Zuliefererstudie: Durchstarten mit den richtigen Überlebensstrategien

Automobilzulieferer müssen derzeit erhebliche Einbußen hinnehmen und im Jahresverlauf ist dementsprechend mit weiter steigenden Insolvenzraten zu rechnen. Die Dimension der aktuellen Wirtschaftskrise ist neu – Stärke und Geschwindigkeit des Abschwungs zeigen deutlich, dass die Konjunkturkrise von einer Strukturkrise überlagert wird. Alarmierend: Die Maßnahmen, die viele Unternehmen ergreifen, um die Situation in den Griff zu bekommen, sind mittelfristig meist nicht ausreichend. Dies belege ihre aktuelle Umfrage, so die Münchener Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner GmbH: Von über 50 nationalen und internationalen Automobilzulieferern vertrauen 78 Prozent auf „klassische“ Ansätze wie Prozessoptimierungen, 89 Prozent auf die Anpassung der Personalkosten, um die angespannte wirtschaftliche Situation zu überwinden. Lediglich 37 Prozent bzw. 41 Prozent haben Ansätze zur nachhaltigen Anpassung ihrer Strukturen (z. B. durch Standortschließungen) und der Neuausrichtung ihres Geschäftsmodells (z. B. durch Optimierung/Bereinigung der Produktpalette) implementiert.

Fatal, denn: Die Risikopuffer der meisten Unternehmen in der Automobilzuliefererbranche sind aufgebraucht. Selbst wenn sich die Produktion in der Automobilindustrie im Jahr 2010 um acht bis 15 Prozent erholt, bewegt sich das Produktionsvolumen immer noch bei lediglich 76 bis 86 Prozent der Volumina von 2007. Die Überlebensstrategie der Unternehmen müsse deshalb lauten: Klassische Ansätze sind die Pflicht, strukturelle Restrukturierungsmaßnahmen die Kür.

Dr. Peter Fey, Senior Projektleiter und Branchenexperte bei W&P, dazu: „Jetzt ist die Zeit zu handeln! Es genügt nicht mehr nur am Baum zu schütteln, damit ein paar welke Blätter abfallen. Im Gegenteil: Jetzt müssen die faulen Äste aus dem Gehölz geschnitten werden.“ Wie? Experte Dr. Fey empfiehlt ein Vorgehen in elf Schritten:

1. Liquidität sichern: Heute ist wieder die alte Börsenweisheit „Cash is king“ aktuell – denn wie Insolvenzen auch gut positionierter Zulieferbetriebe zeigen, ist Liquidität der kritische Überlebensfaktor.

2. Operative Kostenstrukturen konsequent auf den Fall des „Worst Case“ anpassen: „Harte Maßnahmen“ müssen an erster Stelle stehen.

3. Erst anschließend: Realisierung zusätzlicher, „weicher Maßnahmen“ zur Abfederung von Risiken (z. B. Kurzarbeit).

4. „Wirkliche Einsparungen“ bei fixen oder sprungfixen Sachkosten realisieren: Ein nicht unerheblicher Teil ist variabler Natur und reduziert sich ohnehin.

5. Konsequent Strukturanpassungen vornehmen. Überdenken der Standortstrukturen und Senkung der Strukturkosten, um den erforderlichen Bewegungsspielraum zu erhalten und die notwendige Bereinigung der Kapazitäten umzusetzen.

6. Das Leistungsspektrum optimieren: Überarbeitung der Produktionsprozesse defizitärer Produkte, Führen von Nachverhandlungen und in letzter Instanz rasche Trennung von diesen Produkten.

7. „Polare Wege“ bei F&E-Projekten einschlagen: Die Herausarbeitung von Einsparungspotenzialen ohne die Innovationskraft zu schwächen stellt hohe Anforderungen an die Selektionsmechanismen.

8. Sinnvolle, liquiditäts- und kostenschonende Wege der Kooperationen mit Mitbewerbern anstreben: Besonders mittelständisch geprägte Zulieferbetriebe im zweiten bzw. dritten Glied können hierdurch Lösungen für die erforderlichen Anpassungen von Struktur- und Leistungsspektrum schaffen.

9. Markt-/Wettbewerbspositionierung überdenken: Die erforderlichen Anpassungen dürfen die Zukunftsfähigkeit nicht beschädigen, sondern sollten zu einer mittelfristigen Stärkung der Marktposition beitragen.

10. Akquisitionen zum vermeintlich „günstigen Kaufzeitpunkt“ gut durchdenken – ohne Überkapazitäten nachhaltig abzubauen und die notwendigen Strukturanpassungen vorzunehmen werden Probleme nur multipliziert.

11. Rechtzeitige Kommunikation mit Kunden, finanzierenden Instituten und vor allem den Sozialpartnern.

Kurzporträt Dr. Wieselhuber & Partner

Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) ist eine unabhängige, branchenübergreifende Münchner Unternehmensberatung für Familienunternehmen. Darüber hinaus werden auch managementgeführte Unternehmen in der Automobilzuliefererindustrie beraten. Diese Zielgruppenorientierung und die daraus resultierende Kompetenz hat W&P in den vergangenen zwanzig Jahren zu einer führenden Unternehmensberatung für Familienunternehmen in Deutschland gemacht. Mit Büros in München, Düsseldorf und Hamburg bietet Dr. Wieselhuber & Partner seinen Kunden Branchen- und Methoden-Know-how und zeichnet sich durch Kompetenz im Spannungsfeld von Familie, Management und Unternehmen aus.

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