Rubber Group stützt Ergebnis der Continental AG

Die Continental AG hofft nach einem erneuten Quartalsverlust auf eine Belebung im zweiten Halbjahr. Im Vergleich zum Jahresauftakt konnte der Fehlbetrag in der Zeit von April bis Juni eingedämmt werden, wie dem heute vorgelegten Bericht zu entnehmen ist. Operativ gelangen der Continental sogar wieder schwarze Zahlen. Dabei zeigt sich einmal mehr, dass die Reifendivision das finanzielle Rückgrat des Unternehmens darstellt. Während etwa der Umsatz der Rubber Group im zweiten Quartal um 22,5 Prozent auf jetzt 1,93 Milliarden Euro zurückging, sackte der Konzernumsatz im zweiten Quartal um 28 Prozent auf 4,76 Milliarden Euro ab; während der Konzern-EBIT im Quartal um 91,5 Prozent auf 38,8 Millionen Euro fiel, trug die Rubber Group immerhin einen EBIT von 225,4 Millionen Euro bei (-26,8 Prozent). Der Vorstandsvorsitzende Dr. Karl-Thomas Neumann nannte die Rückkehr in die operative Gewinnzone ein „Etappenziel“. Das verbesserte Ergebnis resultiere größtenteils aus dem umfassendsten Umstrukturierungs- und Kostensenkungsprogramm der Unternehmensgeschichte. „Wir müssen und werden den eingeschlagenen Kurs konsequent fortsetzen.“

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Die Continental AG habe während der anhaltenden Krise der Automobilbranche im ersten Halbjahr 2009 den Grundstein für eine kontinuierliche Verbesserung der operativen Ergebnisse gelegt, heißt es dazu in einer Veröffentlichung. Der internationale Automobilzulieferer rechne nach bereits deutlich schwarzen Zahlen beim bereinigten operativen Ergebnis in Höhe von 248,7 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten 2009 für das zweite Halbjahr mit einer weiteren Belebung. „Die Ergebnisse der harten Arbeit der gesamten Continental-Mannschaft der vergangenen Monate werden zunehmend sichtbar. Gemeinsam haben wir in einem äußerst schwierigen Marktumfeld mit der Rückkehr in operativ schwarze Zahlen ein wichtiges Etappenziel erreicht. Das verbesserte Ergebnis resultiert größtenteils aus dem umfassendsten Restrukturierungs- und Kosteneinsparungsprogramm der Unternehmensgeschichte. Wir müssen und werden den eingeschlagenen Kurs konsequent fortsetzen“, sagte der Continental-Vorstandsvorsitzende Dr. Karl-Thomas Neumann am Donnerstag in Hannover.

Während der ersten sechs Monate 2009 verringerte sich der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31,6 Prozent auf 9.063,2 Millionen Euro (Vorjahr: 13.254 Millionen Euro). Bereinigt um Konsolidierungskreis- und Währungskursveränderungen ergibt sich ein Rückgang um 30,2 Prozent.

Während des zweiten Quartals 2009 verringerte sich der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28 Prozent auf 4.761,2 Millionen Euro (Vorjahr: 6.614,6 Millionen Euro). Bereinigt um Konsolidierungskreis- und Währungskursveränderungen beträgt der Rückgang 27,4 Prozent; im ersten Quartal ergab sich auf vergleichbarer Basis ein Rückgang um 33 Prozent.

Das bereinigte operative Ergebnis des Konzerns verringerte sich während des ersten Halbjahrs 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 935,0 Millionen Euro bzw. 79 Prozent auf 248,7 Millionen Euro (Vorjahr: 1.183,7 Millionen Euro) und entspricht 2,8 Prozent (Vorjahr: 9,2 Prozent) vom bereinigten Umsatz. Das bereinigte operative Ergebnis reduzierte sich während des zweiten Quartals 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 318,8 Millionen Euro bzw. 53 Prozent auf 283 Millionen Euro (Vorjahr: 601,8 Millionen Euro) und entspricht sechs Prozent (Vorjahr: 9,3 Prozent) vom bereinigten Umsatz. Im ersten Quartal 2009 ergab sich auf vergleichbarer Basis ein bereinigtes operatives Ergebnis in Höhe von -34,3 Millionen Euro.

Das operative Konzernergebnis (EBIT) verringerte sich im ersten Halbjahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 1.038,6 Millionen Euro bzw. 113,8 Prozent auf -126,2 Millionen Euro (Vorjahr: 912,4 Millionen Euro). Die Umsatzrendite reduzierte sich auf -1,4 Prozent (Vorjahr: 6,9 Prozent). Das EBIT lag im zweiten Quartal aber mit einem Plus von 38,8 Millionen Euro um mehr als 200 Millionen Euro über dem EBIT des ersten Quartals. Das Konzernergebnis den Anteilseignern zuzurechnen verringerte sich um 226,6 Prozent auf -457,1 Millionen Euro (Vorjahr: 361,1 Millionen Euro) und das Ergebnis pro Aktie auf -2,70 Euro (Vorjahr: 2,23 Euro).

Im ersten Halbjahr 2009 wurden 413,7 Millionen Euro (Vorjahr: 731,5 Millionen Euro) in Sachanlagen und Software investiert. Die Investitionsquote beträgt 4,6 Prozent (Vorjahr: 5,5 Prozent). Der Aufwand für Forschung und Entwicklung verringerte sich im ersten Halbjahr 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 730,6 Millionen Euro (Vorjahr: 839,6 Millionen Euro), entsprechend 8,1 Prozent vom Umsatz (Vorjahr: 6,3 Prozent).

Die Nettofinanzschulden des Konzerns lagen am 30. Juni 2009 mit rund 9,75 Milliarden Euro um rund 1,23 Milliarden Euro unter dem Stand vor einem Jahr und damit erstmals seit der VDO-Akquisition wieder unter 10 Milliarden Euro. Aufgrund des gleichzeitig vor allem durch die zum Jahresende 2008 erfolgten Goodwill-Abschreibungen um 1,78 Milliarden Euro auf rund 5,24 Milliarden Euro zurückgegangenen Eigenkapitals verschlechterte sich trotz der geringeren Nettoverschuldung die Gearing Ratio (das Verhältnis von Nettofinanzschulden zu Eigenkapital) im Vergleich zum 30. Juni 2008 auf 186,1Prozent (Vorjahr: 156,4Prozent).

Das Zinsergebnis verbesserte sich während der ersten sechs Monate 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 46,8 Millionen Euro auf -329,2 Millionen Euro (Vorjahr: -376 Millionen Euro). Die Verbesserung gegenüber dem Vorjahr ist insbesondere auf zum großen Teil nicht zahlungswirksame Währungskurseffekte zurückzuführen, die mit 7,6 Millionen Euro um 71 Millionen Euro über dem Vorjahreswert lagen (Vorjahr: -63,4 Millionen Euro). Für das erste Halbjahr 2009 ergibt sich ein Free Cashflow in Höhe von 689,8 Millionen Euro (Vorjahr: 152,8 Millionen Euro). Dies ist im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 eine Steigerung in Höhe von 537,0 Millionen Euro. Per 30. Juni 2009 verfügte Continental über ein Liquiditätspolster in Höhe von insgesamt 4.024,7 Millionen Euro, davon 2.000,5 Millionen Euro an flüssigen Mitteln sowie ungenutzte Kreditlinien im Volumen von 2.024,2 Millionen Euro.

Zum Ende des zweiten Quartals waren im Konzern 130.534 Mitarbeiter beschäftigt, das entspricht einem Rückgang von 8.621 Personen im Vergleich zum Jahresende 2008. Die Personalreduzierungen seien im Wesentlichen auf das verschlechterte gesamtwirtschaftliche Umfeld zurückzuführen.

Der Blick in die beiden Unternehmensgruppen des Continental-Konzerns zeigt zum einen die unverändert deutlichen Auswirkungen der noch vorherrschenden globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Gleichzeitig wird aber auch eine substanzielle Verbesserung der operativen Ergebnisse sichtbar: In der Automotive Group erreichte die Division Chassis & Safety im ersten Halbjahr ein bereinigtes operatives Ergebnis von 88,4 Millionen Euro, davon 87,8 Millionen Euro im zweiten Quartal. Die Division Powertrain halbierte im zweiten Quartal ihr negatives bereinigtes operatives Ergebnis auf – 46,9 Millionen Euro. Die Division Interior erreichte im zweiten Quartal mit -6,4 Millionen Euro beim bereinigten operativen Ergebnis nahezu den Break-even.

Der Rubber Group gelang in einem unverändert widrigen Marktumfeld im zweiten Quartal mehr als eine Verdoppelung des bereinigten operativen Ergebnis des ersten Quartals auf 382 Millionen Euro und eine bereinigte Marge von 10,4 Prozent.

Die Pkw-Reifen-Division erzielte im ersten Halbjahr ein bereinigtes operatives Ergebnis von 296,6 Millionen Euro, davon 199,5 Millionen Euro im zweiten Quartal. Die Nfz-Reifen-Division erreichte trotz marktbedingter massiver Umsatzeinbrüche im zweiten Quartal beim bereinigten operativen Ergebnis den Break-even. Die Division ContiTech verbuchte im ersten Halbjahr ein bereinigtes operativen Ergebnis von 98,8 Millionen Euro, davon 61,4 Millionen Euro im zweiten Quartal. „Die Kennzahlen belegen erneut die ausgewogene und strategisch sinnvolle Aufstellung der Continental: Die insgesamt weniger konjunkturanfällige Rubber Group schreibt trotz des schwierigen Umfelds deutlich schwarze Zahlen“, erklärte Dr. Neumann.

Dr. Neumann wies beim Ausblick darauf hin, dass eine Prognose für den weiteren Jahresverlauf durch die Fragilität des aktuellen Zustands der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte weiterhin deutlich erschwert wird. „Die deutliche Reduzierung der Lagerbestände in Europa und Nordamerika und die niedrigeren Basiswerte aus dem zweiten Halbjahr 2008 lassen insbesondere für das vierte Quartal 2009 auf eine Belebung der Geschäftstätigkeit im Vorjahresvergleich hoffen, sodass die Umsatz- und Ergebnisentwicklung des ersten Halbjahrs eine gute Basis für den weiteren Geschäftsverlauf des Jahres 2009 darstellen dürfte. Deswegen gehen wir aus heutiger Sicht, trotz der weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung und der bestehenden Unsicherheiten, weiter davon aus, unsere Kreditvereinbarungen auch im weiteren Jahresverlauf einhalten zu können.“

Die verfügbare Liquidität aus flüssigen Mitteln und ungenutzten zugesagten Kreditlinien lag mit rund vier Milliarden Euro zum Ende des ersten Halbjahrs über dem erwarteten Niveau, dürfte aber wegen der Fälligkeit der im August auslaufenden Tranche A in Höhe von 800 Millionen Euro aus der Kreditfazilität deutlich zurückgehen. „Aufgrund des für den Geschäftsverlauf untypischen starken saisonalen Abbaus der Nettoverschuldung zum Ende des ersten Halbjahrs wird es das Ziel sein, das erreichte Niveau bis zum Geschäftsjahresende stabil zu halten. Zur Rückführung oder Refinanzierung der im August 2010 fällig werdenden Tranche B unserer Kreditfazilität prüft Continental bereits derzeit verschiedene Optionen. Dabei ist unser Ziel, auch die Kapitalstruktur deutlich zu verbessern“, betonte Dr. Neumann.

„Für das zweite Halbjahr rechnen wir auf Basis der heute vorliegenden Informationen mit einer weiteren Belebung der Umsätze und der operativen Ergebnisse gegenüber dem ersten Halbjahr 2009. Die geplanten Werkschließungen und die angekündigten Produktionsanpassungen werden im Konzern allerdings zu weiteren Restrukturierungsaufwendungen in den kommenden Quartalen führen. Im Vorjahresvergleich kann es unter anderem deswegen weiterhin zu erheblichen Abweichungen kommen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende.

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