Der deutsche Pkw-Aluminiumräderersatzmarkt

Der „Arbeitskreis Felgenhersteller“ im Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk trägt dankenswerterweise Meinungen und Zahlen aus dem deutschen Pkw-Aluminiumräderersatzmarkt zusammen, die der Realität des Marktes schon sehr nahe kommen sollten, auch wenn Marktteilnehmer in diesem Gremium fehlen (genannt seien vor allem ATU, Interpneu und Ronal), deren Daten gewiss marktrelevant sind.

Die Grundstimmung der Branche ist schlecht, was im persönlichen Gespräch nahezu jeder Räderanbieter unumwunden einräumt – der eine spricht von einem 10-, der nächste von einem 15-prozentigen Umsatzrückgang mit jeweils arg geschrumpften Margen –, das wurde auch im Arbeitskreis zu Protokoll gegeben: Die Lebenshaltungskosten mögen zwar gesunken sein und auch die Konsumforscher reiben sich verwundert die Augen, dass sich die Bundesbürger trotz der allgemeinen Wirtschafts- und Finanzkrise immer noch einiges außer der Reihe gönnen, dennoch sind keine Impulse für Umsatzsteigerungen in Sicht. Beklagt wird auch, dass der immer noch steigende Erstausrüstungsanteil von Aluminiumfelgen und ein von den Autohäusern in Verbindung mit ihren Automarken getragenes Komplettradangebot das eigene Geschäft erschweren. Der unter anderem von vollen (Winter-)Reifenlägern in den letzten Jahren gebeutelte Großhandel verspürt auch keine Lust, sich fürs Frühjahrsgeschäft 2009 groß mit Rädern einzudecken. Sowohl auf Ebene der Stückzahlen wie des Umsatzwertes in den nächsten drei Jahren ist die Branche eher pessimistisch. Ein schwacher Lichtblick: Den anhaltend starken Verdrängungswettbewerb dürften einige Teilnehmer nicht überleben, sodass für die verbliebenen Unternehmen in preislicher Hinsicht etwas Dampf aus dem Kessel entweichen sollte.

Den Stahlradanbietern fehlt ein Instrument, um sich gegebenenfalls von den Marktentwicklungen positiv abzukoppeln. Sie haben keine Stylingargumente. Dass tatsächlich manches Stahlrad heute leichter ist als ein Pendant aus Aluminium, interessiert in der Zielgruppe der potenziellen Stahlradkäufer auch nicht wirklich. Die Anbieter von Aluminiumgussfelgen lechzen danach, die Designtrends besser zu erkennen als die Mitbewerber, Aluräder mögen einiges von ihrem Nimbus als Modeartikel verloren haben und in ihrer Gesamtheit Commodities inzwischen geworden sein; ein Rahm kann bei einer verbliebenen Restklientel dennoch abgeschöpft werden. Wer die Trends des Jahres verpasst, wird unterdurchschnittlich abschneiden. Wer das richtige Gespür für die Verbraucherwünsche vor der Saison hatte und mit dem marktgerechtesten Programm – Lieferfähigkeit vorausgesetzt – startet, der hat alle Voraussetzungen, überdurchschnittlich abzuschneiden. Abstürzen kann er übrigens trotzdem: zum Beispiel weil er sich preislich selber aus den Markt katapultiert.

Und so sieht denn der Arbeitskreis für schwarzpolierte Aluminiumräder immer noch Wachstumspotenzial, während Mehrteiler und Chromräder mit Marktanteilsverlusten rechnen müssen. Das ist keine gute Nachricht, denn sie spiegelt in der Tendenz auch eine Umverteilung in preislicher Hinsicht wider: weg von der teureren (Handel an Verbraucher) hin zur günstigeren Designalternative.

Wichtig ist natürlich auch, bei den richtigen Größen dabei zu sein. Die mit Unterstützung der BBE-Retail-Experts zusammengetragenen Zahlen lassen einen weiteren Rückgang der ohnehin in den Marginalienbereich abgerutschten 13-Zoll-Räder erwarten. Im Minus seien auch 14 und 15 Zoll in 2009, glaubte man noch bei der letzten Zahlenauswertung. Ob das angesichts des Zulassungsbooms gerade bei Klein- und Kompaktwagen tatsächlich so ausgehen wird, sei immerhin mal mit einem Fragezeichen versehen. Während der Volumenbringer 16 Zoll (mehr als 40 Prozent) konstant bleiben dürfte, werden für 17- und 18-Zoll-Größen Zuwachsraten erwartet. Ab 19 Zoll sind die Volumina dermaßen bescheiden, dass Geschäfte in diesem Bereich allenfalls einen spärlichen Klecks Sahne auf dem Kuchen ausmachen werden.

Und ein letzter Trend: Die saisonale Verschiebung weg vom Frühjahr hin zum herbstlichen Geschäft hält an. Auch als Winterrad ist eines aus Aluminium zu einer Alternative geworden. Preislich liegen Alu- und Stahlrad manchmal einfach zu dicht beieinander. Die Freude der Vertreter der Aluräderzunft dürfte allerdings stark eingetrübt sein, denn das Winterrad aus Aluminium ist jedenfalls aktuell noch eher eines der einfacheren Sorte und aus dem Billigprogramm. Freilich ist das auch eine Chance für das technologisch und stilististisch (und deutlich teurere) Premium-Winterrad! In 2006 wurden (mit großer Wahrscheinlichkeit bezogen auf Stückzahlen) 53 Prozent aller Aluminiumgussräder im deutschen Ersatzgeschäft im zweiten Halbjahr, 2007 bereits 55 Prozent und 2008 sogar 58 Prozent abgesetzt: Tendenz weiter zunehmend. Als Erklärung dienen der weiter ansteigende Erstausrüstungsanteil des Aluminiumrades und die wachsende Umrüstquote.

Nach den Zahlen des Arbeitskreises hat der deutsche Aluminiumfelgenersatzmarkt im Jahre 2006 mit gut 3,5 Millionen Einheiten (Sell-in, nur AK-Mitglieder) seinen Zenit überschritten; für 2007 wurden 2,9 Millionen, für 2008 2,65 Millionen Einheiten konstatiert. Für dieses Jahr erwarten die Marktauguren eine weitere Abschwächung, die hoffentlich durch den Neuzulassungsboom dank der Abwrackprämie dann doch ausbleibt. Die Absatzzahlen im deutschen Aluminiumfelgenersatzmarkt der Nichtmitglieder des Arbeitskreises werden auf etwa 800.000 bis 900.000 Einheiten geschätzt.

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