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BVfK: Abwrackprämie ohne nachhaltige Wirkung

Der Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK) zieht für die Kfz-Branche eine ernüchternde Bilanz der Konjunkturförderung (Umwelt- oder Abwrackprämie). „Die Milliarden werden Hersteller und Handel nicht aus dem Tal hergeholt haben“, stellt BVfK-Vorstand Ansgar Klein fest und befürchtet, dass über 70 Prozent der 5-Milliarden-Subvention verpuffen werden, da große Teile der subventionierten Käufe zu Lasten des Gebrauchtwagenhandels (ca. 30 Prozent) und zukünftiger Neuwagenabsätze (45 Prozent Vorzieheffekt) gehen. Punktuelle Subventionen sind nach Meinung des Verbandes Gift für die Branche. Sie stimulieren zu Lasten anderer Branchensegmente wie auch der Gesamtkondition.

Kleinwagen sind jedenfalls die Gewinner der staatlichen Förderung: Laut Kraftfahrt-Bundesamt legten Minis um 144 Prozent und Kleinwagen um 67,5 Prozent zu. Verlierer sind Mittelklasse und obere Mittelklasse (-16,8 Prozent und -22,5 Prozent) sowie Sportwagen (- 29,1 Prozent). Deutsche Hersteller sind im Übrigen das Schlusslicht in Europa. Mit einem Zuwachs von 99 Prozent profitieren die koreanischen Hersteller am meisten vom Abwrackboom, dicht darauf italienische Hersteller mit 87 Prozent, französische 73 Prozent und tschechische 66 Prozent. Deutschland (+14 Prozent) bildet mit den USA (+5,9 Prozent) das Schlusslicht der profitierenden Länder, Schweden (-11,5 Prozent) und Großbritannien (-33,5 Prozent) sind die Verlierer.

Stimmung im Freien Kfz-Handel geteilt

Eine Befragung der BVfK-Mitglieder hat zu folgendem Ergebnis geführt:

1.) Situation der überwiegend mit Neuwagen Handelnden von Januar bis  August 2009: Bei 12,5 Prozent blieb der Umsatz unverändert, bei 37,5 Prozent ist der Umsatz gestiegen, bei 50 Prozent sogar gesunken.

2.) Prognose der überwiegend mit Neuwagen Handelnden für die nächsten zwölf Monate (09/2009 bis 08/2010): 25 Prozent erwarten, dass der Umsatz steigen wird, 75 Prozent gehen davon aus, dass der Umsatz sinken wird.

3.) Situation der überwiegend mit Gebrauchtwagen Handelnden von Januar bis August 2009: Bei 12,5 Prozent blieb der Umsatz unverändert, bei 20,83 Prozent ist der Umsatz gestiegen, bei 66,67 Prozent gesunken.

4.) Prognose der überwiegend mit Gebrauchtwagen Handelnden für die nächsten zwölf Monate (09/2009 bis 08/2010): 20,83 Prozent erwarten, dass der Umsatz stagnieren wird, 25 Prozent eine Steigerung, 54,16 Prozent gehen davon aus, dass der Umsatz sinken wird (33 Prozent der befragten Händler handeln überwiegend mit Neuwagen, 66 Prozent mit Gebrauchten).

Konzepte, die den Wandel intelligent begleiten: Die Kfz-Branche befindet sich in einem globalen Wandel. Vor dem Hintergrund, dass der Bedarf an Kraftfahrzeugen in den großen Wirtschaftsländern seit Jahren unvermeidbar rückläufig ist, können Subventionen nur zur Stabilisierung dieser Entwicklung eingesetzt werden und müssen langfristig, ganzheitlich und nachhaltig konzipiert sein.

Neu- und Gebrauchtwagenabsatz bilden eine Einheit: Eine Ankurbelung des Neuwagengeschäfts, ob durch Staatssubventionen oder Maßnahmen der Hersteller, geht immer zu Lasten des Gebrauchtwagenmarktes. In Folge der so in den vergangenen 18 Monaten dramatisch eingebrochenen Gebrauchtwagenpreise dürfte die Kauflust auf einen nicht mehr subventionierten Neuwagen weiter sinken, wenn „der Alte“ nichts mehr wert ist.

Ökologie und Ökonomie sind die entscheidenden Zukunftsparameter: Daher gelte es gleichermaßen, umweltfreundliche wie auch sparsame Autos kontinuierlich über einen langen Zeitraum zu fördern – Neue wie Gebrauchte –, bei der Herstellung wie in der Nachrüstung, meint der Verband. Der BVfK begrüßt daher, dass seit 1. August  die  Nachrüstung von Gebrauchtwagen mit Rußpartikelfilter mit 330,- Euro gefördert wird.

Steuerungerechtigkeiten beseitigen: Die 1-Prozent-Regelung dürfe sich nur noch auf den tatsächlich gezahlten Kaufpreis beziehen. Die auch Dienstwagensteuer genannte Regelung gehöre ebenso auf den Prüfstand wie kürzlich die Pendlerpauschale, so der BVfK. Der Bruttolistenpreis des Neuwagens dürfe nicht mehr die Bezugsgröße sein, da fast niemand mehr einen Neuwagen zum Listenpreis kauft. Fachleute halten die Regelung auch unter europäischen Gesichtspunkten für bedenklich, da der freie Wettbewerb im europäischen Warenhandel behindert wird.

Die Ungerechtigkeit werde beim Gebrauchtwagenkauf besonders deutlich, schreibt der BVfK: Der Mitarbeiter eines Unternehmens muss die private Nutzung eines für 15.000,- Euro angeschafften Gebrauchtwagens mit einem früheren Neupreis von 30.000,- Euro  genau so hoch versteuern, als wäre das Fahrzeug neu angeschafft worden. Auch hier gelten ganzheitliche Perspektiven: Eine Belebung des Gebrauchtwagengeschäftes, wozu auch Jahreswagen gehören, fördert auch unmittelbar den Neuwagenabsatz.

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