Michelin präsentiert neue Generation Motorradreifen für den Straßenrennsport

Nach einem dreijährigen Entwicklungs- und Testzyklus und 130.000 Testkilometern auf mehr als 30 Rennstrecken hat Michelin mit dem „Power One“ eine neue Generation von Motorradreifen für den Straßenrennsport präsentiert. Angaben des Reifenherstellers zufolge ist sie speziell für die Anforderungen von Rennfahrern und Hobbyracern entwickelt worden. „Noch nie hat Michelin vor einer Markteinführung so hart getestet“, heißt es vonseiten des Unternehmens unter Verweis auf die bei über 116 Test-Sessions abgespulten 35.000 Testrunden mit 350 verschiedenen Reifenvarianten. Unter dem Namen „Power One“ sollen sukzessiv sowohl Reifen im Segment „Full-Road-Race“ (Slick- und Regenreifen) als auch im Segment „Hypersport“ (profilierte Rennreifen) benannt werden. Im Segment „Hypersport“ ersetzt der „Power One“ als profilierte 17-Zoll-Ausführung den „Power Race“ in der Michelin-Produktpalette. Im Segment „Full-Road-Race“ ergänzen die „Power One Slick“ und der „Power One Rain“ jeweils für 16,5-Zoll-Räder das Michelin-Sortiment im Bereich Rennreifen.

Die Reifenkonstruktion der „Power-One“-Serie ist demnach vollkommen neu, was im Vergleich mit dem aktuellen „Power Race“ zu einer deutlich besseren Performance im Renneinsatz führe. Die erzielten Fortschritte fasst Michelin in Form zahlreicher Akronyme zusammen, die jeweils für bestimmte Technologien stehen. Eines der Kürzel heißt AST, womit eine über die Laufflächenbreite asymmetrische Anordnung der beim Slick zum Einsatz kommenden drei Mischungsspezifikationen gemeint ist. Das bedeutet, dass zur einen Reifenschulter hin eine weichere Mischung verwendet wird als auf der gegenüberliegenden Reifenschulter und in der Laufflächenmitte eine noch härtere Gummimischung zu finden ist. „Der Michelin ‚Power One’ ist nicht laufrichtungsgebunden und kann dementsprechend wahlweise in beiden Laufrichtungen montiert werden, um das Fahrzeug an die Besonderheiten des Streckenverlaufs – rechts- oder linkskurvenlastig – anzupassen“, wird der Vorteil eines solchen Ansatzes erklärt.

Mit MCP und CPT werden zwei weitere Technologien kodiert. Dabei ist die Maximum-Contact-Patch-Technologie aus dem Rennsportengagement der Franzosen abgeleitet worden: Von einem speziellen Reifenaufbau mit mehr Karkasslagen verspricht man sich eine Vergrößerung der Auflagefläche des Reifens, wobei Michelin das diesbezügliche Plus gegenüber dem „Power Race“ mit bis zu 15 Prozent beziffert. „Das Motorrad verhält sich vorne deutlich stabiler und kann dadurch in Schräglage früher beschleunigt und später abgebremst werden“, wird verdeutlicht, wie sich dies in der Praxis auswirkt. CPT steht für Competition Profile Technology und kommt laut Michelin direkt aus der MotoGP. Hinter diesem Akronym verbirgt sich im Wesentlichen eine spitzere Reifenkontur, welche die Handlichkeit beim Einlenken erhöhen soll. Der abgeflachte Schulterbereich ist für eine verbesserte Stabilität und einen besseren Kurvengrip bei maximaler Schräglage zuständig. „In Verbindung mit der MCP-Technologie vermittelt CPT ein besseres Fahrgefühl, vor allem in großen Schräglagen zwischen 45 Grad und 60 Grad, verbessert die Stabilität und das Einlenkverhalten“, sagt Michelin.

Freilich ist der 16,5-Zoll-Slick dem exklusiven Einsatz auf der Rennstrecke vorbehalten, ebenso wie der „Power One Rain“ – beide dürfen auf keinen Fall auf öffentlichen Straßen gefahren werden, weswegen sie im Flankenbereich auch den Hinweis „Not for highway service“ tragen. MCP und CPT finden sich bei dem Regenreifen ebenso wieder. Seinem Einsatzzweck entsprechend verfügt er allerdings über ein sogenanntes „Fontaine”-Profil für maximale Wasserverdrängung und ein möglichst hohes Haftungsniveau auf nassen oder feuchten Rennstrecken. „Die Silica-Rain-Technology (SRT) ermöglicht einen besseren Kaltgrip auf nasser Fahrbahn oder bei Regen und das bei gleich bleibender Laufleistung. Der Vorderradreifen hat eine neue Gummimischung, die unsere Synthetic-Component-Technology (SCT) mit der Silica-Rain-Technology verbindet und somit hervorragende Performance bei feuchten und nassen Pisten bietet, unabhängig von den Temperaturen“, verspricht Michelin. Der Hinterreifen habe zwei neue Gummimischungen basierend auf SCT und SRT sowie der Mehrkomponentenmischungstechnologie, die bei den Franzosen 2CT genannt wird.

Die 17-Zoll-Version „Power One Racing“ ist für den Einsatz bei Rennen gedacht, für die profilierte Reifen vom Reglement vorgeschrieben sind. Als reiner Rennstreckenreifen verfügt auch er über keine Freigabe für den Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr. Warum dies so ist, wird schnell beim Blick auf den mit weniger als fünf Prozent angegebenen Negativprofilanteil deutlich – die Verwandtschaft zum Slick ist mehr als nur erahnbar. „Mehr Gummi auf dem Boden gewährleistet einen enormen Grip und ermöglicht eine Schräglage von bis zu 60 Grad“, erklärt der Reifenhersteller. Demnach wurden die Vorder- und Hinterradprofile unter der Zielsetzung entwickelt, ein weitgehend optimales Abriebsbild zu gewährleisten und unregelmäßigen Verschleiß zu minimieren. Durch die schwache Profilierung eher in Laufflächenmitte – die Reifenschultern sind nicht profiliert – erhöhe sich die Steifigkeit der Laufflächenmischung und vermittele dem Fahrer ein stabileres Fahrgefühl, sagt Michelin über den Reifen

Der „Power One Racing“ wird in insgesamt vier verschiedenen Versionen (gekennzeichnet als A, B, C und V) angeboten – sein „Bruder“ mit dem Namen „Power One Racing/Street“ für das Segment Hypersport Straße bzw. konzipiert für Renntrainings sowie den supersportlichen Straßeneinsatz und deswegen mit entsprechender Freigabe in sechs Reifendimensionen: 120/60 ZR17 M/C (55W) und 120/70 ZR17 M/C (58W) für das Vorderrad sowie 160/60 ZR17 M/C (69W), 180/55 ZR17 M/C (73W), 190/50 ZR17 M/C (73W) und 190/55 ZR17 M/C (75W) für das Hinterrad. Die Ähnlichkeit mit dem reinrassigen Rennpneu ist offenkundig, und auch technologisch ist der „Power One Racing/Street“ nicht weit entfernt von dem „Power One Racing“ oder den anderen „Power-One“-Varianten. Nicht umsonst firmiert der für die Straße zugelassene Reifen unter dem Kürzel NST, das für Near Slick Technology steht. Auch SCT und 2CT findet sich bei ihm wieder: Alle Vorderreifen verfügen demnach über eine identische Aufteilung der Gummimischung wie die Racing-Versionen und haben eine 2CT-Aufteilung der Laufflächenmischung im Verhältnis 37,5/25/37,5 Prozent, die Hinterreifen haben eine 2CT-Gummimischung im Verhältnis 12,5/75/12,5 Prozent.

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