Wer ist eigentlich Accuride?

Die Accuride Corporation (Zentrale in Evansville/Indiana) ist ein bedeutender Zulieferer der nordamerikanischen Nutzfahrzeughersteller. Gegründet 1986 zum Zwecke der Übernahme von „Firestone Steel Products“, eine Tochtergesellschaft des Reifenherstellers Firestone, wurde Accuride im Jahre 1988 an die Phelps Dodge Corporation weitergeschoben, um schließlich 1997 von der Hubcap Acquisition, ein Tochterunternehmen des auch aktuellen Mehrheitsgesellschafters Kohlberg, Kravis, Roberts & Co. (KKR), übernommen zu werden. Die verschmolz Accuride in 2005 mit der Transport Technologies Industries (TTI) und verdoppelte so den Umsatz kurzerhand in etwa.

Der Accuride-Anteil am Ersatzgeschäft ist ebenso schwach wie der Anteil internationaler Aktivitäten – obwohl genau die Ausweitung der Internationalität von den Eignern immer wieder in den letzten Jahren propagiert wurde. Diese Mehrheitsgesellschafter von der KKR ist eine Investmentgesellschaft, und die wiederum gilt hierzulande als ein Paradebeispiel der „Heuschrecken“ und hält unter anderem die Mehrheit an der Fachmarktkette ATU.

Mit Accuride hatte KKR jahrelang große Freude, Umsatzrenditen von mehr als zwanzig Prozent und mehr wurden ausgewiesen – bis die allgemeine Wirtschaftskrise die amerikanischen Hersteller von Nutzfahrzeugen mit voller Wucht traf. Der Aktienkurs brach in 2008 völlig ein und bewegte sich dauerhaft unterhalb von einem Dollar: Und das ist ein Grund, vom Handel an der New York Stock Exchange ausgeschlossen zu werden, was auch geschah. Das Unternehmen schreibt tiefrote Zahlen, der Umsatz – in 2007 mit etwa 3.500 Beschäftigten noch mehr als eine Milliarde US-Dollar – ist förmlich zusammengebrochen. Der wird zu knapp der Hälfte mit Rädern gemacht, mit den sogenannten „Wheel-end“-Produkten wie „Wheel-Guard“ erhöht sich der Anteil auf etwa zwei Drittel, der ganz direkt mit dem Rädergeschäft zusammenhängt.

Accuride ist in Nordamerika der größte Lieferant von Nutzfahrzeugrädern in die Erstausrüstung. Zum Produktportfolio gehören in London (Ontario/Kanada), Henderson (Kentucky) und Monterrey (Mexiko) gefertigte Stahlräder von 17,5 bis 24,5 Zoll für die großen Truckhersteller (Freightliner, PACCAR, Volvo/Mack usw.) und den Trailermarkt (Wabash, Great Dane …); größter Wettbewerber ist in diesem Bereich Hayes Lemmerz. Bei geschmiedeten Aluminiumrädern aus Erie (Pennsylvania, der zweite Standort Cuyahoga/Ohio wird derzeit geschlossen) – ebenfalls für Zugfahrzeuge und Trailer – reicht das Spektrum von 19 bis 24,5 Zoll, sie sind nach Accuride etwa 3,5 Mal so teuer wie die stählernen Pendants; größter Wettbewerber ist Alcoa. Die dritte Räderproduktgruppe ist für leichte Nutzfahrzeuge bestimmt: Stahlräder von 16 bis 20 Zoll vor allem für General Motors und Daimler sowie Chrysler aus London und Monterrey; auf diesem Gebiet gilt ArvinMeritor als bedeutendster Wettbewerber. Hinzuweisen auch darauf, dass Accuride Stahlräder für militärische Fahrzeuge liefert und nach eigenen Angaben sogar Aluminiumfelgen für den militärischen Einsatz entwickelt.

Wie notwendig an sich eine Internationalisierung ist, mag daran abgelesen werden, dass in 2007 mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes mit nur vier Kunden gemacht wurden: PACCAR (16,6 Prozent), Freightliner (16,5 Prozent), International Truck (13,5 Prozent) und Volvo/Mack (8,1 Prozent).

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