich für den Winter geeignet“ sind. Da die Wintertauglichkeit der Reifen insbesondere über das Profil beeinflusst wird, weist es bei Antriebsachsreifen Stollen auf, die mit Lamellen durchzogen sind. „Solche Profile wirken meist ziemlich geschlossen, bieten aber dank ihrer Stollen einen guten Formschluss zum Untergrund und dank ihrer zahlreichen Lamellen, die sich beim Abrollen öffnen, eine gute Mikroverzahnung und damit eine hervorragende Haftung“, erklärt der Reifenhersteller.

Lenkachsreifen weisen überwiegend in Längsrichtung orientierte Profile auf, um auf diese Weise für einen möglichst guten Geradeauslauf zu sorgen. Aber auch hier sind Lamellen für zusätzliche Haftung verantwortlich, wobei die Lamellentechnologie ein Kapitel für sich ist und Unternehmen wie Michelin auf diesem Gebiet immer wieder mit Neuem aufwarten können. Den neuesten Entwicklungsstand bei den Franzosen verkörpern die im Rahmen der sogenannten „Durable Technologies“ des Konzerns entwickelten Wassertropfenlamellen und die doppelt gewellten Lamellen. Die für die Lenk- und Triebachse geeigneten doppelt gewellten Lamellen sind horizontal und vertikal strukturiert, reichen bis zum Profilgrund und sollen sich gegenseitig blockieren sowie gleichzeitig damit den Profilstollen stabilisieren. Die für die Antriebsachse konzipierten Wassertropfenlamellen, welche in Kombination mit der doppelt gewellten Lamelle eingesetzt werden, bestehen im unteren Bereich aus zylindrischen Kanälen, die beim Neureifen in der Mitte des Profilstollens verborgen sind. „Wenn das Profil zu zwei Dritteln abgefahren ist, öffnen die Kanäle sich nach und nach zu neuen Profilrillen. Das Profil erneuert sich sozusagen automatisch“, wird anschaulich eine Charakteristik dieses Ansatzes erklärt. Als Folge daraus verspricht Michelin für seine Lkw-Reifengeneration mit „Durable Technologies“ gleichbleibend gute Haftung über die gesamte Lebensdauer – auch wenn die Profiltiefe abnimmt.

Aber die Reifenwahl hängt freilich nicht nur von der Achsposition ab, sondern auch von den klimatischen Verhältnissen der Region, in welcher der Lkw oder Bus vorwiegend unterwegs ist. Konkret unterscheidet der französische Konzern diesbezüglich zwischen „zwei Arten von Winter“, die unterschiedliche Anforderungen an die Bereifung stellen. Der „normale“ Winter entspricht in diesem Szenario den durchschnittlichen mitteleuropäischen Verhältnissen und ist geprägt von meist wechselhaften unsicheren Fahrbahnbedingungen mit teils trockenen und dann wieder nassen oder mit Schnee bzw. Schneematsch bedeckten Straßenabschnitten, auf denen Räum- und Streudienste in eher kurzen Intervallen im Einsatz sind. Als „extreme“ Winter werden solche Verhältnisse bezeichnet, die denen in Skandinavien oder in Mittel- und Hochgebirgslagen ähneln und durch schneereiche Gebiete, lang anhaltende und gleichbleibende Fahrbahnbedingungen, starken Schneefall, festgefahrene Schneedecken, streckenweise Schneekettenpflicht, Eis sowie allgemein größtenteils ungeräumte Straßen (weil Räum- und Streudienste in vorwiegend längeren Intervallen unterwegs sind) charakterisiert werden.

Angesichts dessen empfiehlt Michelin zwei Handlungsoptionen: „Bei normalem Winter genügt es, die Antriebsachse mit M+S Reifen auszustatten. Bei extremem Winter kann es erforderlich sein, M+S Reifen auch auf der Lenkachse anzubringen.“ Auch auf der Lenkachse M+S-Reifen einzusetzen, sei nur bei extremem Winter sinnvoll bzw. wirtschaftlich vertretbar, heißt es. Bei durchschnittlichen mitteleuropäischen Winterverhältnissen sei ratsam, auf der Lenkachse ganzjährig spezielle Lenkachsreifen einzusetzen. „Sie sind mit ihren überwiegend längs orientierten Profilen auf optimale Spurhaltung ausgelegt und gewährleisten damit eine gute Lenkfähigkeit des Fahrzeugs. Der gleichmäßige Profilverschleiß sorgt für gleichbleibende Druckverhältnisse in der Aufstandsfläche und damit für gute Verzögerungswerte beim Bremsen“, so Michelin unter Verweis darauf, dass bei der Reifenwahl freilich auch immer der Einsatzzweck – beispielsweise Fernverkehr, Nahverkehr oder gemischter Betrieb – im Auge behalten werden sollte.

Basierend auf diesen Einsatzsegmenten gliedert sich das M+S-Nutzfahrzeugreifenangebot bei dem französischen Hersteller folglich in das Segment A für den Fernverkehr und das Segment E für den Nahverkehr. Abgerundet wird das Lieferprogramm durch Allrounder wie den neuen „X MultiWay XD“ oder den „XDN 2 Grip“ für den gemischten Fern- und Nahverkehrseinsatz. Bei besonders schwierigen Witterungsverhältnissen sollen Reifen des Segments N für optimalen Grip sorgen, und für Busse bietet Michelin speziell konzipierte Reifen für Reise-, Regional- und Kommunalverkehr an.

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