Leichtmetallrädermarke Autec soll „aus der konservativen Ecke“ heraus

Seit gut einem Jahr führt Dipl.-Ing. Bernhard Ellerböck (57) die Geschäfte der Aluminiumrädermarke Autec (Schifferstadt). Die ist im Markt gut eingeführt, seine Vorgänger bzw. seine direkte Vorgängerin Irmgard Barth hätten eine sehr gute Aufbauarbeit geleistet, lobt Ellerböck, ihm als langjährig Brenchenerfahrenen sei die Aufgabe übertragen worden, die Autec GmbH & Co. KG auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten, auch partiell neu auszurichten, ohne die Tugenden und Stärken des Unternehmens aufzugeben.

Erste sichtbare Erfolge kann er bereits vorweisen, beispielsweise in Form neuer Stylings, eines behutsamen Relaunch des Corporate Design oder einer Stärkung der Exportaktivitäten, die zurzeit nur für etwa zwanzig Prozent des Umsatzes stehen. Wobei ihm gerade beim letzten Punkt seine langjährige internationale Erfahrung zugutekommen dürfte: über einen langen Zeitraum hinweg global als Repräsentant eines brasilianischen Unternehmens, über einen kurzen Zeitraum hinweg in Diensten eines aufstrebenden türkischen Unternehmens. Bernhard Ellerböcks Herangehensweise an die ihm übertragene Aufgabe ist einerseits geprägt von seinem Bestreben, Bewährtes ja nicht einzureißen, nur weil er jetzt da ist, andererseits wird seine Handschrift immer deutlicher.

In dieser schnelllebigen Aluminiumräderbranche erscheint Autec – gegründet ursprünglich 1988 als Tochtergesellschaft des damaligen Stahlradherstellers Südrad Autoräder GmbH (Ebersbach/Fils) – schon fast wie ein Traditionsunternehmen. Das mag vielleicht auch damit zusammenhängen, dass die Designpalette immer etwas konservativ war, Autec erschien nie so recht als innovativer Trendsetter, aber immer als respektabler Follower. Das Wintergeschäft entwickelte sich, Autec bestreitet damit heute bezogen auf Stückzahlen etwa 55 Prozent des Geschäftes.

Angesiedelt im mittleren Preissegment, schwamm Autec immer im Mainstream und tut es noch immer. Ganz im Sinne einer konsequenten Verbraucherorientierung achtete man stets darauf, dass beispielsweise Schneekettenfreigaben vorlagen, der Kunde sollte es möglichst unkompliziert haben, Rad und Reifen drauf aufs Fahrzeug und fertig. In diesem Sinne funktioniert auch seit Langem das ausgefeilte Vertriebs- und Logistiksystem tadellos und hat dem Unternehmen den Ruf großer Zuverlässigkeit hinsichtlich Lieferzeiten und verlässlicher Terminplanung eingebracht. Das noch von Ellerböcks Vorgängerin Barth installierte Händler-Online-Portal wird permanent weiterentwickelt und hilft damit maßgeblich, dieses Image aufrechtzuerhalten: 98 Prozent der Ware sind am Tag nach Bestelleingang beim Kunden. Nicht zuletzt tragen aber auch die vom Vertriebsleiter und Prokuristen Thomas Geis langjährig intensiv gepflegten Kundenkontakte in der gesamten Branche ganz wesentlich zum Erfolg des Unternehmens bei. Er – und/oder jemand aus dem Team – stellen sich den Kunden darüber hinaus auch mit einem eigenen Stand auf der „Reifen“ bzw. durch Teilnahmen vor allem bei Hausmessen größerer Vertriebsketten.

Das alles ist auch gut so und gehört zu den Positiva, die Ellerböck bewahren und als Pfund im Wettbewerb weiter nutzen will. Natürlich folgt darauf das „Aber“: Wer ein Tuningrad kreieren will, der muss auch bereit sein, gegebenenfalls hier auf eine Schneekettenfreigabe zu verzichten; wer ein gewagtes, vielleicht sogar etwas „verrückt“ anmutendes Neudesign in den Markt bringen will, der muss auch das Risiko zu tragen bereit sein, möglicherweise einen Flop zu erzeugen. Das wollen der Autec-Geschäftsführer und sein junges Team bestehend aus 25 Mitarbeitern – von denen vier erst im letzten Jahr neu eingestellt worden sind – natürlichst tunlichst vermeiden.

Wer Neues schaffen will, muss auch bereit sein, sich von Altem zu trennen. „Ethos“ als Sommerrad Nummer 1 bleibt dabei natürlich ebenso unangetastet wie das meistverkaufte „Ganzjahresrad“ Baltic. 569 verschiedene Radvarianten in 18 Designfamilien und Dimensionen von 13 bis 20 Zoll – Stand Mitte Juli – sind üppig, werden aber auch kaum weniger werden. Aber je mehr Initiativen in neue Projekte gesteckt und diese auch realisiert werden, desto eher müssen Altbestände ausgemerzt werden. Ohnehin stand Autec wohl nicht ganz zu Unrecht in dem Ruf, längere Produktzyklen zu haben als die meisten vergleichbaren Mitbewerber. Das passt sicherlich nicht mehr in die Zeit, präsentiert Bernhard Ellerböck die vier Neuheiten des Jahres 2009 – Ios schwarz-poliert, Limit black schwarz-poliert sowie Zenit in silber-lackiert und in anthrazit-matt-lackiert – und gibt auch schon mal einen Ausblick auf drei neue Radfamilien für das Jahr 2010, der aber aus Wettbewerbsgründen noch unter „top secret“ stehen und hier darum nicht gezeigt werden kann.

Autec erfindet sich neu

Es ist nicht das erste Mal, dass die Marke Autec sich neu erfindet: Das erste Mal passierte dies knapp zehn Jahre nach Gründung: Die alte Muttergesellschaft war insolvent, für Stahl- wie Alubereich wurden Interessenten gesucht. Und für das Alurädergeschäft interessierte sich der Idsteiner Rechtsanwalt Dr. Heinz Berger, der es schließlich übernahm und in seine eigene BCW Fahrzeugtechnik überführte. Seinerzeit war BCW selbst eine vielleicht nicht sonderlich bekannte, bei Insidern aber sehr wohl beachtete Alurädermarke und Ausdruck des Faibles, den Berger für dieses Metier hat.

Ihm, der inzwischen 61 ist, gehört Autec noch heute, er hat die Entwicklung des Unternehmens stetig gefördert, ohne sich intensiv ins Tagesgeschäft einzumischen. Heute steht Autec für einen Umsatz im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Für diesen ersten Neuanfang im Jahre 1997 war ein Umzug von Göppingen nach Mutterstadt erforderlich, der bereits kurz nach der Übernahme erfolgte. Das Unternehmen florierte dort prächtig mit der Folge, dass es aus den Nähten zu platzen drohte und im Jahre 2003 ein erneuter Umzug erforderlich wurde: nach Schifferstadt und mit einem völligen Neubau samt Lagerfläche für eine Kapazität von etwa 140.000 Rädern auf einer Fläche von gut 4.000 Quadratmetern. Der Bestand umfasst auch immer ein von Ellerböck so benanntes „4-Monate-Sicherheitslager“.

Was vor gut einem halben Jahrzehnt ein enormes finanzielles Investment des Heinz Berger war, ist heute in dieser Branche schon fast ein Alleinstellungsmerkmal. Das Unternehmen ist wirtschaftlich kerngesund, etwaige Abhängigkeiten von Banken gibt es nicht, das Areal in der Schifferstädter Ziegeleistraße ist sein Eigentum – und wird gegebenenfalls sogar bald noch vergrößert. Auf ein Nachbargrundstück besteht ein Vorkaufsrecht, was dort möglicherweise entstehen soll, sei noch nicht spruchreif, hält sich B. Ellerböck bedeckt.

Die Geschichte Autecs wird also fortgeschrieben getreu dem Firmenmotto „Stillstand ist Rückschritt“, das keine Floskel ist, sondern gelebt wird. Wenn Dipl.-Ing. Ellerböck sagt, „es bewegt sich viel“, dann meint er damit auch die Produzentenseite. Womit er eigentlich eine von Berger initiierte Hauspolitik fortsetzt, die beinhaltete, im Niedrigkostenland China bei einem qualitätsorientierten Hersteller (zu erkennen beispielsweise daran, dass er alle erdenklichen international anerkannten Qualitätszertifikate hat und/oder Erstausrüsterstatus) fertigen zu lassen. „Mit einer Nuance“, schränkt Ellerböck ein, „wir werden zwar auch weiterhin mehrere Produzenten beauftragen (z. Zt. 4, d. Red.), um unabhängig von Einzelnen zu bleiben, aber nicht mehr nur in China, sondern auch andernorts in Fernost, um unabhängig vom Land zu sein.“ Niederdruckguss, je hundertprozentige Röntgen- und Dichtigkeitsprüfung, Wärmebehandlung etc. sind dabei schon mal Fertigungskriterien, die gewährleistet sein müssen, um überhaupt in Erwägung gezogen zu werden für Autec-gemäße Qualitäten.

Ein Glücksfall für den Aluräderanbieter: Autec konnte einen hochqualifizierten Mitarbeiter reaktivieren, der bereits früher fürs Unternehmen gearbeitet hat, heute in China lebt und ein gestrenges Auge auf die Produktion der Felgen legt, die die Reise nach Europa antreten und den Namen Autec tragen sollen. Dennoch ist die Wareneingangskontrolle nach dem Transport in Schifferstadt derart penibel unter Einsatz moderner Mess- und Prüfmittel, dass sie den Ansprüchen einer echten Qualitätskontrolle vollauf gerecht wird.

„Gefüttert“ werden die fernöstlichen Produktionsstätten durch Entwicklungen im eigenen Hause in Schifferstadt. Unersetzlich ist hier der Geschäftsführer der Muttergesellschaft BCW, Dieter Baader, der in der Rädertechnik über einen 23-jährigen Erfahrungshorizont verfügt und der den technischen Leiter Marc Heissler eingeführt hat. Die seit drei Jahren von Heissler geleitete hausinterne Design- und Technikabteilung kann auf CAD-/CAM-Programme zurückgreifen, die „state-of-the-art“ sind. Mittels FEM-Analyse können schon im Vorfeld der Produktion das optimale Gewicht und die maximale Tragfähigkeit des Rades errechnet werden, wobei „das Thema Gewicht“ immer wichtiger werde, ergänzt Autec-Geschäftsführer Ellerböck, und darum lege er einen zusätzlichen Fokus auf dieses Kriterium – noch ein Aspekt, bei dem er Veränderungen in aller Behutsamkeit, aber doch beharrlich vorantreibt.

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