US-Regierung will Zulieferern Garantien geben

Die angeschlagene US-Automobilzuliefererindustrie erhält in einem gesonderten Programm Staatsgarantien über fünf Milliarden US-Dollar. Die Regierung in Washington werde die Begleichung offenener Forderungen durch von Insolvenz bedrohte Autohersteller garantieren, egal was mit diesen passiere, teilte US-Finanzminister Tim Geithner gestern mit. „Das Programm wird einen entscheidenden Teil der US-Autoindustrie im Vorfeld einer schwierigen Restrukturierungsphase stabilisieren“, erklärte der Minister. Profitieren werden von dieser ersten wichtigen Entscheidung der Auto-Task-Force von Präsident Barack Obama jedoch nur die Zulieferer von GM und Chrysler. Ford erklärte, es werde an dem Programm nicht teilnehmen. Der Konzern sei überlebensfähig, hieß es zur Begründung. Die Garantien gelten für Lieferungen nach dem 19. März 2009.

Die Automobilzulieferer hatten zunächst Hilfen in Höhe von 25 Milliarden Dollar gefordert. Zwei Drittel der rund 5.000 Firmen der Branche haben große finanzielle Probleme, hieß es zur Begründung. Die Task Force des Präsidenten teilte unterdessen mit, das neue Programm werde den wichtigsten Zulieferern das überleben garantieren. Die Branche stehe vor einer Konsolidierung.

Reifehersteller, die in den Vereinigten Staaten fertigen und die für etwaige Hilfe aus dem neuen Garantieprogramm der Regierung in Frage kommen, wollen die Details nun prüfen. Wie etwa Michelin North America mitteilt, habe „das Programm auf den ersten Blick einige interessante Elemente“. Die Sprecherin weiter: „Michelin wird die Details des Automobilzuliefererprogramms analysieren und mit unserer Geschäftssituation vergleichen. Dann werden wir entscheiden, ob oder ob wir uns nicht beteiligen.“ Allerdings erläutert Michelin North America, dass weniger als fünf Prozent des Umsatzes mit den „Big-3“ der Branche erzielt werden; die Abhängigkeit von GM, Chrysler und Ford sei demnach vergleichsweise gering.

Die US-Autoindustrie ist besonders hart von der Rezession betroffen. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres brach der Absatz um fast 39 Prozent auf das niedrigste Niveau seit 27 Jahren ein. GM und Chrysler erhielten bereits 17,4 Milliarden Dollar an Hilfen, um eine Insolvenz abzuwenden. Die Task-Force des Präsidenten prüft derzeit ihren Antrag auf weitere 22 Milliarden Dollar. Zeitweise sah es so aus, als würde die Regierung eine Insolvenz mit nachfolgender Restrukturierung einer weiteren Kapitalspritze vorziehen. Die gestrige Hilfe für die Zulieferer wurde von den Märkten offenbar als Zeichen dafür interpretiert, dass eine Insolvenz nun weniger wahrscheinlich ist. GM-Aktien stiegen um zwölf Prozent, auch die Papiere der Autozulieferer zogen deutlich an. Chrysler ist nicht börsennotiert und gehört mehrheitlich dem Private Equity-Investor Cerberus.

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