Michelin beauftragt Dekra Automotive mit Reifentests zu Umweltthemen

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Wenn Reifenhersteller ihre Vergleichstests mit Wettbewerbsprodukten präsentieren, dann sind Journalisten ob der Ergebnisse misstrauisch, weil eigentlich immer der Hersteller ganz vorne liegt, der sie veröffentlicht. Und man kann wohl davon ausgehen, dass auch die Verbraucher eine gewisse Skepsis befällt, dieses Misstrauen muss wohl ein wenig in der Natur der meisten Menschen liegen. Weil nun auch die Reifenindustrie diesen Gedankengang kennt, beauftragt sie in zunehmendem Maße unabhängige Organisationen mit der Durchführung der Tests. Und prompt keimt das Misstrauen, dass doch wohl keiner geneigt sein dürfte, seinem – schließlich zahlenden – Auftraggeber ein wenig erquickliches Testergebnis zukommen zu lassen. Dass aber alles mit rechten Dingen zugeht, wollte Michelin bei einem laufenden Test bei einer Dependance des Dekra Automotive im südfranzösischen Narbonne dokumentieren und hatte aus diesem Grunde Automobiljournalisten dorthin eingeladen. Die Ergebnisse der Tests waren im April noch unbekannt, wenn sie dieser Tage veröffentlicht werden, dann hofft Michelin, die renommierten Wettbewerbsprodukte ausstechen zu können.

Tests zum Treibstoffverbrauch und zur Langlebigkeit

Im Raum Narbonne im südfranzösischen Languedoc – die Pyrenäen sind in Sichtweite – befindet sich der Testkurs „52D“. Der hat eine Länge von gut 500 Kilometern und ist noch nie Schauplatz eines Autorennens gewesen. „52D“ ist Bestandteil des öffentlichen Straßennetzes. Inklusive einiger Schleifen ist der Rundkurs als ideales Testareal für Verbrauchs- und Langlebigkeitsmessungen identifiziert worden. Das Verkehrsaufkommen ist im Allgemeinen spärlich, die Beschaffenheit der abzufahrenden „mediterranen“ Fahrbahnbeläge erscheint repräsentativ (jedenfalls sind keinerlei untypische profilfressende Passagen enthalten), das Klima ist gleichbleibend mild und trocken, so dass (fast) das ganze Jahr über gefahren werden kann: Ein frischer Meerwind und die Nähe zu den Bergen sorgen sommers dafür, dass Reifen und Fahrbahnoberflächen nicht zu heiß werden. Die Fahrer sind geschult, sich penibel an die Verkehrsregeln und an das vorgegebene Testprocedere zu halten. Jeder Testfahrer fährt in einem genau festgelegten Rotationsrhythmus auf jedem Fahrzeug im vier Autos umfassenden Testkonvoi, wobei die vier Automodelle als identisch gelten können. Immer der gleiche „Tankwart“ sorgt dafür, dass auf den Tropfen genau in jedem Tank die gleiche Spritmenge landet. Die Reifen werden täglich umgesteckt, „rotieren“ also gewissermaßen ebenfalls usw. Kurz: Es soll alles objektiv und reproduzierbar zugehen.

1993 unter dem Namen CERM gegründet, werden seit 1996 diese Reifentests im Raum Narbonne durchgeführt, seit dem letzten Jahr unter dem Dekra-Banner. Nicht nur im Auftrage Michelins, auch Bridgestone, Continental, Hankook und Pirelli haben das Angebot bereits genutzt. Normalerweise werden sämtliche Testreifen im ganz normalen Reifenfachhandel käuflich erworben (der obligatorische Blick auf die DOT-Nummer gewährleistet, dass es sich um ein aktuelles Produkt handelt). Nun wollen aber die Reifenhersteller im Allgemeinen mit ihren neuesten Produkten wissen, wo sie denn im Wettbewerb stehen. Das heißt: Das neueste Produkt ist möglicherweise noch gar nicht im freien Verkauf, muss also vom Hersteller gestellt werden. Um sicherzugehen, da ja keine speziell für den Test „getürkten“ Reifen zu erhalten, erfolgt prompt ein Nachtest, sobald der Reifen eingeführt ist: Die dann erzielten Ergebnisse werden mit dem ersten Test verglichen. Käme es dabei zu signifikanten Abweichungen, wäre ein Reifenhersteller als „Trickser“ – um es vorsichtig zu formulieren – entlarvt. Diese Blöße will sich keiner geben.

Michelin steht für Langlebigkeit und ausgezeichneten Rollwiderstand

Die Ernsthaftigkeit und Seriosität, die Michelin – schließlich testet man auch auf eigenem Gelände vielleicht mehr als zur Genüge Wettbewerbsprodukte und weiß daher, wo man selber steht – diesem Testprocedere beimisst, mag man vielleicht daran ablesen, dass zu der Veranstaltung mit zahlreichen europäischen Journalisten auch der für die weltweite technische Kommunikation verantwortliche Pierre Menendes angereist ist. Menendes räumt ein, dass man sich die Testpartner gezielt aussucht, aber nicht danach, wer seinem Unternehmen gewogen ist, sondern welche Testorganisation auf welchem Gebiet in besonderem Maße Reputation genießt: Der eine mag eine Stärke bei der Versuchsanordnung dahingehend haben, die Nässeperformance objektiv zu ermitteln, der nächste gilt als Koryphäe beim Thema Treibstoffverbrauch.

Das Dekra Test Center in Narbonne, das sich mit dem Zusatz „Créateur de confiance“ schmückt, hat sich jedenfalls schwerpunktmäßig den Reifenvergleichstests hinsichtlich Treibstoffverbrauch (maßgeblich beeinflusst durch den Rollwiderstand) und Langlebigkeit verschrieben. Beides sind Umweltkriterien: Ist der Reifen rollwiderstandsoptimiert, so senkt das den Treibstoffverbrauch und damit auch die Emissionen des als Klimakiller entlarvten Kohlendioxid. Und ein Reifen, der langsamer verschleißt, also länger im Gebrauch ist, muss nicht so schnell ersetzt werden: Denn die Herstellung eines neuen Reifens ist energieaufwendig, kostet Rohstoffe und setzt ebenfalls CO2 frei.

Seit 1994 hat das Test Center bereits etwa 29 Millionen Testkilometer allein hinsichtlich Reifen abgespult, die 25 festen Mitarbeiter und 60 im Testen geschulten Fahrer können also mit Fug und Recht auf einen großen Erfahrungsschatz verweisen. Aktuell werden zwei Sommer- und eine Winterreifengröße auf Langlebigkeit und Rollwiderstand geprüft. In der Größe 195/65 R15H treten gegen Michelins Energy Saver ausnahmslos Premiumprodukte an: der Bridgestone B250, Contis PremiumContact 2, Dunlops SP Sport FastResponse, Goodyears Excellence und der Pirelli P6 Cinturato. Im High-Performance-Segment in der Größe 225/55 R16W wird Michelins Primacy HP vom Bridgestone Turanza ER300 und von Pirellis P7 herausgefordert sowie von den bereits in der kleineren Größe genannten Conti-, Dunlop- sowie Goodyear-Reifentypen. Bei Winterreifen in 205/55 R16H stellen sich Michelin Primacy Alpin PA3, Bridgestone LM25, ContiWinterContact TS830, Dunlop SP Winter Sport 3D und Goodyear Ultra Grip 7+ dem Wettbewerb. Als Testfahrzeuge werden der VW Golf V 1.9 TDI und Audi A4 Avant 2.0 TDI genutzt.

Sämtliche Testreifen werden vor dem Test genauestens vermessen, gewogen und fotografiert bzw. ihre Aufstandsfläche dokumentiert. Das gleiche Procedere wiederholt sich, nachdem die Reifen 10.000 Kilometer absolviert haben. Erneut wird an vier definierten Profilabschnitten die Profiltiefe gemessen, wieviel Treibstoff haben die Autos mit den entsprechenden Bereifungen im Rahmen des Tests verbraucht usw. Dann wird hochgerechnet, wann sie die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimeter erreichen. Um nicht von einem bestimmten Laufflächenmuster in die Irre geschickt zu werden, weil es vielleicht anfangs langsam, aber dann immer schneller verschleißt, werden die täglich ermittelten Zwischenwerte während des Tests zu Hilfe genommen, um die Hochrechnung abzusichern usw.

Wenn also dieser Tage die Ergebnisse der beiden Testabläufe mit Sommerreifen veröffentlicht werden – im September folgt die Bekanntgabe der Testergebnisse hinsichtlich Treibstoffverbrauch und Langlebigkeit derWinterreifen –, dann sind die Chancen in der Tat gut, dass Michelin im Wettbewerb mit den prominentesten Wettbewerbern vorne ist, bei den genannten und vom Dekra Test Center untersuchten Kriterien.

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