Adam Touring baut Präsenz in der Schweiz deutlich aus

Man kann nicht behaupten, dass der Schweizer Reifenmarkt in der Vergangenheit oftmals durch große Umbrüche in den Blickpunkt geraten ist. Die geschäftstüchtigen, wenn auch konservativen Schweizer mögen die Evolution, scheuen aber die Revolution. Und dass der Beginn einer weit reichenden Partnerschaft zwischen der Adam Touring GmbH und der Migrol AG beinahe unbemerkt vonstatten ging, setzt ein Ausrufungszeichen hinter diese Marktgegebenheiten. Seit März nun sind die 22 Schweizer Auto-Service-Stationen der Migrol exklusiver Systempartner bzw. Kunde von Adam Touring, wodurch die führende Reifenhandelskette des Landes mit aktuell 40 eigenen Filialen ihren Wirkungskreis – insbesondere beim Flottengeschäft – mit einem Schlag deutlich ausbauen kann.

Für ein Unternehmen, das zwischen 40 und 50 Prozent seines Umsatzes mit Pkw-Flotten erzielt, ist die geografische Abdeckung des Marktes mit Service-Stützpunkten ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Nun verfügte die Adam Touring GmbH mit Sitz in Dietikon vor den Toren Zürichs auch bisher bereits über ein flächendeckendes Netzwerk an eigenen bzw. im Rahmen einer mehr oder weniger lockeren Franchise-Konstruktion verbundenen Filialen und Reifenhandelsbetrieben. Aktuell, so betont Geschäftsführer Jürg Stauffer im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG, betreibe Adam Touring 40 eigene Filialen. Dabei sei man „die einzige Filialkette, die in der ganzen Schweiz vertreten ist“. Gegründet wurde der erste Betrieb 1963 in Würenlos bei Zürich.

Zusammen mit den im Laufe der vergangenen Jahrzehnte entstandenen Filialen, die insbesondere im Norden und im Westen der Schweiz angesiedelt sind, gibt es noch 15 so genannte „Offizielle Partner“. Diese unabhängigen Betriebe verfügen teilweise über einen Adam-Touring-Markenauftritt, teilweise aber auch nicht. Das zentrale Bindeglied zwischen der Reifenhandelskette aus Dietikon und den 15 Partnern ist das Flottengeschäft der Adam Touring GmbH. „Diese Systempartnerschaft ist entstanden, um im Flottengeschäft den Service national anbieten zu können“, erläutert Jürg Stauffer. Die „Offiziellen Partner“, die die wenigen weißen Flecken auf der Adam-Touring-Karte mit Farbe ausgefüllt haben, sind demnach die Dienstleister bzw. die Service-Provider für Adam Tourings Flottenkunden.

Eine komplett andere und – wie der Geschäftsführer betont – für die Schweiz neue Konstruktion im Reifenhandel hat man indes mit der Migrol AG gefunden. Die Migrol AG, selber ein Tochterunternehmen des Schweizer Einzelhandelsriesen Migros (Jahresumsatz: 25,7 Milliarden Franken), betreibt in der Schweiz eines der größten Tankstellennetze des Landes mit 300 Standorte. 150 dieser Standorte wiederum betreiben einen eigenen Tankstellen-Shop, 100 davon nun auch eine Waschstraße und immerhin noch 22 dieser Migrol-Tankstellen eine eigene Werkstatt, dem so genannten „Migrol Auto Service“. Das Produkt- und Serviceportfolio der Auto-Service-Stationen von Migrol deckt sich überaus stark mit dem von Adam Touring. Außer Karosseriearbeiten werden die üblichen Werkstattarbeiten inkl. Reifenmontage angeboten; selbst Reparaturen am Motor sind für Migrol und Adam Touring keine Besonderheit.

Während die Migrol AG den Auto-Service in den 22 (im Rahmen eines Hard-Franchise angebundenen) Stationen aufrechterhalten wollte, sah man sich offenbar nicht in der Lage oder willens, die Zentralenfunktionen für die 22 betreffenden Stationen weiterhin zu erbringen. Das Geschäft sollte sozusagen outgesourct werden. Wie Jürg Stauffer erläutert, sei man „das erste Unternehmen“ gewesen, das die Systempartnerschaft mit den Auto-Service-Stationen der Migrol wollte und sich letzten Endes auch gegen andere Wettbeweber durchsetzen konnte.

Um die komplizierte Konstruktion einfach zu halten: Migrol ist jetzt exklusiver Adam-Touring-Kunde, jedenfalls was den Werstatt- und Reifenbereich betrifft. Die Betreiber der 22 besagten Stationen ordern seit dem Abschluss zwischen ihrem Franchisegeber und der Adam Touring GmbH nun ihre Ware aus dem von der Reifenhandelskette vorgegebenen Sortiment und zu dem von ihr mit den Zulieferern ausgehandelten Konditionen. Während das Dietikoner Unternehmen, das im Übrigen eine 100-prozentige Continental-Tochter ist, im vergangenen Jahr einen Jahresumsatz von rund 45 Millionen Franken erwirtschaften konnte, erwartet Stauffer durch das Abkommen mit Migrol, dass „unser Umsatz schon deutlich steigen wird“, auch wenn es sich bei den Migrol-Stationen durchweg um eher kleinere Betriebe handelt.

Gerade was die geografische Überschneidung der Einzugsgebiete der Adam-Touring-Filialen und der Migrol-Auto-Service-Stationen betrifft, muss man wohl von einem Glücksfall für die „größte Pneuhauskette der Schweiz“ (nach Anzahl der Standorte betrachtet) sprechen. Wenn überhaupt, gibt es nur ganz wenige Überschneidungen. Folglich muss man die Erweiterung des Adam-Touring-Netzwerkes durch die 22 Migrol-Stationen als „passende Ergänzung“ sehen. Die Werkstätten der Migrol, die seit März nun Partnerbetriebe bei Adam Touring sind, werden indes nicht komplett neu gebrandet. Allerdings soll der Hinweis „Adam-Touring-Partner“ an prominenter Stelle der Immobilie wie auch in schriftlichen Veröffentlichungen (etwa in Prospekten, Anzeigen, etc.) angebracht werden.

Ein wesentlicher Punkt, der Adam Touring und Migrols Auto-Service-Stationen zu perfekten Partnern macht, ist die Konzentration auf das Pkw-Geschäft. Keines der beiden Unternehmen hat nennenswerte Aktivitäten im (Reifen-)Geschäft mit Lastkraftwagen. Außerdem haben die Migrol-Stationen bisher ausschließlich Privatkunden bedient, so dass sie von dem intensiven Flottengeschäft der Adam Touring GmbH sicherlich werden profitieren können. Und bei Adam Touring ist man sicherlich glücklich, auf einen Schlag nicht nur einen neuen Großkunden hinzugewonnen zu haben, sondern auch das Netzwerk an Service-Stationen, die im Rahmen des Flottengeschäftes Dienstleistungen im Namen von Adam Touring erbringen können, auf einmal von 55 auf jetzt 77 ausbauen zu können. Gerade in einem Land wie der Schweiz, wo mobiler Flottenservice kaum angeboten bzw. von den Kunden gefordert wird, ist die komplette geografische Marktabdeckung der zentrale Wettbewerbsfaktor im Flottengeschäft.

Wird sich denn etwas am Sortiment der Migrol-Stationen ändern? Laut Jürg Stauffer seien hier keine grundsätzlichen Veränderungen zu befürchten, obwohl es im Detail sicherlich Anpassungen im Sortimentmix geben dürfte. Natürlich werde der Geschäftsführer mit seinen drei Regionalleitern versuchen, künftig mehr Reifen aus der eigenen Muttergesellschaft in den Auto-Service-Stationen von Migrol zu platzieren. Dies seien die Marken Continental im Premiumsegment, Uniroyal und Semperit im Quality-Segment und Viking im Budget-Segment. Barum-Reifen gehören interessanterweise nicht in das Sortiment von Adam Touring, sondern wird über andere Importeure in der Schweiz vertrieben. Dass das Produktsegment der Reifenhandelskette bereits mit der Conti-Marke Viking endet, sei Ausdruck des besonderen Qualitätsbewusstseins der Kundschaft: „Unsere Kunden wollen Premiumreifen“, so Stauffer weiter. Folglich halte man auch an einer Strategie fest, in der vermeintliche „Billigreifen aus Fernost“ keinen Platz finden.

Dass die neuen Adam-Touring-Kunden die Marken aus dem Hause Continental nicht in den Schweizer Pkw-Reifenmarkt (jährlich rund 6 Millionen verkaufte Reifen) zwingen müssen, sondern ihnen eh schon mit einem Anteil von rund einem Viertel eine dominierende Stellung zukommt, wird etwaige Anpassungen beim Sortimentmix sicherlich erleichtern. Die Continental, die im Übrigen ihre Schweiz-Zentrale in der Etage über Adam Touring hat, ist klarer Marktführer bei den Eidgenossen. Nicht nur, dass die 100-prozentige Tochter Adam Touring den Schweizer Ersatzmarkt mit Ware aus Hannover bzw. dem Continental-Auslieferungslager in Neuendorf bedient. (Adam Touring war übrigens 1982 durch Semperit aus Österreich übernommen worden; als diese dann wiederum 1986 von der Continental übernommen wurde, kam Adam Touring zur Continental.) Auch das Schwesterunternehmen Pneu Egger AG aus Aarau, an dem die Continental beteiligt ist, sorgt für einen entsprechend hohen Marktanteil; im Übrigen auch bei Lkw-Reifen. Darüber hinaus habe die Continental AG mit ihren Marken auch beim Schweizer Importeur für VW und Audi, der Automobil- und Motoren AG (AMAG), „einen guten Stand“.

Was hingegen das Werkstattgeschäft betrifft, so seien überhaupt keine Veränderungen durch die neue Partnerschaft zu erwarten, da die Auto-Service-Stationen bereits jetzt ein deckungsgleiches Angebot bieten. Es sei höchstens denkbar, dass der ertragsstarke Autoservice in Zukunft noch weiter ausgebaut wird, so der Geschäftsführer. Dies wäre dann aber eine Entwicklung, die auch bei Adam Touring in den Filialen stattfinden würde. Was hingegen denkbar wäre, sei so etwas wie eine „Einkaufsgemeinschaft“ bei Investitionsgütern, wie sie in einer Kfz- und Reifenwerkstatt ständig neu benötigt werden. Ein gemeinsamer Einkauf en gros von Auswucht- und Montagemaschinen, Hebebühnen bzw. Liften oder Geräten zur Fahrzeugdiagnose oder zur Achsvermessung werde Kostenvorteile bringen, ist sich Jürg Stauffer sicher.

Obwohl es auch für Adam Touring einen nicht zu vernachlässigenden Anteil am Umsatz gibt, den das Unternehmen mit dem Großhandels- bzw. Streckengeschäft macht, verliert dieser Teil des Geschäftes offenbar kontinuierlich an Bedeutung. Aktuell stammen noch rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes in Höhe von 45 Millionen Franken aus dem Wiederverkauf. Immerhin, muss man sagen. Allerdings sei dieses Geschäft, das sich abseits des Endkundengeschäftes (ob nun als Privat- oder als Flottenkunde) bewegt, kein strategischer Unternehmenszweck. Das Hofgeschäft steht bei Adam Touring im Mittelpunkt allen unternehmerischen Handelns. Außerdem verfüge Adam Touring auch nicht über die logistischen Möglichkeiten und Notwendigkeiten, um den Reifengroßhandel strukturiert zu betreiben. So gibt es etwa kein spezielles Zentrallager, über das das Großhandelsgeschäft laufen könnte. Darüber hinaus sei in den vergangenen zwei Jahren durchaus Bewegung in den Schweizer Reifengroßhandel gekommen, in dem sich neben den Branchengrößen Dista Vertriebs AG und Hostettler AG auch Ihle aus Baden-Baden durch eine Kooperation mit einem lokalen Vertriebspartner (Derendinger) offenbar gut etablieren konnte. Kurz und gut: Das Großhandelsgeschäft ist eben nicht das Kerngeschäft von Adam Touring.

Bei Adam Touring sind heute 150 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 20 Auszubildende zum Reifenpraktiker, Reifenfachmann, Automonteur oder zum Automechaniker. In der Zentralverwaltung des Unternehmens in Dietikon arbeitet eine „schlanke Struktur“ von zehn Angestellten. Neben den Aktivitäten in der Schweiz „operiert Adam Touring auch international“, stellt Jürg Stauffer mit einem Schmunzeln fest, liegt doch einer der 40 Standorte in Triesen im Fürstentum Liechtenstein.

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