Gewerkschaft: Stöcken-Schließung werden wir nicht akzeptieren

Dass die Arbeitnehmervertreter die Ankündigung der Continental, zum Ende des Jahres die Produktion im Stammwerk in Hannover-Stöcken endgültig einzustellen, kommentar- und kampflos hinnehmen werden, hat sicherlich auch auf der Vorstandsetage des Automobilzulieferers und Reifenherstellers niemand geglaubt. Auch wenn sich die Befürchtungen, es könnte zu einem „Stöcken II“ kommen, bisher nicht belegen lassen, bringt sich die zuständige Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) derzeit in Stellung und lässt durch erste Mitteilungen aufhorchen.

Deren Vorsitzender Hubertus Schmoldt sagte in einer ersten Reaktion gegenüber der in Hannover erscheinenden Neue Presse, die Schließungspläne der Continental AG seien „völlig unverständlich“. Schmoldt weiter: „Wir fordern den Vorstand auf, den Stilllegungsbeschluss zurückzunehmen." Es gäbe die tarifpolitischen Instrumente, um den Auftragseinbruch aufzufangen. „Wir erwarten endlich ein schlüssiges Gesamtkonzept für Conti/Schaeffler und dass die Banken sagen, was sie vorhaben." Wenn der Vorstand so unverständlich handele, dränge sich der Eindruck auf, dass er in einer undurchsichtigen Situation vollendete Tatsachen schaffen wolle: „Das werden wir nicht akzeptieren."

In einer Stellungnahme der IG BCE lässt deren Vorsitzender mitteilen, die Ankündigung, die Reifenproduktion in Hannover-Stöcken zum Jahresende endgültig aufzugeben, sei „in jeder Hinsicht verfehlt“. Daher müsse die Gewerkschaft die „unverzügliche Einberufung von Aufsichtsrat und Wirtschaftsausschuss“ fordern. Das Ziel, an dem die Gremien der Gewerkschaft zufolge arbeiten sollen: Die „langfristige Lösungen für die Conti als Ganzes auf den Weg zu bringen, statt in kurzsichtiger Hektik dem Unternehmen und seinen Beschäftigten schweren Schaden zuzufügen“, so Hubertus Schmoldt.

Nach Ansicht des IG-BCE-Vorsitzenden gebe es für die gestern bekannt gewordene Vorstandsentscheidung „keine tragfähige Grundlage". Erforderlich seien vielmehr ein Gesamtkonzept für die Unternehmensgruppe und die Entwicklung von Perspektiven für die einzelnen Unternehmensbereiche. „Ehe der Vorstand diese konzeptionellen Voraussetzungen und damit eine zukunftsträchtige Unternehmensstrategie nicht geschaffen hat, sind Entscheidungen wie die Aufgabe von Stöcken als Standort der Lkw-Reifenherstellung weder sinnvoll noch verantwortbar", so Schmoldt weiter. Deshalb müsse sich der Aufsichtsrat mit dem Vorgehen des Vorstandes befassen und eine Erklärung einfordern, so Schmoldt, „warum der Vorstand meint, jetzt und sofort eine Stilllegung beschließen zu müssen".

Zugleich fordert Schmoldt die Banken auf, „endlich ihrer Verantwortung für die Unternehmensgruppe gerecht zu werden". Es sei „überfällig", dass die Finanzinstitute ihre konzeptionellen Vorstellungen zur Zukunft von Continental und Schaeffler offenlegen. „Wir werden nicht hinnehmen, dass die im Kern gesunde und wettbewerbsfähige Unternehmensgruppe in Gefahr gerät, weil in den Vorstandsetagen der Banken auf Zeit gespielt wird", so der Gewerkschaftsvorsitzende.

Ungeachtet dessen verlangt die Industriegewerkschaft auch die Einberufung des Wirtschaftsausschusses bei der Continental. Dem Gremium steht derzeit kommissarisch Conti-Aufsichtsratsmitglied und IG-BCE-Vorstand Werner Bischoff vor. „Dort hat der Vorstand zu erklären, wieso er für das Werk Stöcken keine langfristige Lösung entwickelt, sondern auf kurzfristige Schließung setzt." Für die Lkw-Reifenproduktion gelte wie für alle Produktionszweige und Unternehmen: „Konjunkturelle Krisen sind mit den vorhandenen und hochwirksamen tarifpolitischen und arbeitsmarktpolitischen Instrumenten zu bewältigen." Dass der Vorstand sich weigere, einen dazu bereits verhandelten Interessenausgleich mit entsprechender Betriebsvereinbarung zu unterschreiben, sei „ein Skandal". „Das", so Schmoldt, „ist unvereinbar mit Kultur und Geist der Sozialpartnerschaft" und werde das Klima im Unternehmen „auf das Äußerste belasten".

Der Gewerkschaftschef abschließend: „Betriebsrat, Belegschaft und IG BCE werden gemeinsam alles tun, was ihnen möglich ist, um Entlassungen zu vermeiden und die Produktion in Stöcken zu halten. Der Vorstand wäre sicher gut beraten, mit uns nach vernünftigen Alternativen zu suchen, statt auf Konfrontationskurs zu gehen. Conti braucht Gemeinsamkeit statt Gegeneinander, gerade in der jetzigen schwierigen Situation des Unternehmens."

„Wir beschäftigen uns seit Monaten mit dem Thema. Schließung war stets ein Szenario. Zuerst wollten wir aber die Mitarbeiter informieren“, sagte unterdessen der zuständige Continental-Vorstand Dr. Hans-Joachim Nikolin gegenüber dem Handelsblatt. „Wir hoffen, mit der jetzt gefundenen Größenordnung klarzukommen. Aber ausschließen können wir weitere Schritte nicht.“

Während in Hannover-Stöcken nach dem Willen des Vorstands bis zu 780 Arbeitsplätze wegfallen könnten (Produktion, Vorprodukte/Mischerei und F&E), ist die Pkw-Reifenfertigung im französischen Clairoix noch schlimmer dran. Dort stehen rund 1.120 Arbeitsplätze auf der Kippe. Allerdings laufen auch dort erst die Gespräche mit Arbeitnehmervertretern und der französischen Gewerkschaft an.

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